
Salzburg. Er ist so etwas wie der „Popstar“ unter den Heiligen. Die Kunstgeschichte kennt hunderte bis tausende Darstellungen des Franz von Assisi – vom Mittelalter über die Renaissance bis hin zu barocken und modernen Werken. Der verstorbene Papst Franziskus wählte seinen Namen, um inspiriert vom Leben des Heiligen ein Zeichen für die Armen, den Frieden und die Schöpfung zu setzen. Und auch der Salzburger Erzbischof Franz Lackner betonte als Mitglied des Franziskanerordens erst kürzlich wieder, wie sein Wirken und Denken als Bischof maßgeblich durch den heiligen Franziskus geprägt wurde. Was lag da näher, als den populären Ordensgründer 800 Jahre nach seinem Tod (am 3. Oktober 1226) mit einer Jubiläumsausstellung im Salzburger DomQuartier zu würdigen?

An spannenden Exponaten aus den deutschsprachigen Franziskanerprovinzen mangelt es nicht. „Bei dem, was wir in den Klöstern, Archiven, Bibliotheken und Kulturgutdepots der einzelnen Ordensgemeinschaften gefunden haben, hätten wir ohne Qualitätsverlust zwei oder drei Ausstellungen dieser Größe machen können. Aber ich denke, wir zeigen in Salzburg ein sehr gutes Spektrum der großen Themen und was franziskanische Lebensweise ausmacht“, erzählt der Historiker Bernd Schmies, Geschäftsführer der Fachstelle Franziskanische Forschung in Münster (im Bild oben). Er hat die Ausstellung unter dem Titel „LebensKunst“ gemeinsam mit Dommuseum-Direktor Reinhard Gratz und Franziskaner-Kollegen kuratiert.
Ausgangspunkt der Schau ist laut Schmies „Franziskus als Initiator einer Lebensweise, einer Idee, die sich sehr vielfältig über 800 Jahre realisiert hat“. Dieser Ansatz und die Frage, was die Orden bis in die Jetztzeit aus dem franziskanischen Erbe gemacht haben, fasziniert auch Reinhard Gratz vom Dommuseum: „Franziskus war sehr radikal in seiner Auslegung des Evangeliums. Das Armutsgebot war ihm ganz wichtig, wobei nicht alles bis zur letzten Konsequenz umsetzbar war, zum Beispiel das Geldverbot. Die Franziskaner durften eigentlich mit Geld nicht in Berührung kommen.“ Themen, die in der heutigen Zeit wichtig sind, hätten im franziskanischen Orden hingegen weitergelebt. „Der Einklang mit der Schöpfung, dem Schöpfer und den Mitmenschen, der Verzicht auf Überfluss und Luxus, um in Frieden mit der Schöpfung zu leben“, betont Gratz (im Bild unten).

Historiker Bernd Schmies verweist auf einige Raritäten, darunter zwei Handschriften, die noch nie öffentlich gezeigt wurden: „Dabei handelt es sich um Breviere, also Gebetsbücher, der frühen Franziskaner aus dem späten 13. bis frühen 14. Jahrhundert. Eines wird dem heiligen Bernhardin von Siena zugeschrieben und dürfte laut Besitz- und Benutzereintrag ziemlich sicher von ihm benutzt worden sein.“ Ein außergewöhnliches Objekt sei auch das mittelalterliche Psalter (Psalmenbuch) von Königin Elisabeth von Aragón (Elisabeth von Portugal), das durch die Pracht seines Einbandes und die Miniaturen besteche. Hinzu kämen Gemälde, die erstmals zu sehen sind, „weil sie schlicht und ergreifend bisher nur in Klöstern hingen“.
Ein Fokus der „LebensKunst“ richtet sich auf die Musik und Musikgeschichte der Orden. Zu bewundern ist das berühmte Pansymphonikon, ein vom Salzburger Franziskanerpater Peter Singer im 19. Jahrhundert erfundenes Tasteninstrument, das den Klang eines ganzen Orchesters naturgetreu nachahmen sollte. Und natürlich dürfen Exponate zum „Sonnengesang“, dem wohl bekanntesten und am weitesten verbreiteten Text von Franziskus, nicht fehlen.
Zum Verständnis des von Armut geprägten franziskanischen Lebens gehört nicht zuletzt der Blick auf Alltagsgegenstände, die verdeutlichen, wie Franziskaner ihr Tagwerk bewältigt haben. „Sie zeigen, dass Lebenskunst nicht nur hohe Kunst in Form von Büchern und Miniaturen, sondern auch Alltagskunst ist“, erklärt Schmies. Abgerundet wird das Ausstellungskonzept schließlich mit dem Bogen vom einstigen zum gegenwärtigen franziskanischen Leben. Im DomQuartier permanent vor Ort sind Schwestern und Brüder, die bereitwillig Auskunft über ihren Alltag und ihr Ordensleben geben (siehe unten).
Frag die Franziskaner

Wie leben Ordensmitglieder heute? Die Franziskus-Ausstellung „LebensKunst“ zeichnet sich durch eine spannende Besonderheit aus: Besucherinnen und Besucher bekommen nicht nur einen Einblick in das historische franziskanische Leben, sie haben in den Ausstellungsräumen auch Gelegenheit, mit aktiven Ordensmitgliedern ins Gespräch zu kommen. 80 bis 90 Brüder und Schwestern aus den verschiedensten franziskanischen Ordenszweigen stehen abwechselnd bereit, um Fragen über ihr Leben im Geiste von Franz von Assisi und ihre Gemeinschaft zu beantworten.
Vergangenheit und Gegenwart: „Besucher, die sich für die Geschichte interessieren, haben erfahrungsgemäß auch Fragen zur Gegenwart der Franziskaner. Es geht ja um eine franziskanische Idee, die sich über 800 Jahre hinweg entwickelt hat. Deshalb sind wir sehr froh, dass es dieses Gesprächsangebot gibt“, sagt Kurator Bernd Schmies, der das Konzept von einer früheren Ausstellung in Paderborn in positiver Erinnerung hat: „Es wurde sehr gut angenommen.“
Beliebte Fragen beim Pilotprojekt waren etwa: Warum treten Menschen in den Orden ein und wie läuft ein Tag im Kloster ab? Wird der franziskanische Geist heute noch so wie im 13. Jahrhundert gelebt? Wie ist es um die persönliche Spiritualität der Befragten bestellt? Kann man die Armut so leben wie Franziskus? „Hinzu kommen oft ganz konkrete Fragen zum Alltag“, erinnert sich Schmies an die Paderborn-Ausstellung: „Wie kommt man im Kloster in einer Art ,Wohngemeinschaft‘ mit den anderen Brüdern oder Schwestern zurecht? Oder einfach nur: Wer putzt und kocht?“
teilnehmen
Ausstellung „LebensKunst. 800 Jahre Franz von Assisi“
24. Mai bis 2. November, DomQuartier, Nordoratorium
Exponate aus Österreich, Südtirol, Deutschland und der Schweiz. - Der Ausstellungstitel bezieht sich einerseits auf die franziskanische „Lebenskunst“, andererseits gehört die Kunst selbstverständlich zum Leben der Franziskanerinnen und Franziskaner. Von Anfang an überlieferte die bildende Kunst die Lebensereignisse des hl. Franz, der zu den am häufigsten dargestellten Heiligen der Kunstgeschichte gehört. Franziskaner waren Künstler, Musiker und Wissenschaftler.
Die Person des Ordensgründers und franziskanisches Leben in seiner Nachfolge wird anhand von Zeugnissen aus allen Kunstgattungen, durch Schrifttum und Gebrauchsgegenstände vom Mittelalter bis zur Gegenwart nahegebracht.
Kuratorenführungen*
Sa., 30. Mai, 11 Uhr
Mi., 3. Juni, 15 Uhr
Mi., 16. September, 15 Uhr
Sa., 31. Oktober, 11 Uhr
*Anmeldung erforderlich: anmeldung@domquartier.at
Führungen
Sa., 20. Juni, 11 Uhr
Mi., 8. Juli, 16 Uhr
Mi., 5. August, 16 Uhr
Sa., 22. August, 11 Uhr
Sa., 5. September, 11 Uhr
Mi., 14. Oktober, 15 Uhr
Onlinetickets: shop.domquartier.at