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Eine Vertrauensfrage?

Die Erzdiözese Salzburg wirbt darum, in schwierigen Zeiten aus den christlichen Haltungen Mut, Vertrauen, Freude und Friede zu leben. Zum zweiten Adventsonntag laden wir ein, Vertrauen neu zu entdecken. „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser.“ Dieses Lenin zugeschriebene Wort hat eine ungeahnte Sprengkraft. Es hat das Potenzial, eine Grundlage menschlicher Beziehungen aufzulösen: das für unser Zusammenleben notwendige Bindeglied des Vertrauens. Des Vertrauens ineinander und in die Zusammenhänge. Dieses Wort ist im Alltag vieler Menschen angekommen und in ihre Leben eingesickert. Denn seien wir einmal ehrlich: Vertrauen wird täglich erschüttert – durch Menschen, Institutionen und Ereignisse. Mit Vertrauen tun sich viele immer schwerer. Ja, man kann von einer zunehmenden Vertrauenskrise in unserer Gesellschaft und Kirche sprechen. Christliche Heilsgeschichte schaut anders aus. Sie lebt vom Vertrauen darauf, dass Gottes Verheißung Wirklichkeit wird. So auch bei Johannes dem Täufer: das Himmelreich ist nahe – das ist die Botschaft des zweiten Adventsonntags. Sein Glaube daran ist aber nicht ein Beharren auf Dinge, die er nicht sieht, sondern vielmehr ein Vertrauen, dass Gott handeln wird. Vertrauen ist die Währung des Glaubens Daran zu glauben ist mehr als etwas zu meinen oder zu vermuten. Das zeigt sich schon in der Herleitung des Wortes. Das lateinische Wort „Credo“ kommt von „cor dare“, was übersetzt so viel bedeutet „das Herz geben“. Das hebräische „aman“ meint, „sich an etwas fest machen“. Der Apostel Paulus spricht in seinen Briefen von der „pistis“. Das Wort wird herkömmlich mit „Glauben“ übersetzt, wir können es aber auch mit „Trauen“ wiedergeben. Gott mutet uns das Vertrauen zu. Glaube, Vertrauen, Zutrauen – all das bringt uns aber in ungeschützte Gefilde. Denn: Wer vertraut, der verzichtet auf die letzte Rückversicherung; auf das kontrollierende Nachrechnen, ob die Rechnung auch wirklich aufgeht. Es verwundert deshalb nicht, dass Menschen sich oft schwertun mit diesem Vertrauen. Und im Letzten Probleme damit haben, sich ganz auf Gott einzulassen. Doch jeder, der sich ins Ungewisse gewagt hat, berichtet: dieser Schritt zahlt sich aus. Wenn es gelingt, dann führt es wie im Falle des Johannes des Täufers zur Umkehr. In seiner Aussage, dass das Himmelreich nahe sei, ist dieser Weg des Trauens eingeschrieben. Umkehr bedeutet, die Übergabe des eigenen Lebens an Gott – eine große Überwindung. Zugleich aber auch eine Entlastung. Nämlich dann, wenn wir die großen Fragezeichen unseres Lebens und der Welt an Gott übergeben. Das traut uns Gott zu. Wenn wir fallen, fällt er mit – und fängt uns zugleich unten wieder auf. Krisenzeiten bringen Kontrollverluste mit sich. Dieser Verlust lässt diffuse Angst und Sorgen schon vor den eigentlichen Ereignissen aufkommen. Das Ergebnis des Vertrauens zeigt sich immer im Nachhinein. Es ist zwar auf Zukunft gerichtet, fällt in der Gegenwart schwer, besteht aber als Erinnerung. „Da wurde ich getragen“ – sagen viele Menschen, wenn sie auf eine schwierige Zeit zurückblicken. Advent ist die Vergegenwärtigung von Vertrauenserfahrungen mit Gott. Warum sich selbst also nicht eine Extra-Portion davon erbitten?

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Ausgabe 40 | 2026

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