Salzburg. Der geschäftige, touristische Trubel in der Salzburger Linzergasse und die pittoresken Häuserzeilen lassen den unscheinbaren Abzweig durch einen Häuserdurchgang leicht übersehen. Über einen barocken Kreuzweg gelangt der kundige Besucher jedoch hinauf zum Kloster der Kapuziner. Wer die Felixpforte durchschreitet und den mühsamen, aber lohnenswerten Aufstieg unternimmt, wird durch Szenen der Passion Jesu eingestimmt: in zehn Kapellchen mit lebensgroßen Figuren (siehe unten), endend auf dem Kalvarienberg mit den drei Kreuzen und dem „Heiligen Grab“ beim Kircheneingang.

„Diesen Weg nahmen auch jene Fürsterzbischöfe, die mit dem Kloster auf dem Kapuzinerberg eng verbunden waren: Wolf Dietrich von Raitenau und Paris Lodron“, erzählt Bruder Brian. Der gebürtige Deutsche lebt als Kapuziner in Salzburg und studiert dort Theologie. Im Jahr 2024 legte er seine zeitlichen Gelübde ab, die ewigen folgen voraussichtlich 2028.
Beide Fürsterzbischöfe hatten hier ihre Beichtväter und geistlichen Begleiter. Der eine holte die Kapuziner nach Salzburg, der andere hat hier im wahrsten Sinne des Wortes sein Herz verloren. Hinter der Kirche, neben dem Chorgebetsraum über der Gruft, ruht – besonders markiert – in einer Goldkapsel das Herz von Paris Lodron, wie von ihm erbeten. Der Kreis schließt sich mit dem Verweis, dass der damalige Erzbischof von Salzburg im Kapuzinerpater Johann Baptist von Ala einen engen Vertrauten und Beichtvater hatte.
Apropos Berg, man kann hier auch symbolisch nach La Verna aufsteigen: an jenen Ort in der Toskana, an dem Franziskus die Stigmata erhielt – also die Wundmale Christi an seinem eigenen Körper. Bruder Brian zeigt dazu im Klostergarten eine Steinstele aus einem Steinbruch in der Nähe von La Verna, geschaffen vom Mitbruder und Künstler Bernhard Philipp. Auch eine Replik des La-Verna-Kreuzes finden wir dort.„Existenzielle Erfahrungen durch das Kreuz machte der Heilige sowohl in La Verna als auch in San Damiano“, erklärt der Kapuziner, „in jenem Kreuz von San Damiano erkannte der junge Franziskus, wie Gott ist: nahbar durch das Kreuz. Und am Ende seines Lebens wurde er diesem seinem Gott in La Verna durch die eigenen Stigmata gleichgestaltet.“
Ziel der kleinen „Reise“ von der Linzergasse ins Herz des Klosters ist schließlich ein Ort des gemeinsamen Gebets: der Raum mit dem bezeichnenden Namen ,San Damiano‘. Dort befindet sich eine Kopie jenes Kreuzes, vor dem Franziskus in dem kleinen Kirchlein von Assisi betete (im Bild unten). „Auch hier haben wir drei Bilder unseres Mitbruders Bernhard Philipp, die wesentliche Meilensteine im Leben des Franziskus darstellen“, erklärt Bruder Brian.

Für alle, die Franziskus, das franziskanische Leben und auch Ruhe erleben wollen, bieten die Kapuziner die Möglichkeit: „Wer La Verna oder San Damiano in Salzburg erfahren möchte, findet in unserem Jahresprogramm viele Gelegenheiten.“ Man kann auch zeitweise im Kloster mitleben, Arbeit, Gebet und Liturgie teilen – besonders Studierende sind dazu eingeladen. Im Sommer ist die Terrasse geöffnet, wo man bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch kommen kann.
Auf dem Berg zu sein, heißt auch: aus der Geschäftigkeit der Stadt herauszutreten, Stille und Natur zu suchen. Der hl. Franziskus, der Gott im Alltag erfahrbar machen wollte, ist hier an vielen Orten gegenwärtig.