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Geliebt oder gehasst? Die Kapuziner in Tamsweg.

Franziskanische Spuren in der Erzdiözese (3): Zur Geschichte des Kapuzinerklosters Tamsweg im Lungau gibt es zumindest zwei abweichende Erzählungen. Und in beiden steckt ein Körnchen Wahrheit.

Thomas Manhart

Tamsweg. Nur unspektakulär, fast ein wenig versteckt neben dem Kaffeeautomaten, erinnert in der Bezirkshauptmannschaft Tamsweg eine Weihetafel mit lateinischer Inschrift daran, dass das heutige BH-Amtsgebäude ursprünglich ein Kapuzinerkloster war. Genaueres erfährt der Besucher auf einer moderneren Schautafel neben der Eingangspforte. Sie berichtet von der Grundsteinlegung 1644, der Auflösung des Klosters 1781 sowie der späteren Nutzung als Pfleggericht (ab 1788). Im Jahr 1868 zog schließlich die BH Tamsweg in das Gebäude ein, das mit seiner Architektur, etwa dem Innenhof und dem Flur im Stile eines Kreuzgangs, noch immer etwas klösterlich wirkt. „Auch der Garten zum Schulgebäude hin erinnert die Leute an einen klösterlichen Bereich, aber sonst ist es schon eher fernere Geschichte für den Ort und das Bewusstsein der Menschen. Nur die Älteren sprechen bei der BH noch vom ehemaligen Kapuzinerkloster“, sagt der Tamsweger Pfarrer und Dechant Christian Schreilechner.

 

Der Tamsweger Pfarrer und Dechant Christian Schreilechner vor dem Weihestein des Klosters in der BH Tamsweg. Er verweist auf die Gründung durch die zu den Franziskanern zählenden Kapuziner.

 

Bauern stürmten Baustelle  

 

Lediglich eine vergleichsweise kurze Zeitspanne von 137 Jahren war somit dem einzigen Ordenshaus, das im Lungau je existierte, gegönnt. Und es war eine durchaus emotionale Ära, in der die Kapuziner sowohl Ablehnung als auch Zuspruch erfuhren. Die Klostergründung – mitten im Dreißigjährigen Krieg – war von wütenden Protesten begleitet, wobei vor allem die Unterhaltsfrage und die Lebensmittelversorgung der Brüder durch die Bevölkerung zentrale Kritikpunkte waren.

 

„Den Menschen ging es schlecht. Es drohte gerade wieder eine Missernte. So wurde die Klosterbaustelle von etwa 150  Bauern der umliegenden Gemeinden lautstark und bewaffnet gestürmt – inklusive Morddrohungen gegen die Kapuziner“, erzählt der aus Tamsweg stammende Historiker und Leiter des Stiftsarchivs St. Peter Gerald Hirtner (im Bild oben). Selbst für Ernteausfälle wurde die Klostergemeinschaft von einem Teil der Lungauer verantwortlich gemacht („war seit Ankunft der Kapuziner kein gutes Jahr mehr“).

 

Historiker Gerald Hirtner verfasste die „Kocherchronik“ und weitere Schriften zum Kapuzinerkloster.

 

Nachbesetzung blieb aus

 

Waren die Kapuziner im Lungau also nur verhasst? Die Geschichte sieht es anders. Als sie das Kloster 1781 auf Geheiß von Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo in Richtung Steiermark verlassen mussten, hatte das eher politische Gründe (dass sich die Ordensgrenzen mit den Landesgrenzen decken mussten). „Die Bevölkerung hoffte sogar auf eine Nachbesetzung. Und wie der Unmut zu Beginn hatte das spätere Wohlwollen vielfach ökonomische Gründe. Bauern und Müller hatten das Kloster beliefert, Wirte profitierten von religiösen Veranstaltungen wie den zahlreichen Wallfahrten, Arme und Bettler hatten täglich beim Kloster eine Suppe erhalten“, erklärt Hirtner den Meinungsumschwung. 

 

Ein aktives „franziskanisches“ Kloster im Lungau sucht man im Jubiläumsjahr somit vergebens, die Impulse des heiligen Franziskus sind für Dechant Schreilechner dennoch wertvoll: „Er ist in seiner radikalen Bescheidenheit ein großes Vorbild. Seine Werte sprechen gerade junge Menschen an und vermitteln noch heute ein gutes Image für die Kirche.“

Serien Ressort
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