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Inhalt:

5. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Evangelium
Joh 11, 3–7.17.20–27.33b–45

In jener Zeit sandten die Schwestern des Lázarus Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. 

Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lázarus. Als er hörte, dass Lázarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen. 

Als Jesus ankam, fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen. 

Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.

Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus. 

Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. 

Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg. 
Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast.  Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lázarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!  

Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.

Kommentar Lesungen Psalm

1. Lesung

1. Lesung Ez 37, 12b–14

So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich öffne eure 
Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren 
Gräbern herauf. Ich bringe euch zum Ackerboden Israels. Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, 
mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole. 

Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig und ich versetze euch wieder auf euren Ackerboden. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin. 

Ich habe gesprochen und ich führe es aus – 
Spruch des HERRN.

2. Lesung

2. Lesung Röm 8, 8–11

Wer aber vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer aber den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. 

Wenn aber Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit. 

Wenn aber der Geist dessen in euch wohnt, 
der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, 
auch eure sterblichen Leiber lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Antwortpsalm

Psalm 130 1–2.3–4.5–6.7–8

Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir: Mein Herr, höre doch meine Stimme! Lass deine Ohren achten auf mein Flehen um Gnade. 

 

Würdest du, HERR, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient. 

 

Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele, ich warte auf sein Wort. Meine Seele wartet auf meinen Herrn mehr als Wächter auf den Morgen, ja, mehr als Wächter auf den Morgen. 

 

Israel, warte auf den HERRN, denn beim HERRN
ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle. 
Ja, er wird Israel erlösen aus all seinen Sünden. 

Kommentar

Ernst Wageneder

Lehrer im eb Privatgymnasium Borromäum und Schulseelsorger, Lehrbeauftragter an der WU Wien, Knowledgemanagment sowie Mitarbeiter der Missionarischen Pastoral/Pastorale Innovation in der Erzdiözese Salzburg.

VOM TOD ZUM LEBEN – DIE TRÄNEN GOTTES UND DIE SORGE; DIE LEBEN SCHENKT

Ez 37,12b-14 |Röm 8,8-11 | Joh 11,3-7.17.20-27.33b-45

Wir stehen am fünften Fastensonntag, und die Kirche führt uns heute vor die größte aller Fragen, vor jene Frage, die jeder Mensch sich stellen soll, ob er will oder nicht, ob er gläubig ist oder ungläubig, ob er jung ist oder alt: die Frage nach dem Tod und dem Leben, die Frage, ob mit dem Sterben alles aus ist oder ob es eine Hoffnung gibt, die über den Tod hinausreicht, die Frage, ob wir Menschen sind, die dem Tod entgegengehen und dabei versuchen, das Beste aus der kurzen Zeit zu machen, oder ob wir Menschen sind, die dem Leben entgegengehen, auch wenn dieses Leben durch das Dunkel des Todes hindurchgehen muss.

AUS DEN TIEFEN RUFEN WIR – DER MENSCH IM GRAB

„Aus den Tiefen rufe ich, HERR, zu dir: Mein Herr, höre doch meine Stimme!“ So beginnt der Psalm 130, der Antwortpsalm dieses Sonntags, und diese Worte kommen aus einer Tiefe, die wir alle kennen, aus jener Tiefe der Verzweiflung, der Resignation, der Depression, aus jener Tiefe, in der wir uns manchmal wiederfinden, wenn das Leben uns niederdrückt, wenn wir nicht mehr weiterwissen, wenn uns die Kraft fehlt und der Wille und die Perspektive.

Der Prophet Ezechiel sieht in einer Vision etwas Schreckliches: Knochen von toten Menschen, die über ein Feld verstreut herumliegen, ausgetrocknete Knochen, die jede Hoffnung auf Leben verloren haben, Knochen, die nur noch eines sagen: Es ist aus, es ist vorbei, es gibt keine Zukunft mehr. Diese Knochen, so sagt Ezechiel, sind ein Bild für sein Volk, das nach der Botschaft über den Untergang ihrer Heimatstadt Jerusalem im Exil in Babylon lebt, deprimiert, resigniert, ohne Hoffnung, gefangen in der Fremde, abgeschnitten von der Heimat, getrennt von allem, was ihnen heilig war. „Siehe, ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf“, spricht Gott durch den Mund des Propheten, und diese Worte sind mehr als ein Versprechen für die ferne Zukunft, mehr als ein Trost für die Zeit nach dem Tod – sie sind eine Zusage für das Hier und Jetzt, für dieses Leben, in dem wir oft genug in Gräbern liegen, ohne dass wir gestorben wären, in Gräbern der Hoffnungslosigkeit, der Angst, der Einsamkeit, der Schuld und der Verzweiflung. Was empfinden wir beim Wort „Grab“? Ist es für uns nur die letzte Ruhestätte, der Ort, wo unser Körper in die Erde gelegt wird, um zur Erde zu werden, das endgültige Aus unseres Lebens? Oder gibt es noch andere Bedeutungen für dieses Wort, Bedeutungen, die uns näher kommen, die uns ‚mehr‘ verdeutlichen als das Grab auf dem Friedhof? Das Grab unserer Erinnerungen, in dem wir Erfahrungen begraben haben, die zu schmerzhaft sind, um sie anzuschauen? Das Grab unserer Sehnsüchte, in dem wir Träume beerdigt haben, die sich nicht erfüllt haben? Das Grab unserer Visionen, in dem wir Hoffnungen verscharrt haben, die zerbrochen sind? Das Grab, in dem wir lebendig liegen, gefangen in Strukturen, die uns nicht loslassen, gefesselt an Gewohnheiten, die uns zerstören, gebunden an Beziehungen, die uns das Leben rauben? „Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig“, sagt Gott, und damit wird deutlich: Der Tod, von dem hier die Rede ist, ist nicht nur der biologische Tod am Ende unseres Lebens, sondern der Tod mitten im Leben, jener Tod, der uns die Luft zum Atmen nimmt, der uns ersticken lässt in Angst und Sorge, der uns lähmt und unfähig macht, zu leben, wirklich zu leben. „Ich hoffe auf den HERRN, es hofft meine Seele, ich warte auf sein Wort. Meine Seele wartet auf meinen Herrn mehr als Wächter auf den Morgen.“ Dieses Bild des Wächters, der in der Nacht auf den Morgen wartet, der in der Dunkelheit nach den ersten Zeichen des Lichts Ausschau hält, ist ein Bild für unsere Existenz, für unser Warten auf Erlösung, auf Befreiung, auf Leben, und es ist ein Bild, das Hoffnung ausdrückt, eine Hoffnung, die nicht aufgibt, auch wenn die Nacht lang ist, auch wenn die Dunkelheit uns zu erdrücken droht.

VOM FLEISCH ODER VOM GEIST BESTIMMT – DIE ENTSCHEIDUNG FÜR DAS LEBEN

Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom von zwei Welten, in denen der Mensch leben kann: der Welt des Fleisches und der Welt des Geistes, und er macht deutlich, dass diese beiden Welten sich gegenseitig ausschließen, dass wir uns entscheiden müssen, wozu wir gehören wollen, von welchem Geist wir uns bestimmen lassen wollen. „Wer aber vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen“, schreibt Paulus, und mit „Fleisch“ meint er nicht einfach den Körper, nicht die Materie, nicht die Sexualität, wie das oft missverstanden wurde, sondern er meint jene Haltung des Menschen, der sich selbst zum Mittelpunkt macht, der nur an sich denkt, der sein Leben auf sich selbst baut, ohne Gott, ohne Transzendenz, ohne Hoffnung über dieses Leben hinaus. „Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt“, und diese Zusage ist gewaltig, ist erschütternd, ist kaum zu glauben: Der Geist Gottes wohnt in uns, nicht irgendwo im Himmel, nicht in einer fernen, unerreichbaren Sphäre, sondern in uns, in unserem Herzen, in unserem Innersten, und dieser Geist macht uns lebendig, macht uns zu neuen Menschen, macht uns fähig, anders zu leben als die Welt um uns herum. „Wenn aber Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit“, und auch hier wird deutlich: Paulus redet nicht nur vom biologischen Tod, vom Ende unseres irdischen Daseins, sondern vom Tod, der bereits jetzt in uns wirkt durch die Sünde, durch alles, was uns von Gott trennt, durch alles, was uns unfähig macht zu lieben, zu vergeben, zu hoffen. „Wenn aber der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt.“ Diese Verheißung ist so groß, so unglaublich, dass wir sie kaum fassen können: Derselbe Geist, der Jesus aus dem Tod ins Leben gerufen hat, wohnt in uns und wird auch uns lebendig machen, wird auch unsere sterblichen Leiber, die dem Tod geweiht sind, verwandeln in Leben, in unvergängliches Leben. Die Frage, die Paulus uns stellt, ist klar: Lassen wir uns von diesem Geist bestimmen, oder leben wir, als ob es diesen Geist nicht gäbe, als ob wir allein wären mit unserem Leben, mit unserer Angst, mit unserem Tod? Die Fastenzeit lädt uns ein, diese Frage nicht zu verdrängen, sondern sie uns zu stellen, ehrlich, ohne Ausflüchte, ohne Selbstbetrug: Von welchem Geist lasse ich mich bestimmen? Was bestimmt mein Leben, mein Denken, mein Handeln? Ist es die Angst vor dem Verlust, die Gier nach mehr, der Neid auf andere, die Sorge um mich selbst – oder ist es der Geist Gottes, der Geist der Liebe, der Hoffnung, des Vertrauens?

JESUS WEINT – DIE TRÄNEN GOTTES

Das Evangelium führt uns nach Bethanien, in das Haus des Lazarus und seiner Schwestern Martha und Maria, jenes Haus, das für Jesus immer ein Ort der Erholung war, ein Ort, wo er geliebt wurde, wo er Ruhe finden konnte von all der Ablehnung, die ihm sonst begegnete, wo er Mensch sein durfte unter Menschen, die ihn verstanden. „Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank“, lassen ihm die Schwestern ausrichten, und diese Nachricht ist wie ein Hilferuf, ein Flehen, eine Bitte: Komm, hilf uns, rette ihn! Die Schwestern bitten Jesus nicht ausdrücklich zu kommen, sie sagen nur: Der, den du liebst, ist krank, und sie gehen davon aus, dass diese Nachricht ausreichen wird, dass Jesus sofort aufbrechen wird, dass er zu ihnen eilen wird, so wie man zu einem geliebten Menschen eilt, wenn dieser in Not ist. Aber Jesus tut etwas Unerwartetes, etwas, das die Schwestern nicht verstehen können, etwas, das uns auch heute noch befremdet: „Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt.“ Er bleibt, wo er ist, er wartet, er lässt Zeit vergehen, kostbare Zeit, in der Lazarus immer schwächer wird, in der die Hoffnung der Schwestern schwindet, in der schließlich der Tod eintritt. Warum tut Jesus das? „Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.“ Jesus sieht weiter als die Schwestern, er sieht tiefer, er weiß, dass hier mehr geschehen soll als nur eine Heilung, dass hier etwas offenbar werden soll von der Macht Gottes, von der Liebe Gottes, von der Treue Gottes, die stärker ist als der Tod. „Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen.“ Vier Tage – in der damaligen Vorstellung bedeutete das: Die Verwesung hatte bereits eingesetzt, es gab keine Hoffnung mehr, es war zu spät, endgültig zu spät. „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben“, sagt Martha zu Jesus, und in diesen Worten liegt ein Vorwurf, eine Enttäuschung, eine Verzweiflung: Wo warst du, als wir dich brauchten? Warum bist du nicht gekommen? Warum hast du uns allein gelassen? „Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben“, und dieser Satz zeigt, dass Martha trotz ihrer Enttäuschung, trotz ihres Schmerzes nicht aufgehört hat zu glauben, dass sie noch immer hofft, auch wenn sie nicht weiß, worauf sie hoffen soll, auch wenn die Situation aussichtslos erscheint. „Dein Bruder wird auferstehen“, sagt Jesus, und Martha antwortet: „Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag.“ Martha kennt die Lehre von der Auferstehung, sie weiß, was die frommen Juden glauben, dass Gott am Ende der Zeiten die Toten auferwecken wird, aber diese Hoffnung ist fern, ist abstrakt, hilft ihr jetzt nicht, wo sie in ihrer Trauer gefangen ist. Und nun spricht Jesus einen der großartigsten Sätze des ganzen Evangeliums, einen Satz, der alles auf den Kopf stellt, der alles verwandelt, der die Hoffnung nicht in die ferne Zukunft verlegt, sondern in die Gegenwart holt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das?“ Ich bin die Auferstehung – nicht: Ich werde die Auferstehung bringen, nicht: Ich kenne den Weg zur Auferstehung, sondern: Ich bin die Auferstehung, hier, jetzt, in diesem Augenblick, in dieser Person, in diesem Menschen Jesus von Nazareth, der vor Martha steht, ist die Auferstehung gegenwärtig, ist das Leben gegenwärtig, ist die Macht Gottes gegenwärtig, die stärker ist als der Tod. „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll“, antwortet Martha, und dieses Bekenntnis ist das Bekenntnis des Glaubens, das Bekenntnis, das über alles Verstehen hinausgeht, das sich nicht auf Beweise stützt, sondern auf Vertrauen, auf die Begegnung mit diesem Jesus, der mehr ist als ein Mensch, der Gott selbst ist unter uns. Und dann geschieht etwas, das uns tief berühren sollte, etwas, das zeigt, wie menschlich Jesus ist, wie sehr er mitfühlt, wie sehr er mitleidet: „Jesus war im Innersten erregt und erschüttert… Da weinte Jesus.“ Der Sohn Gottes weint, der, der gleich Lazarus aus dem Tod ins Leben rufen wird, weint über den Tod seines Freundes, weint mit den Trauernden, weint über den Schmerz, den der Tod bringt. Diese Tränen Jesu sind kostbar, sind heilig, sind eine Offenbarung des Herzens Gottes: Gott ist nicht unberührt von unserem Leid, nicht unbeteiligt an unserem Schmerz, nicht gleichgültig gegenüber unserem Tod – er leidet mit uns, weint mit uns, trägt unseren Schmerz in seinem Herzen.

DIE THEOLOGIE DER TRÄNEN – WEINEN ALS SPRACHE DES HERZENS

Weinen ist eine universelle Geste, die Zeitalter, Kulturen und Sprachen überdauert, und in der Bibel sind Tränen weit mehr als nur ein Ausdruck von Schmerz oder Traurigkeit – sie werden zu einer eigenständigen Sprache, einem Schrei des Herzens, den Gott versteht, den Gott nie verachtet oder ignoriert, sondern den er begrüßt, sammelt und manchmal sogar verwandelt. Der Psalmist sagt: „Mein Elend ist aufgezeichnet bei dir, sammle meine Tränen in einem Krug, zeichne sie auf in deinem Buch“ (Psalm 56,9), und dieses starke Bild offenbart uns einen Gott, der nichts von dem, was wir erleben, verloren gehen lässt, nicht einmal eine Träne, einen Gott, bei dem jede vergossene Träne eine Bedeutung hat, ein Gewicht und eine Erinnerung. Die großen biblischen Figuren haben alle irgendwann einmal geweint: David, der mächtige König und Mann nach dem Herzen Gottes, trauert um den Tod seines Sohnes Absalom und verbirgt seinen Schmerz nicht, seine Tränen sind öffentlich, intensiv und zutiefst menschlich. Der Prophet Jeremia wird als „Prophet der Tränen“ bezeichnet, denn er weint für sein Volk, für Jerusalem, für das Böse, das er sieht, für die Zerstörung, die sich nähert. Sogar starke Männer, selbst Propheten, weinen, und ihre Tränen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von spiritueller Sensibilität, denn weinen heißt lieben, weinen bedeutet, sich für den anderen, für Gott und für das Leid der Welt zu öffnen, weinen ist eine Form des Gebets, wenn die Worte fehlen, wenn der Schmerz zu groß ist, dann sprechen die Tränen für uns. Jesus selbst weint, er wendet seine Augen nicht vom Schmerz ab, er bleibt nicht ungerührt, und als er sieht, wie Maria den Tod ihres Bruders Lazarus beweint, ist er erschüttert und weint mit ihr, und dieser Moment, der so menschlich ist, erschüttert: Der Sohn Gottes, der Lazarus gleich auferwecken wird, weint zunächst mit den Trauernden, er teilt ihren Kummer, bevor er ihn verwandelt. Diese Geste sagt viel über das Herz Jesu aus: Er hat es nicht eilig, ein Wunder zu vollbringen, er geht zuerst in das Leiden hinein, er wohnt ihm inne, er zeigt uns, dass Tränen ihren Platz haben, selbst wenn die Hoffnung da ist, selbst wenn die Rettung nahe ist, selbst wenn Gott eingreifen wird – die Tränen dürfen sein, müssen sein, sind wichtig und wertvoll. Später, als Jesus sich Jerusalem nähert, weint er über die Stadt, er weint, weil er die verschlossenen Herzen sieht, die verpassten Chancen, die zurückgewiesene Liebe, und seine Tränen sind geprägt von tiefer Traurigkeit, aber auch von unermesslicher Liebe, von einer Liebe, die nicht aufhört zu lieben, auch wenn die Liebe nicht erwidert wird. Die Tränen in der Bibel sind nie nutzlos, sie haben eine geheimnisvolle Fruchtbarkeit, wie Psalm 126 deutlich macht: „Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten“, und im dargebotenen Leiden, in der mit Glauben durchschrittenen Traurigkeit liegt ein Versprechen neuen Lebens, liegt die Hoffnung auf Verwandlung, liegt die Gewissheit, dass Gott die Tränen nicht vergisst, sondern sie in Leben verwandeln wird. Sogar die Tränen Christi am Kreuz, vermischt mit seinem Blut, sind Quelle der Auferstehung, und die Stille des Karsamstags, das Weinen der Jünger, die Not Marias finden ihre Antwort am Ostermorgen, denn die Freude kommt nicht anstelle der Tränen, sondern durch sie hindurch, und das menschliche Herz, das durch die Prüfung gegangen ist, ist empfindlicher, offener, empfänglicher für die Gnade Gottes. Ich sehne mich nach einer Kirche, die wieder weint, nicht das stille und private Weinen, sondern das heilsame Tränenmeer, das der Heilige Geist bringen kann, denn eine Kirche, in der die Augen immer trocken bleiben, ist eine Kirche, die geistlich verarmt ist, die den Kontakt verloren hat zur Tiefe des Lebens, zur Wirklichkeit des Leidens, zur Hoffnung der Auferstehung. Unsere Tränen sind ein Wasserlauf, der aus unserem Innersten hervorquillt als reinigender, heilender und Härte fortspülender Bach, und in den Extremen des Lebens – wenn es am schönsten ist und wenn es am schwersten ist – reicht Gott uns die Tränen als Gabe und Gnade, und mit ein und demselben Mittel drücken wir Schmerz, Kummer, Trauer und Glück aus, und vielleicht ist deswegen das Weinen so wichtig: Es umgreift die Widersprüchlichkeiten des Lebens und verbindet uns mit den Tiefen unserer Seele.

LAZARUS, KOMM HERAUS – DER RUF INS LEBEN

„Nehmt den Stein weg!“, sagt Jesus, und Martha, immer noch gefangen in ihrem Realismus, in ihrer Vernunft, wendet ein: „Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag.“ Martha kann sich nicht vorstellen, was Jesus vorhat, sie sieht nur das Grab, die Verwesung, den Tod, und sie will Jesus schützen vor dieser schrecklichen Wirklichkeit. „Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?“, antwortet Jesus, und in dieser Frage liegt eine Einladung, eine Herausforderung, eine Verheißung: Glauben bedeutet, mehr zu sehen als das, was vor unseren Augen ist, glauben bedeutet, mit der Herrlichkeit Gottes zu rechnen, auch dort, wo alles tot zu sein scheint, auch dort, wo die Hoffnung gestorben ist, auch dort, wo der Tod zu siegen scheint. „Da nahmen sie den Stein weg“, und Jesus betet: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.“ Jesus macht deutlich: Was hier geschehen wird, ist kein magischer Trick, keine Demonstration seiner eigenen Macht, sondern ein Zeichen der Liebe Gottes, ein Zeichen dafür, dass Gott Leben will, nicht Tod, dass Gott bei den Toten ist, nicht fern von ihnen, dass Gott rettet, befreit, Leben schenkt. „Lazarus, komm heraus!“, ruft Jesus mit lauter Stimme, und dieser Ruf hallt durch die Jahrhunderte, hallt bis zu uns, hallt in unser Leben hinein: Komm heraus aus deinem Grab, aus deiner Resignation, aus deiner Hoffnungslosigkeit, aus deiner Angst, aus allem, was dich gefangen hält und am Leben hindert! „Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt.“ Lazarus kommt heraus, aber er ist noch nicht frei, er ist noch gebunden an das, was ihn gefesselt hat, er trägt noch die Zeichen des Todes an sich, er braucht die Hilfe der anderen, um wirklich frei zu werden. „Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!“, sagt Jesus, und damit wird deutlich: Auferstehung ist nicht nur ein Akt Gottes, sondern auch ein Akt der Gemeinschaft, der Geschwisterlichkeit, der Solidarität – wir brauchen einander, um frei zu werden, wir brauchen die Hände der anderen, die uns die Binden lösen, die uns helfen, die Fesseln abzulegen, die uns stützen, wenn wir die ersten Schritte ins neue Leben gehen. „Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn“, und dieser Glaube ist nicht entstanden durch theologische Argumente, nicht durch philosophische Beweise, sondern durch die Begegnung mit der Macht des Lebens, die stärker ist als der Tod, durch die Erfahrung, dass Gott wirklich da ist, wirklich wirkt, wirklich rettet.

DIE SORGE – DER URGRUND ALLEN LEBENS

Es gibt einen wunderbaren Mythos aus der lateinisch-römischen Kultur, der uns hilft zu verstehen, was das Wesen des Menschen ausmacht, was uns zu Menschen macht, was uns leben lässt: den Mythos der Sorge.

Eines Tages, als die „Sorge“ am Flussufer spazieren ging, sah sie etwas Lehm und hatte einen zündenden Einfall, sie nahm ein Stück davon und begann es zu formen, und es entstand die Gestalt eines Menschen. Als sie ihn voller Zufriedenheit betrachtete, kam Jupiter, der höchste Gott der Römer, herbei, und die Sorge bat ihn, er möge der Figur, die sie gerade geformt hatte, Geist einhauchen, und das tat Jupiter gern.

Als aber die Sorge der von ihr entworfenen Kreatur einen Namen geben wollte, untersagte Jupiter ihr das, er meinte, das Vorrecht, ihr einen Namen zu verleihen, gebühre ihm, doch die Sorge bestand darauf, dass ihr dieses Recht zukäme, da sie sich ja zuerst diese Figur ausgedacht und ihr auch Menschengestalt verliehen hatte, und während die Sorge und Jupiter so in einen hitzigen Streit geraten waren, tauchte plötzlich die Göttin Erde auf, und auch sie wollte der Kreatur ihren Namen verleihen, denn sie sei schließlich aus Lehm geformt, einem Material, das dem Leib der Erde entnommen war.

So entstand eine allgemeine Debatte, ohne dass sich irgendeine Verständigung abzeichnete, und sie stimmten schließlich darin überein, den alten Gott Saturn zu bitten, er möge den Streit schlichten, und er traf folgende Entscheidung: „Du Jupiter, hast der Kreatur den Geist gegeben, du wirst deshalb diesen Geist zurückerhalten, wenn diese Kreatur stirbt. Du, Erde, hast ihr den Leib aus Lehm gegeben, du wirst deshalb beim Tode dieser Kreatur ihren Leib zurückbekommen. Doch weil du „Sorg“, dieses Geschöpf zuerst geformt hast, wird es sein Leben lang unter deiner Obhut stehen. Und da es unter euch keine Einigkeit bezüglich des Namens gibt, entscheide ich nun: Diese Kreatur wird homo genannt werden, weil sie aus ‚humus‘, aus fruchtbarer Erde, gemacht ist.“

In diesem wunderbaren Mythos wird erzählt, dass die Sorge – gemeint ist hier nicht eine Beängstigung oder Befürchtung, sondern die Fürsorge, die Achtsamkeit – vor allen anderen Dingen ist, dass die Sorge jenes Fundament ist, ohne das es den Menschen nicht gäbe, und der Mythos zeigt: Als die Sorge den Menschen formte, tat sie dies mit Liebe, Hingabe, Verehrung, Gefühl und Herz. Unser Leben, unsere Existenz ist abhängig von anderen, wir Menschen können nicht aus uns selbst heraus leben, jeder von uns war als Baby und Kleinkind darauf angewiesen, dass ein anderer Mensch uns das Leben schenkt und uns auf die Welt bringt, dass ein anderer Mensch sich um uns sorgt, dass andere Menschen bereit sind, ihr Leben zu teilen mit uns, dass sie vielleicht auch etwas hergeben von sich und nicht nur für sich allein leben. Ohne diese Fürsorge und Sorge am Beginn unseres Lebens würden wir sterben, aber auch im weiteren Verlauf unseres Daseins sind wir darauf angewiesen, dass andere Menschen ihr Leben mit uns teilen und es gut meinen mit uns, dass sie für uns sorgen, wenn wir krank sind, wenn wir schwach sind, wenn wir alt sind, wenn wir nicht mehr für uns selbst sorgen können, und Achtsamkeit, Fürsorge, Sorge für den anderen gehört also zum Wesen des Menschen dazu, ist das, was uns zu Menschen macht. Die Fastenzeit als Vorbereitung hin auf das Osterfest kann uns ganz besonders an den Aspekt der Sorge und Fürsorge um andere erinnern, sie erinnert uns aber auch ganz besonders an die Sorge Gottes um uns Menschen, denn er sorgt sich um sein Volk, begleitet es durch die Wüste, holt es aus den Gräbern der Hoffnungslosigkeit herauf, und Gott selbst ist aus Liebe und Sorge um uns Menschen in Jesus Mensch geworden, und er ist es, der uns aus Sorge und Liebe nicht im Tod lässt, nicht in den Gräbern liegen lässt, sondern uns herausruft ins Leben. Wir wissen: Für alles, was wir lieben, tragen wir auch Sorge, und Gott liebt uns Menschen über alles, und diese Liebe, diese Sorge Gottes für uns ist der Grund unserer Hoffnung, der Grund unseres Glaubens, der Grund dafür, dass wir leben können, auch wenn wir durch dunkle Täler gehen müssen, auch wenn wir in Gräber fallen, auch wenn der Tod uns bedroht.

MITTEN IM LEBEN BEGINNT DIE AUFERSTEHUNG

„Ich bin die Auferstehung und das Leben“, sagt Jesus, und dieses „Ich bin“ ist nicht eine Aussage über die ferne Zukunft, nicht eine Vertröstung auf das Jenseits, nicht ein Versprechen für die Zeit nach dem Tod, sondern eine Aussage über das Hier und Jetzt, über dieses Leben, in dem wir stehen, in dem wir fallen, in dem wir leiden und hoffen. Mitten in diesem Leben ist Jesus die „Auferstehung“, für alle, die fallen und nicht mehr weiterwissen, für die Kranken, die Heilung suchen, für die Gefangenen in den vielfältigen Fesseln, die Befreiung erhoffen, für die Resignierten, die neue Hoffnung brauchen, für die Trauernden, die Trost suchen. Und dieses Leben hier auf Erden liebt Gott so sehr, dass er Lazarus wieder auferweckt und hineinholt in diese Welt, nicht in ein Jenseits, sondern in dieses Diesseits, in dieses Leben mit all seinen Freuden und Schmerzen. Auferstehung ist nicht etwas, das erst nach dem Tod geschieht, sondern etwas, das mitten im Leben beginnt, wenn wir aus unseren Gräbern herauskommen, wenn wir uns die Binden lösen lassen, wenn wir den Mut finden, neu anzufangen, wenn wir die Hoffnung nicht aufgeben, wenn wir uns dem Geist Gottes öffnen, der in uns wohnt und uns lebendig machen will. „Einen Menschen lieben heißt ihm oder ihr sagen: Du wirst nicht sterben!“, schrieb der französische Philosoph Gabriel Marcel, und dieser Satz fasst zusammen, worum es geht: Die Liebe findet sich mit dem Tod nicht ab, sie will, dass der Mensch, den wir lieben, lebt, und wenn er gestern gestorben ist, dann hält die Liebe ihn in der Erinnerung lebendig, und menschliche Liebe kann Leben retten, kann einen Menschen, der sich aufgegeben hat, der sich nutzlos fühlt, wieder aufblühen und aufleben lassen. Und doch: Menschliche Liebe stößt sich immer wieder an der Grenze des Todes, reibt sich an ihr wund. Und wir trauern, wenn wir an dem für uns unüberwindlichen und endgültigen Graben stehen, der uns geliebte Menschen von der Seite reißt, wir sehen uns fassungslos Bilder des Schreckens an und sind machtlos, trotz aller Liebe, und Resignation droht uns, Verbitterung umgreift uns. Unser menschliches Leben braucht einen Anker, an dem es sich festmachen kann, oder besser noch einen, der dieses unser Leben so liebt wie wir, aber mit mehr Durchhaltevermögen, mehr Energie und Kraft, als wir sie je aufbringen können, und wie schön wäre es, mit Martha sagen zu können: „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben“, denn was ihre Liebe will, kann sie sich selbst nicht erfüllen, aber sie hat den gefunden, dem sie zutraut, dass er die Erfüllung ist, ihm vertraut sie, dass seine Liebe zu diesem Lazarus am Grab nicht scheitert und zu Ende geht. In Jesus ist Gott nicht fern, sondern hier neben uns, nicht unerreichbar und unnahbar, sondern nah und mitfühlend, er fühlt mit, weiß um den Wunsch nach Leben und kann ihn erfüllen, und die Tränen Jesu am Grab des Lazarus sind der Beweis dafür, dass Gott uns nicht allein lässt in unserem Schmerz, nicht gleichgültig ist gegenüber unserem Leiden, sondern dass er mit uns weint, mit uns trauert, mit uns hofft.

SCHLUSS

Die Lesungen dieses fünften Fastensonntags laden uns ein, die Fastenzeit nicht nur als Zeit des Verzichts zu verstehen, sondern als Zeit der Besinnung, als Zeit, in der wir uns fragen dürfen und sollen: Wo liege ich in Gräbern? Wo bin ich gefangen? Wo brauche ich Befreiung? Wo hindert mich etwas am Leben, am wirklichen, erfüllten Leben? Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir uns Zeit geben dürfen und sollen, Zeit, um zu atmen, Zeit, um innezuhalten, Zeit, um auf den Atem Gottes zu hören, auf jenen Geist, der uns lebendig machen will, der in uns wohnt, der uns verwandeln will von Menschen des Fleisches zu Menschen des Geistes. Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir Raum schaffen dürfen und sollen, Raum für Gott, Raum für den Geist, Raum für die Frage nach unserer Berufung, nach dem, wozu Gott uns ruft, nach dem, was er in uns hineingelegt hat an Fähigkeiten, an Talenten, an Gaben, die wir entwickeln dürfen, die wir zum Blühen bringen dürfen, die wir einsetzen dürfen für das Leben, für das Leben der anderen, für das Leben der Welt. Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir den Mut haben dürfen und sollen, uns zu hinterfragen, ehrlich und ohne Ausflüchte: Lebe ich wirklich, oder existiere ich nur? Bin ich vom Geist Gottes bestimmt, oder lasse ich mich bestimmen von den Mächten dieser Welt, von der Angst, von der Gier, von der Verzweiflung? Höre ich den Ruf Jesu: „Komm heraus!“, oder bleibe ich lieber in meinem Grab, weil es vertraut ist, weil ich Angst habe vor dem Neuen, vor dem Leben? Die Fastenzeit ist eine Zeit des gemeinsamen Unterwegsseins mit Gott und mit den Mitmenschen, eine Zeit, in der wir erkennen dürfen: Wir sind nicht allein, wir brauchen einander, wir brauchen die, die uns die Binden lösen, die uns helfen, frei zu werden, die uns stützen, wenn wir unsicher sind, die uns ermutigen, wenn wir zweifeln, die mit uns weinen, wenn wir trauern, die mit uns hoffen, wenn wir verzweifeln.

„Beim HERRN ist die Huld, bei ihm ist Erlösung in Fülle“, sagt der Psalm, und diese Verheißung trägt uns durch die Fastenzeit hindurch auf Ostern zu, auf jenes Fest, an dem wir feiern werden: Der Tod hat nicht das letzte Wort, das Leben siegt, die Liebe ist stärker als der Tod, Gott hat gesprochen und er führt es aus!

VIER FRAGEN ZUR VERTIEFUNG

In welchem Grab liege ich? Wo in meinem Leben fühle ich mich gefangen, resigniert, ohne Hoffnung – und traue ich Gott zu, dass er mich auch aus diesem Grab herausholen kann?

Lasse ich mir die Binden lösen? Wer sind die Menschen, die mir helfen können, frei zu werden – und bin ich bereit, auch anderen die Binden zu lösen, die sie gefangen halten?

Wofür sorge ich? Für wen trage ich Verantwortung, für wen sorge ich – und spüre ich auch die Sorge Gottes für mich, seine Fürsorge, die mich leben lässt?

Glaube ich, dass Jesus die Auferstehung ist – jetzt? Nicht erst nach dem Tod, sondern hier und heute: Glaube ich, dass Jesus mir Leben schenken kann, Leben in Fülle, auch mitten in den Gräbern meines Lebens?

Weitere Einträge

4. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Joh 9,1.6-9.13-17.34-38
Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Kommentar
Ernst Wageneder

Lehrer im eb Privatgymnasium Borromäum und Schulseelsorger, Lehrbeauftragter an der WU Wien, Knowledgemanagment sowie Mitarbeiter der Missionarischen Pastoral/Pastorale Innovation in der Erzdiözese Salzburg.

3. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Joh 4, 5–15.19b–26.39a.40–42
Ich bin es, der mit dir spricht.
Kommentar
Ernst Wageneder

Lehrer im eb Privatgymnasium Borromäum und Schulseelsorger, Lehrbeauftragter an der WU Wien, Knowledgemanagement sowie Mitarbeiter der Missionarischen Pastoral/Pastoral Innovation in der Erzdiözese Salzburg

2. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Mt 17, 1–9
Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!
Kommentar
Ernst Wageneder

Lehrer im eb Privatgymnasium Borromäum und Schulseelsorger, Lehrbeauftragter an der WU Wien, Knowledgemanagement sowie Mitarbeiter der Missionarischen Pastoral/Pastoral Innovation in der Erzdiözese Salzburg

1. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Mt 4, 1–11
Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
Kommentar
Irene Blaschke

Präfektin im Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg

Mag. Irene Blaschke, Referentin für Berufungspastoral

6. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Mt 5, 20–22a.27–28.33–34a.37
Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht.
Kommentar
Irene Blaschke

Präfektin im Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg

Mag. Irene Blaschke, Referentin für Berufungspastoral

5. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Mt 5,13-16
Ihr seid das Salz der Erde.
Kommentar
Irene Blaschke

Präfektin im Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg

Mag. Irene Blaschke, Referentin für Berufungspastoral

4. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Mt 5, 1–12a
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Kommentar
Irene Blaschke

Präfektin im Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg

Mag. Irene Blaschke, Referentin für Berufungspastoral

3. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Mt 4, 12–23
Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen
Kommentar
Hanns Sauter

Nationalsekretär Österreich 
Andreas-Petrus-Werk, Zentrum zur 
Erforschung des Christlichen Ostens

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