
Salzburg. „Eigentlich ist es verwunderlich“, sagt Diözesankonservator Roland Kerschbaum über jenen prominent im nördlichen Querschiff platzierten Seitenaltar des Salzburger Doms, der den heiligen Franziskus und die franziskanische Familie in den Fokus rückt. „Von der Wertigkeit und Hierarchie erwartet man in einer hochfürstlichen Domkirche neben Jesus am Hochaltar und Maria im südlichen Querschiff vielleicht Apostel oder Kirchenväter, aber nicht einen Bettelmönch.“
Von der Logik her sei das zunächst nicht ganz nachvollziehbar – aber sehr wohl von der Genese des Doms, führt der Experte weiter aus: „Die Bettelorden der Franziskaner und Kapuziner kamen erst wenige Jahrzehnte vor dem Dombau nach Salzburg, 1583 die Franziskaner und 1596 hat Fürsterzbischof Wolf Dietrich die Kapuziner nach Salzburg berufen. Die waren auf Anhieb sehr beliebt und es gab viele persönliche Beziehungen zu dieser Ordensfamilie. Beichtvater von Fürsterzbischof Markus Sittikus war etwa ein Vorarlberger Kapuzinerpater. Auch der engste Vertraute und Beichtvater von Erzbischof Paris Lodron, Johann Baptist vin Ala, war ein Kapuziner aus seiner Heimat. Das erklärt, warum auf diesem Altar der heilige Franziskus samt Ordensheiligen und Heiligen aus dem Umkreis der Franziskaner dargestellt ist.“
Der Seitenaltar mit dem Bild des heiligen Franziskus und seiner Vision in Portiuncula ist auch der Sakramentsaltar des Domes. Franziskus bittet auf diesem Gemälde von Donato Mascagni Christus um einen vollkommenen Ablass. Das Tabernakel aus vergoldetem Messing ist dem Tabernakel des Domenico Fontana für die Sixtus-Kapelle in St. Maria Maggiore nachempfunden. Neben dem Altar wird – wie auf der gegenüberliegenden Seite – auf Grabepitaphen der Salzburger Erzbischöfe aus dem 17. und 18. Jahrhundert gedacht. In den Deckenfresken finden sich Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus. Der Philosoph, Theologe, Franziskus-Biograf und franziskanische Kirchenlehrer Bonaventura, der bis zu seinem Tod 1274 den Franziskanerorden leitete und 1482 heilig gesprochen wurde, ist hier ebenso zu sehen wie die heilige Klara von Assisi, die mit einer Monstranz in der Hand dargestellt wird, der heilige Antonius von Padua und die heilige Elisabeth von Thüringen.
Fazit: Im Dom zu Salzburg lassen sich bereits seit vielen Jahrhunderten franziskanische Spuren entdecken – ganz unabhängig vom heurigen Franziskus-Jubiläumsjahr oder einem aktuellen Erzbischof, der bekanntlich ebenfalls dem Franziskanerorden entstammt.