Die Kapuziner haben nicht nur das Stadtbild geprägt, sondern auch eine stille, unaufgeregte Atmosphäre des Glaubens und der Gemeinschaft hinterlassen“, erinnert sich der Inhaber eines Schuhgeschäfts, Josef Klieber. Als Bub war er Ministrant im Kapuzinerkloster und hat die letzten Patres noch persönlich erlebt. Nicht nur Straßennamen erinnern an die enge Verbindung der Stadt im Salzburger Ennstal mit der Erzdiözese Salzburg und seinen früheren Erzbischöfen. Auch das ehemalige Kloster, der markante Kapuzinerturm und nicht zuletzt der sogenannte „Schlafende Kapuziner“ – eine Bergsilhouette, die oberhalb der Stadt sogar die Landschaft legendarisch prägt, erzählen davon.
Für Stadtpfarrer Roman Eder ist die Geschichte der Kapuziner täglich gegenwärtig. Seit seinem Amtsantritt 2024 lebt und arbeitet er im ehemaligen Klostergebäude. Auf seinen Wegen kommt er immer wieder an der einst bedeutenden Klosterbibliothek vorbei – nicht nur, wenn er Führungen zum Thema anbietet.
„Fürsterzbischof Paris Lodron holte die Kapuziner 1628 nach Radstadt“, erzählt der Pfarrer. Der Orden sollte die Seelsorge stärken und den katholischen Glauben in den Wirren der Reformationszeit festigen. Fertiggestellt wurden Klosterkirche und Kloster 1635. Über Jahrhunderte wirkten die Kapuziner weit über die Stadt hinaus bis ins Salzburger Ennstal.Zeitweise lebten bis zu 28 Brüder im Kloster. Der Stadtrundgang führt schließlich zum Aussichtspunkt mit Blick auf den „Schlafenden Kapuziner“. Der Volksmund erzählt die Legende, dass einer der Kapuzinerbrüder zu einem sterbenden Senner auf die Alm musste. Der Mönch – verführt durch die Sennerin und den guten Schnaps – verpasste den Tod des Senners, sodass dieser ohne Sakramente und kirchliches Gebet sterben musste. Als Strafe ist der Kapuziner auf dem Berg verstorben und liegt als schlafender Kapuziner in das Gebirge eingebettet.
Pfarrgemeinderatsobfrau Erika Hoffmann und Mesner Franz Steiner erinnern sich noch gut an die letzten Ordensmänner. Hoffmann stand schon als junges Mädchen mit den Patres in Kontakt. Sie besuchte eine von Kapuzinern betreute Schule bei der Kapelle Ennswald, heiratete später in der Klosterkirche und half über viele Jahre im Klostergarten mit. „Die Patres waren bescheiden, den Menschen zugewandt und immer ansprechbar“, erzählt sie. Gerade ihre schlichte Lebensweise habe viele beeindruckt.
Auch Mesner Franz Steiner verbindet zahlreiche Erinnerungen mit den Kapuzinern. Besonders ihre Bodenständigkeit, Sportlichkeit und franziskanische Einfachheit seien ihm in Erinnerung geblieben. „Sie waren mitten unter den Menschen, haben angepackt und waren nie abgehoben“, sagte er. Viele Anekdoten und Erinnerungen erzählen von der Selbstdisziplin und dem praktischen Erfindergeist der Patres. Mit dem Rückgang der Ordensberufungen ging diese Tradition zu Ende. 1978 verließ der letzte Kapuziner Radstadt. Das ehemalige Kloster blieb jedoch ein geistlicher Ort, es ist jetzt das Pfarrheim. Bis heute erzählen seine Mauern, die Erinnerungen vieler Menschen und der „Schlafende Kapuziner“ von einer franziskanischen Geschichte, die Glauben und Leben in einer geerdeten und geistlichen Weise zusammengebracht hat.