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Im Dienst am Nächsten

sdr
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Pflege in Coronazeiten

Schwierige Zeiten bringen starke Menschen hervor: Mobile Pflegemitarbeiterinnen und -mitarbeiter erweisen gerade unter den aktuellen Bedingungen einen wertvollen Dienst an ihren Mitmenschen. Der Gesundheits- und Sozialsprengel Stumm und Umgebung im Tiroler Zillertal steht älteren Menschen zur Seite, die Hilfe, Betreuung und Pflege brauchen. Dieser Einsatz ermöglicht es ihnen, dass sie daheim in ihren eigenen vier Wänden bleiben können. Geschäftsführerin Erika Leonhartsberger beobachtet in der derzeitigen Krise, dass diese Tätigkeit nicht nur ein Beruf ist, sondern eine Berufung zum Dienst am Nächsten. „Die Pandemie ist für uns nicht die große Herausforderung. Natürlich ist der gegenseitige Schutz das oberste Gebot. Durch die entsprechende Schutzausrüstung können wir diesen zusichern – das ist körperlich herausfordernder, psychisch aber beruhigender. In unserer Tätigkeit, dem Helfen, werden wir zurzeit noch mehr gebraucht“, sagt sie. Miteinander reden ist wichtiger denn je Die sozialen Kontakte der Klientinnen und Klienten nahmen durch Corona stark ab. Die Konsequenz: Der Gesprächsbedarf ist größer. Für viele Menschen ist die mobile Pflege täglich der einzige Bezugspunkt, weil berufstätige Angehörige kaum Zeit haben. „Reden gehört zur Pflege dazu. Es ist ein Füreinander-da-Sein, eine Mobilisation im Alltag. Ganz egal, ob man gepflegt wird, miteinander einkauft oder Bankgeschäfte erledigt“, ist Leonhartsberger überzeugt. Sie nimmt auch eine Verschiebung wahr: „Oft steht nicht die Grundpflege im Vordergrund, die Menschen wollen reden und wissen nicht, was passiert, wenn sie selbst an Covid-19 erkranken. Wo sollen sie sich hinwenden? Wo erhalten sie Hilfe und wer ist für sie zuständig? Die Flut an Informationen überfordert, viele können mit dieser Situation schwer umgehen und die Folgewirkungen nicht abschätzen“, zeigt sie auf. „Ein Beispiel: Manche denken gar nicht daran, uns über Symptome zu informieren, oder sagen aus Scham nichts. Nur mit richtigen Informationen können wir sicherstellen, dass jeder gut betreut und geschützt wird.“ Corona bringt mehr Wertschätzung Da jede Klientin und jeder Klient als Verdachtsfall gilt, ist die tägliche Pflege nie Routine, sondern ein täglich neues Herantasten. Trotzdem empfinden die langjährigen Mitarbeiterinnen den Arbeitsalltag nicht als Schwierigkeit. „Im Gegenteil, sie sind so positiv eingestellt. Sie packen an, wo es notwendig ist, springen ein, ergänzen sich, können sich aufeinander verlassen. Als Team sind wir noch enger zusammengewachsen. Das Helfen und Unterstützen steht im Vordergrund. Die gegenseitige Wertschätzung – gerade auch von Klienten – steigt“, freut sich Erika Leonhartsberger, die sich in der Pfarre Stumm auch als Lektorin und Kommunionhelferin engagiert. Pflege kann Familie nicht ersetzen Während des ersten Lockdowns im Frühjahr übernahmen Familienangehörige im Homeoffice wieder einige Pflegeaufgaben. „Schon nach einer Woche waren viele überfordert“, berichtet die 52-Jährige: „Es ist gut, sich bei schwierigen Aufgaben Hilfe zu holen, aber das Soziale darf in einer Familie oder der Nachbarschaft nicht zu kurz kommen.“ Ihr Appell: „Schaut´s auch in der jetzigen Krise mit genügend Abstand und unter Einhaltung aller vorgeschriebenen Bestimmungen auf eure Omas und Opas sowie eure Nachbarn. Viele vereinsamen, weil Familien heute anders strukturiert sind – das passiert auch am Land. Die Dankbarkeit kommt vielfach zurück“, argumentiert sie. Und: „Vielleicht kann damit der pflegerische Beruf besser vermittelt werden, wenn das Bindeglied zwischen Jung und Alt gestärkt wird und man erkennt, wie wertvoll diese Begegnungen sind.“ „Wir sind da, um zu helfen“ Viele wenden sich immer noch mit Scheu an soziale Einrichtungen und stellen Anträge zu spät. „Die Menschen, die zu uns kommen, erfahren, dass es nicht schlimm ist, jemanden um Hilfe zu bitten. Niemand kommt ohne Grund, überall steht ein Schicksal dahinter. Wir sind da, um zu helfen“, betont Erika Leonhartsberger. Daniela Pfennig

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