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Inhalt:

4. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Evangelium
Joh 9,1.6-9.13-17.34-38

In jener Zeit sah Jesus unterwegs einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Jesus spuckte auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schilóach! Das heißt übersetzt: der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es. Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.

Die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Er antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen und ich wusch mich und jetzt sehe ich.

Einige der Pharisäer sagten: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen. Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann sagte: Er ist ein Prophet.

Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?

Da antwortete jener und sagte: Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen; er, der mit dir redet, ist es.

Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Kommentar Lesungen Psalm

1. Lesung

1 Sam 16, 1b.6–7.10–13b

In jenen Tagen sprach der HERR zu Sámuel: Fülle dein Horn mit Öl und mach dich auf den Weg!

 

Ich schicke dich zu dem Betlehemíter Ísai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen.

 

Als Sámuel den Éliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem HERRN sein Gesalbter. Der HERR aber sagte zu Sámuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht das Herz. 

 

So ließ Ísai sieben seiner Söhne vor Sámuel treten, aber Sámuel sagte zu Ísai: Diese hat der HERR nicht erwählt. Und er fragte Ísai: Sind das alle jungen Männer? Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Sámuel sagte zu Ísai: Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist. Ísai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war rötlich, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der HERR: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. 

 

Sámuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN war über David von diesem Tag an. 

2. Lesung

Eph 5, 8–14

Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts! Denn das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.

 

Prüft, was dem Herrn gefällt, und habt nichts gemein mit den Werken der Finsternis, die keine Frucht bringen, deckt sie vielmehr auf! Denn von dem, was sie heimlich tun, auch nur zu reden, ist schändlich.

 

Alles, was aufgedeckt ist, wird vom Licht erleuchtet. Denn alles Erleuchtete ist Licht. Deshalb heißt es: Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten und Christus wird dein Licht sein.

Antwortpsalm

Psalm 23,1-3.4.5.6

Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen.

 

Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.

 

Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher.

 

Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.

Kommentar

Ernst Wageneder

Lehrer im eb Privatgymnasium Borromäum und Schulseelsorger, Lehrbeauftragter an der WU Wien, Knowledgemanagment sowie Mitarbeiter der Missionarischen Pastoral/Pastorale Innovation in der Erzdiözese Salzburg.

Laetare! – Freut euch! So ruft uns dieser vierte Fastensonntag mitten in der Fastenzeit zu, und es ist ein Ruf, der uns aufhorchen lassen sollte, weil er uns mitten in der Zeit der Umkehr und des Verzichts an die Freude erinnert, an jene Freude über das Leben, das Gott uns schenkt, die Freude darüber, heil zu werden und nicht übersehen zu werden, die Freude, gehört zu werden und selbst andere zu hören, und vor allem die tiefe, beglückende Freude darüber, dass wir Menschen einander nicht überhören müssen, sondern aufeinander hören können mit dem Ohr des Herzens.

In der Tiefe des menschlichen Herzens liegt eine Sehnsucht verborgen, die älter ist als alle unsere Worte und tiefer reicht als alle unsere Gedanken, es ist die Sehnsucht, wirklich gesehen zu werden -- nicht nur mit den Augen, wie man einen Gegenstand ansieht, sondern im Innersten erkannt zu werden, gehört zu werden in unserer tiefsten Wahrheit, angenommen zu werden in unserer ganzen Wirklichkeit mit allem, was zu uns gehört, mit unseren Stärken und unseren Schwächen, mit unserem Gelingen und unserem Scheitern. Die Lesungen dieses Sonntags eröffnen uns einen Raum, in dem diese Sehnsucht ihre Erfüllung finden kann, einen

Raum, in dem Gott selbst zu uns spricht und uns zeigt, wie er auf uns schaut und wie wir aufeinander schauen sollten.

GOTT SIEHT DAS HERZ -- DIE WAHL DAVIDS

Die erste Lesung aus dem ersten Buch Samuel erzählt uns eine Geschichte, die uns bis heute erschüttern kann, wenn wir sie wirklich hören und wenn wir bereit sind, uns von ihr in Frage stellen zu lassen, denn es ist die Geschichte einer radikalen Umkehrung all unserer menschlichen Bewertungsmaßstäbe, all dessen, was wir für wichtig und wertvoll halten, wenn wir Menschen und Situationen beurteilen. Samuel trauert um Saul, und das ist verständlich, denn Saul war der erste König Israels, den Samuel selbst gesalbt hatte, und nun hat dieser König versagt, hat seine Macht missbraucht, war Gott untreu geworden, und Samuel muss zusehen, wie das große Projekt scheitert. Doch bei Gott geht es weiter, denn Gott lässt sich von menschlichem Versagen nicht aufhalten, er hat schon einen neuen Plan, einen Weg, der sich öffnet, wo wir Menschen nur Sackgassen sehen würden. „Wie lange willst du noch um Saul trauern?“, fragt Gott den Propheten, und in dieser Frage liegt eine Einladung, nicht in der

Vergangenheit stehen zu bleiben, sondern nach vorne zu schauen, dorthin, wo Gott bereits etwas Neues vorbereitet. „Ich habe mir einen von seinen Söhnen als König ausersehen“, sagt Gott, und er schickt Samuel zu Isai nach Betlehem, in jene kleine Stadt, aus der später auch Jesus kommen wird. Und nun beginnt das ‚Drama‘, das unsere Vorstellungen auf den Kopf stellt und uns zeigt, wie anders Gott sieht als wir Menschen sehen: Isai führt seine Söhne vor Samuel, sieben an der Zahl, und jeder von ihnen ist ein prächtiger junger Mann, einer schöner als der andere, einer stattlicher als der andere, genauso, wie man sich einen König vorstellt, stark, eindrucksvoll, beeindruckend. Als Samuel den Eliab sieht -- groß, kräftig, mit einer Ausstrahlung, die Respekt einflößt --, denkt er sofort, was jeder von uns gedacht hätte: „Gewiss steht nun vor dem HERRN sein Gesalbter“, denn wer sollte besser geeignet sein als dieser Mann, der aussieht, wie ein König und sich benimmt wie ein König? Aber Gott spricht, und seine Worte durchschneiden all unsere menschlichen Einschätzungen wie ein scharfes Schwert: „Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn nicht erwählt.“ Und dann folgt der Satz, der durch die Jahrhunderte hallt und bis heute nichts von seiner Kraft verloren hat, ein Satz, der uns immer wieder neu erschüttern sollte, wenn wir ihn wirklich hören: „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht das Herz.“ Ein Sohn nach dem anderen tritt vor Samuel, Abinadab mit seiner jugendlichen Kraft, Shammah mit seiner Erfahrung, noch vier weitere mit all ihren Vorzügen, jedes Mal hofft Samuel, dass nun endlich der Richtige gekommen ist, dass nun endlich Gottes Wahl fallen wird, aber jedes Mal spricht Gott dasselbe

Wort: „Auch hat der HERR diesen nicht erwählt.“ Samuel ist verwirrt, ratlos, er versteht nicht mehr, nach welchen Kriterien Gott auswählt, wenn nicht nach den Kriterien, die jedem Menschen einleuchten würden. „Sind das alle jungen Männer?“, fragt er schließlich, und man spürt in dieser Frage die Verzweiflung dessen, der nicht mehr weiter weiß. Und jetzt – welch tiefe Ironie, welch göttlicher Humor! – erinnert sich Isai plötzlich: „Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe.“ Der Jüngste! Derjenige, an den niemand mehr gedacht hat, weil er in den Augen aller so unbedeutend war, dass der Vater ihn nicht einmal für würdig hielt, zum Opfermahl zu erscheinen, nicht einmal für wichtig genug, um ihn aus dem Alltag zu holen, wo er die Schafe hütete, eine Arbeit, die jeder machen konnte. So unwichtig in den Augen der Menschen war dieser Jüngste, dass niemand an ihn gedacht hat, und niemand auf die Idee gekommen wäre, dass ausgerechnet er der Erwählte sein könnte. Ob jung oder alt, ob erfahren oder unerfahren, ob der Erstgeborene mit all seinen Vorrechten oder der Letztgeborene, der nichts zu erwarten hat – Gott erwählt auch diejenigen, von denen wir es nicht erwartet hätten,

ja, gerade diejenigen erwählt er oft, die in unseren Augen zu klein sind, zu jung, zu unbedeutend. Die Reihenfolge der Geburt, die in der damaligen Gesellschaft alles bedeutete, zählt bei Gott nichts, die äußere Erscheinung, auf die wir so viel Wert legen, zählt nichts, die

gesellschaftliche Stellung, die uns so wichtig ist, zählt nichts – Gott sieht auf das Herz, und nur das Herz zählt vor ihm. „Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er hergekommen ist“, sagt Samuel mit einer Bestimmtheit, die zeigt, dass er

gelernt hat, auf Gott zu hören und nicht auf seine eigenen Augen zu vertrauen. Und David kommt von seiner alltäglichen Arbeit, und die Schrift beschreibt ihn mit Worten, die uns aufhorchen lassen sollten: „David war rötlich, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt.“ Rötlich – rothaarig, ein Wort, das Leben ausdrückt, Feuer, jugendliche Frische, eine Lebendigkeit, die von innen kommt und nach außen strahlt, nicht die imposante Größe seiner Brüder, sondern etwas anderes, etwas Lebendiges, Pulsierendes. Schöne Augen – die Schrift betont dies besonders, und wir sollten verstehen, was damit gemeint ist: nicht einfach eine schöne Augenfarbe, sondern offene, klare, durchsichtige Augen, Augen, in denen kein Trug war, keine Falschheit, keine Verstellung, Augen, die das widerspiegelten, was im Herzen war. Das Auge ist die Lampe des Leibes, hat Jesus später gesagt, und wenn das Auge licht ist, ohne Trug und ohne Hintergedanken, so ist auch der ganze Mensch licht, so strahlt der ganze Mensch von innen her. Hat sich Davids Gemeinschaft mit Gott in seinen Augen widergespiegelt? Hat sich in seinem Blick gezeigt, dass er ein Mensch war, der Gott suchte, der auf Gott hörte, der in Gott lebte? Von gutem Ansehen – das ist mehr als äußere Schönheit, denn wahre Schönheit ist die Gleichmäßigkeit zwischen dem Äußeren und dem Inneren, ist die Ausstrahlung, die von einem Menschen ausgeht, wenn in ihm Ordnung wirkt, wenn sein Inneres und sein Äußeres zusammenpassen, wenn er ganz ist und nicht zerrissen. Davids innere Zielsetzung, sein Leben mit Gott, sein Eingehen in die Gedanken Gottes schon von früher Jugend an, all das brachte diese Schönheit in seinem Aussehen und in seinem Wesen zustande, eine Schönheit, die nicht gemacht war, sondern gewachsen, nicht aufgesetzt, sondern echt. Und Gott spricht die entscheidenden Worte: „Auf, salbe ihn! Denn er ist es.“ Kurz und knapp, ohne lange Erklärungen, ohne Begründungen -- er ist es, und das genügt, denn Gott hat auf sein Herz gesehen und in diesem Herzen gefunden, was er suchte.

David war ein Hirte gewesen, hatte sich um die Schafe gekümmert, sie beschützt, behütet, geleitet, hatte sein Leben für sie eingesetzt, wenn es sein musste, hatte gewacht über sie bei Tag und bei Nacht. Ein Leben, das sich hingibt wie ein Hirte für seine Herde – das ist es, was Gott sucht, das ist das Herz, das Gott sieht, wenn er auf den Menschen schaut, nicht Macht und nicht Stärke, nicht äußere Pracht und nicht gesellschaftlicher Status, sondern ein Herz, das liebt, ein Herz, das dient, ein Herz, das sich hingibt für andere, ohne zu fragen, was dabei herauskommt. „Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern“, erzählt die Schrift, und dieser Moment muss außergewöhnlich gewesen sein, denn hier geschieht etwas, das alle menschliche Ordnungen durchbricht: Der Jüngste wird gesalbt in der Mitte seiner älteren Brüder, der Vergessene wird zum Erwählten, der Übersehene wird zum König. „Und der Geist des HERRN war über David von diesem Tag an“, und diese Salbung war mehr als ein äußerer Akt, mehr als ein Ritual -- sie war der Beginn einer besonderen Beziehung zu Gott, einer Beziehung, die David tiefer in die Gedanken Gottes eingehen ließ und ihn befähigte, ein Gefäß zu sein, durch das Gott zu seinem Volk sprechen konnte.

Insgesamt wurde David dreimal gesalbt in seinem Leben: hier in der Mitte seiner Brüder im Haus seines Vaters, später inmitten des Stammes Juda, der ihn als seinen König anerkannte, schließlich inmitten des ganzen Volkes Israel, als alle Stämme zusammenkamen und ihn zum König über ganz Israel machten – drei Salbungen, die zeigen, wie David immer tiefer hineinwuchs in seine Berufung, wie er Schritt für Schritt wurde, wozu Gott ihn bestimmt hatte.

GOTT HÖRT – WIR HÖREN EINANDER

Was bedeutet es für uns heute, dass Gott auf das Herz sieht und nicht auf das, was vor den Augen ist? Was bedeutet es für unser Leben, für unseren Umgang miteinander, dass Gott den Jüngsten erwählt, den Vergessenen ruft, den Überhörten hört, dass er gerade diejenigen erwählt, die in unseren Augen nichts sind? Es bedeutet zunächst und vor allem, dass wir lernen müssen, aufeinander zu hören, und zwar nicht nur mit den Ohren, wie man eine Information aufnimmt, sondern mit dem Herzen, mit unserer ganzen Aufmerksamkeit, mit unserem ganzen Sein. Wir müssen lernen, nicht nur auf das Äußere zu sehen – auf Alter, Erfahrung, Status, Erscheinung, auf all das, was uns in den Augen der Welt wichtig oder unwichtig macht –, sondern auf das Herz zu hören, auf das, was im Menschen wirklich ist, auf das, was ihn im Innersten ausmacht und bewegt. „Höre, Israel!“ – Schma Jisrael – mit diesem Ruf beginnt der Tag im jüdischen Glauben, und es ist bezeichnend, dass nicht gesagt wird „Schau!“ oder „Sieh!“, sondern „Höre!“, denn das Hören ist der bevorzugte Sinn Gottes, wie uns die Schrift immer wieder lehrt. Warum ist das so? Weil das Hören weniger invasiv ist als das Sehen, weil

es diskreter ist, zurückhaltender, weil es dem anderen mehr Raum lässt, mehr Freiheit, weil es nicht sofort alles erfassen und beurteilen will, sondern warten kann, Zeit lässt, sich öffnet für das, was der andere zu sagen hat. Gott hört auf das Herz, und wir sollten verstehen, was das bedeutet: Das Herz ist für den biblischen Menschen nicht bloß ein biologisches Organ, das Blut durch den Körper pumpt, und auch nicht der Sitz oberflächlicher Sentimentalität, wie wir heute oft meinen, wenn wir von „Herz“ sprechen, sondern das Herz ist das „Ich“, ist das Innere des Menschen mit allen Sorgen und Wünschen, mit allen Sehnsüchten und Freuden, mit allem, was einen Menschen wirklich ausmacht. Das Herz ist es, das den Menschen handeln lässt, dass ihn Gott suchen lässt, das ihn zu dem macht, was er ist, das Herz ist der Sitz seiner persönlichen

Geheimnisse, seiner tiefsten Fähigkeiten, seiner innersten Wahrheit. Auch der kleine David, wahrscheinlich noch nicht einmal zwölf Jahre alt, nicht alt genug, um beim Opfermahl dabei zu sein, hatte ein Herz, und in diesem Herzen war schon alles an Wesentlichem da, was ein Mensch braucht und was ein Mensch immer schon hat, unabhängig von seinem Alter, unabhängig von seiner Erfahrung. In diesem kleinen David, den niemand für wichtig hielt, lag die Zukunft Israels verborgen, wartete darauf, geweckt zu werden, zur Entfaltung zu kommen. Wie oft übersehen wir die „Davids“ in unserem Leben? Wie oft schauen wir an den Jüngsten vorbei, weil wir denken, sie seien noch nicht so weit, könnten noch nicht so viel, müssten erst noch wachsen und lernen? Wie oft überhören wir die Stillen, die Unscheinbaren, die leise sprechen und nicht laut auftreten, die am Rand stehen und nicht im Mittelpunkt? Wie oft urteilen wir nach dem Äußeren – nach Titel und Position, nach Alter und Erfahrung, nach Erfolg und gesellschaftlicher Stellung – und übersehen dabei das Herz, das wahre Wesen eines Menschen? Wie oft überhören wir diejenigen, die „die Schafe hüten“, die ihre alltägliche Arbeit tun, ohne großes Aufhebens zu machen, während wir auf die Großen und Stattlichen schauen,

auf diejenigen, die sich in den Vordergrund drängen? Der heilige Benedikt beginnt seine Mönchsregel mit Worten, die uns hier weiterhelfen können: „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens“, und dieser Ausdruck – das Ohr des Herzens – ist eine wunderbare Metapher, denn er macht deutlich, dass das wahre Hören nicht

mit den Sinnesorganen allein geschieht, so wichtig die Ohren auch sind, sondern mit dem ganzen Menschen, mit seiner ganzen Existenz, mit seinem ganzen aufmerksamen Dasein. Der heilige Augustinus mahnt uns in dieselbe Richtung: „Habt nicht das Herz in den Ohren, sondern die Ohren im Herzen“, und auch er meint damit, dass wir nicht nur äußerlich hören sollen, nicht nur Worte aufnehmen sollen, sondern dass wir mit unserem Herzen hören sollen, mit unserem Innersten, mit dem, was uns wirklich ausmacht. Welche Freude liegt darin, wenn wir einander nicht überhören! Welche tiefe, beglückende Freude entsteht, wenn wir aufeinander hören – mit dem Ohr des Herzens, wie Benedikt sagt, mit unserer ganzen Aufmerksamkeit, mit unserem ganzen Sein! Welche Freude, wenn der Jüngste gerufen wird, der bisher Übersehene plötzlich gesehen wird, der Vergessene sich erinnert fühlt, der am Rand Stehende in die Mitte geholt wird! Welche Freude, wenn wir erkennen und am eigenen Leib erfahren: Gott sieht auf mein Herz – nicht auf mein Alter, das mich in eine bestimmte Schublade steckt, nicht auf meine Leistung, die mich wertvoll oder wertlos machen würde, nicht auf meine äußere Erscheinung,

die den Menschen gefallen oder missfallen könnte, sondern auf mein Herz, auf das, was ich wirklich bin!

KRANKHEIT IST KEINE STRAFE – GOTTES VERWANDELNDE LIEBE

Diese Freude des Laetare-Sonntags leuchtet auch im Evangelium auf, und sie leuchtet dort auf, wo wir sie vielleicht am wenigsten erwarten würden, nämlich in der Begegnung Jesu mit einem Mann, der von Geburt an blind war, der sein ganzes Leben im Dunkeln verbracht hatte, der nie

gesehen hatte, wie die Welt aussieht. „Wer hat gesündigt, er oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde?“, fragen die Jünger, und in dieser Frage steckt eine Logik, die durch alle Zeiten immer noch präsent, und die bis heute in vielen Herzen wirksam ist. Wie Samuel auf Eliab schaute und nur das Äußere sah, die stattliche Gestalt, die beeindruckende Erscheinung, so schauen die Jünger auf den Blinden und sehen nur das Äußere: die Krankheit, die Behinderung, das Fehlen des Augenlichts, und aus diesem Äußeren schließen sie zurück auf etwas Inneres, auf Schuld, auf Sünde, auf göttliche Strafe, als ob Gott ein Buchhalter wäre, der für jede Sünde eine entsprechende Strafe verhängt. Sie sehen, was vor den Augen ist, die Blindheit, aber sie sehen nicht das Herz, sie hören nicht auf den Menschen, der vor ihnen steht. Wie oft hören wir sie auch heute, diese bohrenden Fragen, diese Fragen, die uns quälen, wenn uns etwas Schweres trifft: „Was habe ich getan, dass mich Gott so straft? Was habe ich falsch gemacht, dass ich so krank geworden bin? Was muss ich verbrochen haben, dass mich das Schicksal so hart trifft?“ Wie tief sitzt in uns die Vorstellung, dass es eine direkte Verbindung geben müsse zwischen unserem Tun und unserem Ergehen, dass das Gute belohnt werden müsse und das Böse bestraft, dass Krankheit und Leid ein Zeichen dafür sein müssten, dass wir etwas falsch gemacht haben! Doch Jesus zerbricht diese Logik radikal – genau wie Gott die Logik Samuels

zerbricht, als der Prophet auf Eliab schaut und denkt, dieser müsse der Erwählte sein: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern Gottes Tun soll an ihm offenbar werden“, sagt Jesus, und dieser eine Satz stellt alles auf den Kopf, zerreißt das Netz aus Schuld und Strafe, aus Verdienst und Lohn, in dem wir uns so oft verfangen. Die Sätze „selber schuld“ oder „es wird schon seinen Grund haben“, diese Sätze, mit denen wir so schnell bei der Hand sind, wenn andere leiden, diese Sätze gelten nicht mehr, sie haben ihre Macht verloren, sie können uns nicht mehr gefangen halten! Jesus sieht nicht Sünde, wo die Jünger Sünde vermuten und mit dem Finger auf den Blinden zeigen, Jesus sieht – wie Gott auf David schaute – das Herz, die Möglichkeit, die Hoffnung, die Zukunft, die in diesem Menschen verborgen liegt. Die Jünger sehen einen Menschen leiden und sehen nur Sünde, sehen nur Vergangenheit, sehen nur das, was gewesen sein muss, damit es zu diesem Zustand gekommen ist. Jesus sieht einen Menschen leiden und sieht nur die Möglichkeit, dass Gott in seinem Leben wirkt, sieht Zukunft, sieht Hoffnung, sieht das, was werden kann, wenn Gott eingreift. Die Jünger schauen auf das Äußere und bleiben beim Äußeren stehen. Jesus hört auf das Herz und sieht die Möglichkeiten, die in diesem Herzen verborgen liegen. Krankheit, Leiden, Scheitern – sie sind nicht Ausdruck göttlicher Strafe, nicht Zeichen unserer Verworfenheit, nicht Beweis dafür, dass Gott böse auf

uns ist oder dass wir etwas grundlegend falsch gemacht haben. Sie sind Teil unserer menschlichen Wirklichkeit, Teil unserer Endlichkeit, Teil dieses Lebens, das wir leben mit all seinen Höhen und Tiefen, mit all seinem Glück und seinem Schmerz. Gott will nicht die Krankheit, Gott will nicht das Leid, aber Gott kann durch die Krankheit hindurch wirken, kann durch das Leid hindurch zu uns kommen, kann uns gerade dort begegnen, wo wir am tiefsten gefallen sind, kann uns gerade dort verwandeln, wo wir am meisten leiden. Gott will nicht das Leid, aber Gott lässt uns im Leid nicht allein, und das ist der entscheidende Unterschied. Welche Freude, diese Botschaft zu hören! Welch eine Befreiung, zu erfahren: Ich bin nicht krank, weil ich gesündigt habe, ich leide nicht, weil Gott mich straft, ich bin nicht gefallen, weil ich schuldig bin! Freude, heil zu werden – nicht, weil wir es verdient hätten durch gute Taten oder vorbildliches Leben, sondern einfach weil Gott uns liebt, weil er auf unser Herz sieht und nicht auf unsere Fehler, weil er uns annimmt, wie wir sind. Dennoch bleiben die Herausforderung bestehen, geheilt oder nicht geheilt: leben mit Leiden und Krankheiten, Freuden und Hoffnungen, Scheitern und Verzagtheit, Verlorenheit und Tod. Und ob wir es verstehen oder nicht, daran zu glauben, dass ich einen Gott an meiner Seite habe, der mich nicht übersieht, gibt mir persönlich Mut und Zuversicht mein Leben anzunehmen. David ist nicht übersehen worden, obwohl er der Jüngste war, wie der Blinde nicht übersehen wird, obwohl er am Rand der Gesellschaft steht. Freude, gehört zu werden -- wie Gott auf unser Herz hört, auf unseren Schrei, auf unsere Sehnsucht, auf das, was wir oft nicht einmal in Worte

fassen können.

VOM SEHEN ZUM GLAUBEN – DER WEG DER VERWANDLUNG

Der blindgeborene Mann wird von Jesus geheilt, er kann plötzlich sehen, was er sein ganzes Leben nicht sehen konnte, die Welt tut sich auf vor ihm in all ihrer Farbigkeit und Schönheit -- aber seine Geschichte ist damit nicht zu Ende, im Gegenteil: Jetzt beginnt erst der eigentliche Konflikt, jetzt beginnt der Weg, der ihn zum Glauben führen wird, und dieser Weg ist alles andere als einfach.

Die Nachbarn zweifeln an seiner Identität, sie können nicht glauben, dass dieser sehende Mann derselbe ist wie der blinde Bettler, den sie jahrelang gekannt haben, manche sagen „Er ist es", andere sagen „Nein, er sieht ihm nur ähnlich", und er selbst muss immer wieder beteuern „Ich bin es". Die Pharisäer verhören ihn, stellen ihm Fragen über Fragen, wollen wissen, wie das geschehen konnte, suchen nach Fehlern in der Geschichte, nach Gründen, warum das, was geschehen ist, nicht geschehen sein darf. Seine Eltern gehen auf Distanz aus Angst, aus Furcht davor, selbst in Schwierigkeiten zu geraten, wenn sie sich zu sehr mit ihrem

geheilten Sohn identifizieren, sie sagen „Er ist alt genug, fragt ihn selbst", und lassen ihn allein. So einfach ist das neue Leben nicht, das Jesus ihm geschenkt hat, so leicht ist es nicht, mit der Heilung umzugehen, denn die Heilung bringt nicht nur Freude, sondern auch Konflikte, nicht nur Dankbarkeit, sondern auch Fragen, nicht nur Zustimmung, sondern auch Ablehnung. Aber – und hier zeigt sich das Herz dieses Mannes, hier wird sichtbar, was in ihm ist – er erstickt den Keim neuer Lebensmöglichkeiten nicht, er lässt sich die Freude nicht nehmen, er gibt nicht auf. Er gibt sich nicht der Angst hin, die ihn lähmen könnte, lässt sich nicht einschüchtern von denen, die ihn verhören und bedrängen, bleibt bei seiner Wahrheit, auch wenn es schwer

ist. Wie David, der als Jüngster seinen Platz behauptete gegen alle Erwartungen, so behauptet der Geheilte seine Wahrheit gegen alle Widerstände. Der Geheilte durchläuft einen Weg des wachsenden Erkennens, einen Weg, der Zeit braucht, der nicht von heute auf morgen geschieht, der durch verschiedene Stufen führt: Zunächst kennt er Jesus kaum, weiß nicht viel über ihn, hat ihn nur kurz erlebt. Dann nennt er ihn „den Mann, der Jesus heißt", ein Name, mehr nicht, eine erste Benennung. Auf weiteres Befragen antwortet er: „Er ist ein Prophet", schon ein tieferes Verstehen, eine Ahnung, dass hier mehr ist als nur ein gewöhnlicher Mensch. Schließlich bekennt er: „Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können", eine klare theologische Erkenntnis, ein Bekenntnis zu Gottes Wirken in Jesus. Und am Ende glaubt er, dass Jesus der Menschensohn ist, der von Gott gesandte Retter, und wirft sich vor ihm nieder in Anbetung. Die Pharisäer sehen nur mit den Augen, wie Samuel nur mit den Augen sah: Sie sehen einen Sabbatbrecher, einen, der das Gesetz übertritt, einen Sünder, der nicht von Gott sein kann, weil er sich nicht an die Regeln hält. Sie schauen auf das Äußere, auf die Form, auf die Vorschriften, auf das, was vor den Augen ist. Sie hören nicht auf das Herz, weder auf ihr eigenes Herz noch auf das Herz des Geheilten, der vor ihnen steht und ihnen seine Geschichte erzählt. Sie überhören den Geheilten, überhören die Wahrheit, die er bezeugt, überhören das Wirken Gottes, das sich vor ihren Augen ereignet hat. Dieser Mann wurde für sein Zeugnis aus der Synagoge ausgestoßen, aus der Gemeinschaft, in der er aufgewachsen war, aus dem religiösen und sozialen Gefüge, das sein Leben bis dahin getragen hatte – allein, verlassen, von seiner Familie im Stich gelassen, von den religiösen Führern verurteilt, bleibt er dennoch seiner inneren Überzeugung treu, gibt nicht auf, verleugnet nicht, was geschehen ist. Und dann – welche Bewegung Gottes, welche Zärtlichkeit, welche Sorge! – „Jesus hörte, dass sie ihn vertrieben hatten.“ Jesus hörte. Dieses einfache Wort ist so bedeutsam, so tief, so tröstlich: Jesus hörte, wie Gott auf Samuel hörte, wie Gott auf das Herz Davids hörte, so hört Jesus auf den Geheilten, hört seinen Schmerz, hört seine Einsamkeit, hört seine Treue. Jesus überhört ihn nicht, lässt ihn nicht allein, vergisst ihn nicht, nachdem er ihn geheilt hat, sondern Jesus sucht den Mann auf, geht ihm nach, kommt zu ihm und offenbart sich ihm in einer Weise, die zeigt: Du bist mir wichtig, du gehörst zu mir, ich lasse dich nicht fallen. Welche Freude in dieser Begegnung! Die Freude dessen, der nicht überhört wird, obwohl alle anderen ihn überhört haben, die Freude dessen, der gehört wird in seiner tiefsten Wahrheit, in seinem tiefsten Schmerz, in seiner tiefsten Sehnsucht. Die Freude der Begegnung, in der Gott sich zeigt, in der ein Mensch erkennt: Du bist der, auf den ich gewartet habe, du bist der, den ich gesucht habe, du bist der Menschensohn, und ich glaube an dich, und ich bete dich an.

Der Glaube beginnt dort, wo wir trotz aller Schwere spüren: Gott ist da, auch wenn ich noch nicht weiß, wie es weitergeht, auch wenn ich noch nicht alle Antworten habe, auch wenn ich noch nicht alles verstehe. Er wird mich halten, wird mich nicht fallen lassen, wird mir helfen, weiterzuschauen über den Augenblick der Not hinaus, wird mir Kraft geben, den nächsten Schritt zu wagen, wie immer dieser Schritt auch aussehen mag, wohin er auch führen mag.

IM FINSTEREN TAL – GOTTES TREUE BEGLEITUNG

Psalm 23 singt von dieser Freude, von diesem Gehört-Werden, von dieser Begleitung Gottes, die uns nicht loslässt, auch wenn wir durch dunkle Täler gehen müssen: „Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen.“ Wie David ein Hirte war, der sich für seine Herde hingab, der für sie wachte, sie beschützte, sie leitete, so ist Gott unser Hirte, der sich für uns hingibt, der über uns wacht, der uns beschützt, der uns den Weg zeigt, auch wenn wir ihn nicht sehen können. Der Psalm 23 wird zu einem Lebenslied, zu einem Lied, das wir mitsingen können mit unserem ganzen Leben, wenn wir ihn beten mit der Haltung einer verletzenden Offenheit unseres Leibes und unserer Seele, wenn wir uns öffnen für das, was Gott uns schenken will, wenn wir uns nicht verschließen in unserer Angst, in unserem Schmerz, in unserer Enttäuschung. Es ist wunderbar, in Gott hineinzuhören, sich fallen zu lassen in seine Gegenwart, sich bergen zu

lassen in seiner Nähe. Er bereitet uns zu, mit ihm zu gehen, mit ihm den Weg zu gehen, der vor uns liegt, mit all seinen Steigungen und Gefällen, mit all seinen hellen und dunklen Strecken. Tiefen und Höhen unseres Lebens sind von Gott gehört – nicht nur gesehen, nicht nur beobachtet, nicht nur registriert, sondern gehört, aufgenommen, ernst genommen, wichtig genommen! Es schallt an sein Ohr: unser Lachen, das aus tiefer Freude kommt, unser Weinen, das aus tiefem Schmerz kommt, unser Hoffen, das sich nach Zukunft ausstreckt, unser Vergehen, unsere Vergänglichkeit, unsere ganze Hinfälligkeit wird gehört, wird wahrgenommen, wird nicht überhört. „Und ob ich wanderte, im finsteren Tal...“ Wir kennen sie alle, diese „finsteren Täler" im Leben, diese Zeiten, in denen alles dunkel ist, in denen wir keinen Ausweg sehen, in denen uns die Kraft zu fehlen scheint weiterzugehen. Es gibt Tage, die scheinen ihres Sinns beraubt zu sein, an denen nichts mehr Sinn macht, an denen wir nicht mehr weiterkommen, weder vor noch zurück, an denen wir gefangen sind in einem Dunkel, das kein Ende zu haben scheint. „Ich fürchte kein Unglück, denn Du bist bei mir, Dein Stock und dein Stab trösten mich.“ Auch wenn es Zeiten gibt, in denen wir nicht mehr so können, wie wir wollen, in denen unsere Kraft nachlässt, in denen wir schwach werden und müde: Gott weicht uns auch dann nicht von der Seite, Gott überhört uns nicht, Gott lässt uns nicht fallen. Auch und gerade, wenn wir ihn in solchen Zeiten kaum entdecken können, wenn unser Herz sich „verdunkelt“, wenn wir seine Nähe nicht mehr spüren – er ist da, er bleibt da, er hält uns, auch wenn wir es nicht fühlen. Du bist bei mir – in dieser Gewissheit, in diesem tiefen Vertrauen können wir, wie Paulus es formuliert hat, sagen: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist.“ Gerade im Schweren Mut in Gott zu finden, gerade im Dunkeln aufzuschauen auf das Licht, das noch kommen wird, gerade im Leid Hoffnung zu bewahren auf das, was uns verheißen ist – darin liegt die Chance, die uns gegeben ist, darin liegt die Kraft, die wir brauchen, um weiterzugehen. „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.“ Wie David gesalbt wurde zum König, wie ihm das Öl über den Kopf gegossen wurde als Zeichen der Erwählung und der Bevollmächtigung, so salbt Gott uns, bereitet uns einen Tisch, verwöhnt

uns, beschenkt uns, mitten im Leben, mitten in den Kämpfen, mitten in den Schwierigkeiten. Wie David zum König erhoben wurde, obwohl er der Jüngste war, so erhebt Gott uns zu seinen Kindern, gibt uns Würde, gibt uns einen Platz an seinem Tisch, gibt uns Heimat. Bei Gott können wir neue Kraft bekommen, können wir aufatmen, können wir ausruhen, weil er uns auf unserem Weg treu begleitet und uns nicht allein lässt, nicht für einen Augenblick. Auch dem Hier und Jetzt, auch unserem gegenwärtigen Leben mit all seinen Mühen und Lasten ist noch Gutes nachgeordnet, wartet noch Schönes auf uns, liegt noch Hoffnung vor uns. Als Christen glauben wir: Unser Horizont ist weiter, als wir mit Augen sehen können, unser Leben reicht weiter, als wir mit unserem Verstand erfassen können, unsere Zukunft ist größer, als wir uns vorstellen können.

DIE FREUDE DES LAETARE – LEBEN AUS DER HOFFNUNG

Mitten in der Fastenzeit, mitten in der Zeit des Verzichts und der Umkehr, mitten in der Zeit, in der wir unser Leben kritisch betrachten und fragen, wo wir umkehren müssen, ruft uns dieser Sonntag zur Freude, und diese Freude ist keine oberflächliche Freude, keine Freude, die die Augen verschließt vor der Realität, sondern eine tiefe Freude, die aus dem Glauben kommt, aus der Gewissheit, dass Gott mit uns ist. Warum sollen wir uns freuen? Warum können wir uns freuen, auch wenn nicht alles leicht ist, auch wenn wir Schweres durchmachen? Weil wir nicht übersehen werden, weil Gott auf uns schaut, weil wir in seinen Augen wichtig sind, kostbar, wertvoll, und geliebt. Weil Gott auf unser Herz sieht, nicht auf unser Äußeres, nicht auf das, was wir leisten, nicht auf das, was andere von uns denken, nicht auf unsere Fehler und Schwächen, sondern auf unser Herz, auf das, was wir wirklich sind, auf das, was in uns steckt, auf das, was aus uns werden kann. Weil Gott den Jüngsten erwählt, den Vergessenen ruft, den Überhörten hört – und das bedeutet: Er erwählt auch mich, ruft auch mich, hört auch mich, egal wer ich bin, egal wo ich stehe, egal was ich getan habe oder nicht getan habe. Weil Krankheit keine Strafe ist, weil Leiden nicht das letzte Wort hat, weil Scheitern nicht das Ende bedeutet, weil Gott uns heil machen will, uns verwandeln will, uns ins Leben hineinführen will. Weil wir einander hören können, weil wir einander nicht überhören müssen, weil im Hören Begegnung geschieht, Gemeinschaft entsteht, Leben aufblüht, weil wir füreinander da sein können in einer Weise, die heilt und tröstet und stärkt. Gott führt uns immer ins Leben hinein, auch wenn wir es nicht sofort verstehen können, auch wenn unser Weg verschlungen ist, auch wenn unser Leben von Scheitern und Versagen geprägt ist, auch wenn wir immer wieder fallen und straucheln. Verletzungen können uns Menschen nicht erspart bleiben, das gehört zu unserem Menschsein dazu, zu unserer Endlichkeit, zu unserem Unterwegssein, aber wir können daran reifen, können daran wachsen, können dadurch tiefer werden, menschlicher werden, liebender werden. Gott will heilen, Gott will verwandeln, Gott will Leben schenken, und er tut es, oft auf Wegen, die wir nicht vorhergesehen haben, oft anders, als wir es erwartet hätten, aber er tut es.

Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts!“ Wir waren Finsternis, nicht nur im Finstern, nicht nur von Finsternis umgeben, sondern selbst Finsternis, selbst dunkel, selbst ohne Licht – aber jetzt, durch die Begegnung mit Christus, sind wir Licht geworden, tragen Licht in uns, können Licht weitergeben. Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor, bringt Leben hervor, Hoffnung, Liebe. „Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein“ – ein Ruf, der uns gilt, ein Ruf, der uns aufwecken will aus unserer Erstarrung, aus unserer Resignation, aus unserem Kleinmut. Diese Verwandlung, von der Paulus spricht, ist keine einmalige Erfahrung, die wir machen und dann ist alles gut, sondern ein lebenslanger Prozess, ein Weg, der Zeit braucht, der durch viele Stationen führt. Wie David von der Schafherde zum Königsthron ging, wie er dreimal gesalbt wurde, bevor er wirklich König über ganz Israel war, so ist auch unser Weg ein Weg des Wachsens, des Reifens, des Hineinwachsens in das, wozu Gott uns berufen hat. Wie der Blindgeborene vom Nichtsehen zum Sehen kam, vom Sehen zum Erkennen, vom Erkennen zum Glauben, vom Glauben zur Anbetung, so durchlaufen auch wir Stufen der Erkenntnis, haben auch wir Phasen des Zweifels, erleben auch wir Momente der Anfechtung. Aber wenn wir dranbleiben, wenn wir nicht aufgeben, wenn wir uns nicht der Angst hingeben, die uns lähmen will, wenn wir auf die Stimme hören, die uns beim Namen ruft, auf die Stimme Gottes, die uns sagt: Du bist mein geliebtes Kind, du gehörst zu mir, ich lasse dich nicht fallen – dann wird aus dem Sehen ein Glauben, aus dem oberflächlichen Wahrnehmen ein tiefes Vertrauen, aus dem Glauben eine Beziehung, eine lebendige Gemeinschaft mit Gott, aus der Beziehung ein Leben in Fülle, ein Leben, das mehr ist als nur Existieren, das erfüllt ist von Sinn, von Hoffnung, von Liebe.

GOTTES PERSÖNLICHE ZUWENDUNG – JEDE GESCHICHTE IST EINZIGARTIG

Gott erwählte nicht Eliab, den Großen und Stattlichen, den Beeindruckenden, der aussah wie ein König, sondern er erwählte David, den Kleinen und Rothaarigen, den Unscheinbaren, der die Schafe hütete. Gott heilt nicht alle Blinden mit demselben Wort, nicht alle auf dieselbe Weise, nicht alle zur selben Zeit, sondern er geht auf jeden Menschen anders zu, begegnet jedem auf seine ganz persönliche, einzigartige Weise. Was wir in beiden Geschichten sehen, sowohl in der Geschichte Davids als auch in der Geschichte des Blindgeborenen, ist eine sehr einzigartige und persönliche Begegnung mit Gott, eine Begegnung, die zeigt: Gott übersieht niemanden, Gott überhört niemanden, Gott lässt niemanden links liegen. Ob jung oder alt, ob erfahren oder unerfahren, ob der Erste mit all seinen Vorrechten oder der Letzte, der nichts zu erwarten hat, ob gesund oder krank, ob angesehen oder verachtet -- Gott erwählt auch diejenigen, von denen wir es nicht erwartet hätten, ja, gerade diejenigen erwählt er oft, die in unseren Augen nichts sind, die zu klein sind, zu schwach, zu unwichtig. Die Frage an uns lautet: Höre ich auf die Stimme Gottes, die mich beim Namen ruft, die mir sagt, dass ich wichtig bin, dass ich geliebt bin, dass ich einen Platz habe in Gottes Herzen? Sehe ich auf das Herz meiner Mitmenschen, oder bleibe ich beim Äußeren haften, beim ersten Eindruck, bei dem, was vor den Augen ist? Überhöre ich die Stillen, die Jüngsten, die Unscheinbaren, die keine laute Stimme haben, die nicht im Rampenlicht stehen, oder nehme ich sie wahr, höre ich auf sie, gebe ich ihnen Raum? Martin Buber, der große jüdische Philosoph, schreibt: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, und dieser Satz trifft ins Herz dessen, worum es geht: Im Hören geschieht die Hinwendung zum Du, im Hören öffne ich mich für den anderen, im Hören lasse ich ihn sein, wie er ist, im Hören gebe ich ihm Raum, seine Geschichte zu erzählen, sein Herz zu zeigen. Diese Hörbegegnung bedarf der Aufmerksamkeit, bedarf dessen, dass ich mich ganz auf den anderen einlasse, dass ich mich einem Menschen ganz zuwende, dass ich nicht nebenbei höre, während ich an etwas anderes denke, sondern dass ich wirklich da bin, ganz präsent, ganz aufmerksam – und das ist eine Aufgabe, die uns jeden Tag neu gestellt wird. Welche Freude liegt darin, wenn wir Menschen einander nicht überhören! Welche tiefe, beglückende Freude entsteht, wenn wir aufeinander hören – mit dem Ohr des Herzens, wie Benedikt sagt, mit unserer ganzen Aufmerksamkeit, mit dem Willen, den anderen wirklich zu

verstehen, wirklich wahrzunehmen! Welche Freude, wenn wir erkennen: Der andere ist mehr als das, was ich mit meinen Augen sehe, mehr als der erste Eindruck, mehr als die Rolle, die er spielt, mehr als die Funktion, die er erfüllt -- der andere hat ein Herz, hat eine Geschichte, hat Träume und Ängste, hat Hoffnungen und Enttäuschungen, und all das will gehört werden, will wahrgenommen werden, will ernst genommen werden. Jesus ruft uns zu: „Wer Ohren hat, der höre!“, und dieser Ruf ist nicht nur ein Ruf, die Worte Jesu zu hören, die biblischen Botschaften aufzunehmen, sondern ein Ruf, überhaupt zu hören, aufeinander zu hören, auf Gott zu hören, auf das Leben zu hören, auf das, was uns umgibt und bewegt. Im Hören der biblischen Worte wird Gemeinschaft gestiftet, wird eine Verbindung geschaffen zwischen uns und Gott, zwischen uns und den Menschen, die vor uns gelebt haben, zwischen uns und denen, die nach uns kommen werden, und im Hören wird Glaube geweckt, wird Vertrauen geboren, wird Hoffnung entzündet. Von den Worten der Bibel angerührt und berührt zu werden, weckt Vertrauen und Hoffnung in das Leben, das von Gott geschenkt und gehalten ist, das mehr ist als nur eine Aneinanderreihung von Tagen, sondern ein Weg ist, der ein Ziel hat, eine Geschichte, die einen Sinn hat, eine Berufung, die uns trägt.

Weitere Einträge

3. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Joh 4, 5–15.19b–26.39a.40–42
Ich bin es, der mit dir spricht.
Kommentar
Ernst Wageneder

Lehrer im eb Privatgymnasium Borromäum und Schulseelsorger, Lehrbeauftragter an der WU Wien, Knowledgemanagement sowie Mitarbeiter der Missionarischen Pastoral/Pastoral Innovation in der Erzdiözese Salzburg

2. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Mt 17, 1–9
Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!
Kommentar
Ernst Wageneder

Lehrer im eb Privatgymnasium Borromäum und Schulseelsorger, Lehrbeauftragter an der WU Wien, Knowledgemanagement sowie Mitarbeiter der Missionarischen Pastoral/Pastoral Innovation in der Erzdiözese Salzburg

1. Sonntag in der Fastenzeit

Lesejahr A
Mt 4, 1–11
Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn.
Kommentar
Irene Blaschke

Präfektin im Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg

Mag. Irene Blaschke, Referentin für Berufungspastoral

6. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Mt 5, 20–22a.27–28.33–34a.37
Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht.
Kommentar
Irene Blaschke

Präfektin im Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg

Mag. Irene Blaschke, Referentin für Berufungspastoral

5. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Mt 5,13-16
Ihr seid das Salz der Erde.
Kommentar
Irene Blaschke

Präfektin im Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg

Mag. Irene Blaschke, Referentin für Berufungspastoral

4. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Mt 5, 1–12a
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Kommentar
Irene Blaschke

Präfektin im Priesterseminar der Erzdiözese Salzburg

Mag. Irene Blaschke, Referentin für Berufungspastoral

3. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Mt 4, 12–23
Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen
Kommentar
Hanns Sauter

Nationalsekretär Österreich 
Andreas-Petrus-Werk, Zentrum zur 
Erforschung des Christlichen Ostens

2. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A
Joh 1, 29–34
Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!
Kommentar
Hanns Sauter

Nationalsekretär Österreich 
Andreas-Petrus-Werk, Zentrum zur 
Erforschung des Christlichen Ostens

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