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„Grandiose“ erste Papst-Enzyklika

Am 15. Mai  unterzeichnete Papst Leo XIV. seine  erste Enzyklika, am Pfingstmontag, den 25. Mai, wurde sie veröffentlicht.
Am 15. Mai unterzeichnete Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika, am Pfingstmontag, den 25. Mai, wurde sie veröffentlicht.

Mit „Magnifica humanitas“ („Großartige Menschheit“) scheint Papst Leo XIV. ein großer Wurf gelungen zu sein. Erzbischof Franz Lackner spricht von einem „Bekenntnis zum Menschen“.

Der Wiener Theologe Paul Zulehner hat die neue Sozialenzyklika von Papst Leo XIV. zum Thema KI als „grandios“ gewürdigt – und damit die positiven Reaktionen in ein Wort gefasst. Wie Vorgänger Franziskus mit der Enzyklika „Laudato si“ werde Leo mit dem Lehrschreiben „Magnifica humanitas. Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“ in die Geschichte eingehen, kommentierte Zulehner in seinem Blog: „Leo zieht alle sozialethischen Register, um dem Segen eine Chance zu geben: also der Wahrheit, der Gerechtigkeit, dem Frieden und über allem der unantastbaren Würde aller.“

 

In der am Pfingstmontag veröffentlichten Enzyklika verdeutlicht der Papst, dass die Menschheit im digitalen Zeitalter an einer epochalen Wegscheide stehe und fordert wertebasierte Regeln und gesellschaftliche Kontrolle beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Aus Sicht des Papstes droht aktuell „die Gefahr, dass die Welt unmenschlich und ungerechter wird“. Zwar sei Technik an sich nicht menschenfeindlich; sie habe zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensbedingungen beigetragen. Zugleich habe „jede Phase des Fortschritts auch die Ambivalenz von Werkzeugen offenbart, die in der Lage sind, Schaden anzurichten, wenn sie nicht auf das Gute ausgerichtet sind“, so Leo XIV.

 

Menschlichkeit statt „Turm zu Babel“

 

Expertinnen und Experten sprechen von einem „hilfreichen ethischen Kompass“ (Sozialethiker Elmar Nass, Köln), dem Aufgreifen „einer zentralen Frage der Gegenwart“ (Vatikanberaterin Anna Rowland) sowie einer „hochpolitischen Roadmap des Pontifikats“ von Leo XIV. (Jesuit Andreas Batlogg). Und auch die Katholische Aktion Österreich attestiert der Enzyklika eine Bedeutung „weit über den Kreis von Gläubigen hinaus“. Bereits die ersten Sätze von „Magnifica humanitas“ geben die Richtung klar vor: „Die von Gott geschaffene großartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen ...“     

 

 

Geleitwort von Erzbischof Franz Lackner

 

Ein Bekenntnis zum Menschen

Papst Leo XIV. hat mit „Magnifica humanitas“ ein mit klarer Stimme gesprochenes Zeugnis für die Würde des Menschen in einer Zeit immer höherer Technisierung, immer größerer Machbarkeit vorgelegt. 135 Jah-re nach der großen Sozialenzyklika „Rerum novarum“ seines Namensvorgängers Leos XIII. hat der Papst, wie er sagt, „aufmerksam zugehört“ –
er hat die Stimmen der Expertise, aber auch das Schweigen Betroffener vernommen. Während er die vielen positiven Errungenschaften des Fortschritts benennt, zeigt er doch auch deutlich die mannigfaltigen Risiken auf, die uns als Gesellschaft erwachsen, wenn der Mensch sich letztlich selbst verdrängt, sich einer inhumanen Umwelt aussetzt.

 

So wird das Bekenntnis des Papstes zum Menschen an sich, der Abbild des Schöpfers ist, auch zum Wort für Frieden und Gerechtigkeit. Die Schaffenskraft, die Personalität des Menschen selbst ist heute gerade auch durch Künstliche Intelligenz besonders herausgefordert. Ein Leichtes wäre es in unserer Zeit, diese umfangreiche Enzyklika durch künstliche Intelligenz in einem Augenblick auf wenige Sätze zu reduzieren, um sie scheinbar schnell zu verstehen und kommentieren zu können. Doch all ihr Reichtum, ihr Wesen und damit die hohe, lehrende und mahnende Absicht des Autors gingen dabei verloren. So lade ich herzlich alle ein, sich tief mit „Magnifica humanitas“ zu befassen und das Schreiben mit gebotenem Ernst zu studieren.

 

Link zur gesamten Enzyklika in deutscher Sprache

 

tom/kap

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