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Zwei Kulturen, eine Mission

Die Missionarin Christi Sr. Brigitta Raith kehrte aus dem Kongo in die Erzdiözese Salzburg zurück. Heute ist sie Nachfolgerin von Lucia Greiner als Vorsitzende der Diözesankommission für Weltkirche.
Die Missionarin Christi Sr. Brigitta Raith kehrte aus dem Kongo in die Erzdiözese Salzburg zurück. Heute ist sie Nachfolgerin von Lucia Greiner als Vorsitzende der Diözesankommission für Weltkirche.

Mehr als drei Jahrzehnte lebte und wirkte Sr. Brigitta Raith, Missionarin Christi aus der Oststeiermark, in der Demokratischen Republik Kongo. Sie hat Krisen, Krieg und Not erlebt, aber auch die nie versiegende Lebenskraft der Menschen.   

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Ingrid Burgstaller

Sie wollte heiraten und eine Familie gründen, sagt Schwes-ter Brigitta Raith. Dass sie über drei Jahrzehnte im Kongo leben würde, war nicht geplant. Mit 25 Jahren spürt die Lehrerin, dass Gott sie auf einen anderen Weg ruft. 1987 beginnt sie ihr Noviziat bei den Missionarinnen Christi in München. Afrika ist damals noch kein Thema – bis ein Film über Salzburgs Partnerdiözese Bokungu Ikela sie „so tief berührte, dass ich wusste: Dort möchte ich hin.“


Am 1. Oktober 1992, ihrem Geburtstag, reist sie aus. In der Pfarre St. Paul in Ikela arbeitet sie in der Pastoral, begleitet Jugendgruppen, baut Frauengruppen auf und stärkt Katechisten. „Die Pfarren sind riesig. Ohne die Katechisten würde das kirchliche Leben zusammenbrechen.“


Kirche als Hoffnungsträgerin


Die Kirche ist im Kongo unverzichtbar: „Sie ist Hoffnungsträgerin, moralische Kraft und ihre Schulen, Krankenhäuser sind oft die einzigen, die funktionieren.“ In einem Land, das seit Jahrzehnten von Konflikten erschüttert wird, fördert sie Frieden: durch Bildung, Gesundheitsversorgung und eine mutige Stimme gegen Ungerechtigkeit.


Mit dem Krieg 1996/97 verändert sich alles. Drei Wellen bewaffneter Gruppen ziehen durch die Diözese. „Ich bin sicher: Wären unsere Schwestern nicht geflohen, sie wären umgebracht worden“, erinnert sich die Missionarin Christ an diese schwierige Zeit. 

Frieden beginnt nicht erst in der Politik, sondern im Dorf, in der Familie, am Arbeitsplatz.

Bis heute kommt das Land nicht zur Ruhe. „Die Gewaltbereitschaft nimmt zu. Es braucht nur einen kleinen Funken.“ Frieden beginne deshalb nicht erst in der Politik, sondern „im Dorf, in der Familie, am Arbeitsplatz – überall dort, wo Menschen lernen, Konflikte ohne Gewalt auszutragen“. Gleichzeitig erlebt die Ordensfrau eine enorme Resilienz: „Die Lebensfreude ist ein Ventil.“ Während in Europa die Illusion von Planbarkeit wachse, sei im Kongo die Zukunft offen und damit die Fähigkeit zu hoffen größer. „Hauptsache, wir leben“, hörte sie oft.


Lernen von Afrika


Für Schwester Brigitta liegt in Afrika ein Schatz, den Europa oft übersieht: „Die Menschen leben im Vertrauen, dass Gott mitgeht.“ Auch die Fähigkeit, trotz Not zu feiern, zu tanzen, dankbar zu sein, beeindruckt sie: „Die Freude an Gott ist ihre Stärke.“ 
Nach Jahrzehnten im Kongo übergaben die noch verbliebenen europäischen Missionarinnen Christi die Verantwortung ganz den afrikanischen Schwestern. Der Abschied ist nicht leicht. Doch neue Aufgaben warten: Schwester Brigitta kehrt nach Salzburg Liefering zurück, wo sie vor ihrer Ausreise in den Kongo schon im Bondeko gearbeitet hat.


„Weltkirche“-Vorsitzende


Heute ist sie selbstständig in der Erwachsenenbildung tätig und bringt ihre Erfahrung als neue Vorsitzende in die Diözesankommission für Weltkirche (DKW) ein. „Ich möchte Brücken bauen. Ich kenne zwei Kulturen von innen, diesen Reichtum möchte ich fruchtbar machen.“ Für sie bleibt Mission ein Weg des Friedens: „Mission heißt, das Leben der Menschen zu teilen – ihre Freude und ihr Leid. Und Hoffnung zu säen, wo sie verloren gegangen ist.“

 

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Ausgabe 28 | 2026


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