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Vatikanstadt. „Wir dürfen nicht länger gleichgültig bleiben! Und wir dürfen uns nicht mit dem Bösen abfinden!“ Das war am Ostersonntag die Kernbotschaft von Leo XIV. in seiner Ansprache zum Segen „Urbi et orbi“ von der Mittelloggia des Petersdoms. Der Papst beklagte eine zunehmende Abstumpfung gegenüber der überall herrschenden Gewalt. Er prangerte die Gleichgültigkeit an, angesichts des Todes Tausender Menschen, von Hass, Spaltung und den daraus folgenden Konflikten. Und Leo XIV. zitierte seinen Vorgänger Franziskus, der von einer ausgeprägten „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ gesprochen hatte.
„Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog ... Bitten wir den Herrn, er möge der Welt seinen Frieden schenken“, appellierte der Papst und rief trotz der weltweiten Begegnung mit Gewalt und Tod zugleich zur Hoffnung auf: „Es ist aber auch gewiss, dass mitten in der Dunkelheit immer etwas Neues aufkeimt, das früher oder später Frucht bringt. Das Osterfest lädt dazu ein, den Blick zu erheben und die Herzen zu öffnen. Es ist die neue Schöpfung, die der auferstandene Herr vollbracht hat, ein Neuanfang.“
Tags darauf erinnerte Leo XIV. beim Mittagsgebet unter Applaus an Papst Franziskus, der am Ostermontag vor einem Jahr (21. April 2025) verstorben war – insbesondere an dessen „großes Zeugnis des Glaubens und der Liebe“. Sein Vorgänger bleibt unvergessen. Noch immer ist ein Besuch des Grabes von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore für viele Rom-Reisende obligatorisch.
osterbotschaften aus österreich
Gott „im Kleinsten“ suchen
In Salzburg lud Erzbischof Franz Lackner in seiner Ostersonntagspredigt dazu ein, Gott nicht vorrangig im Spektakulären, sondern „im Kleinsten enthalten“ zu suchen. Anhand der Szene um Maria von Magdala am leeren Grab schilderte er die Begegnung mit dem Auferstandenen als ein leises, zutiefst personales Geschehen, das er als „Magdalenensekunde“ deutete: einen Moment, in dem „Unendlichkeit auf Endlichkeit trifft“. Dass Maria sich dabei von Jesus abwende, erklärte Lackner nicht als Irritation, sondern als Reaktion auf die Unfassbarkeit des wahren Wesens des Auferstandenen. Die Weisung Jesu „Halte mich nicht fest!“ sieht er als Schlüssel der Osterbotschaft: Gott lasse sich nicht besitzen oder fixieren, sondern begegne im Augenblick.
Ostern „keine Vertröstung“
Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler erklärte im ORF-Interview, die religiösen Feiertage rund um die Auferstehung Jesu Christi seien „ein Fest der Hoffnung“. Der Glaube daran sei aber keine billige Vertröstung auf das Jenseits. Der tiefe Glaube an das Osterfest und die Botschaft der Auferstehung Christi sei vielmehr die Aufforderung, sich hier und jetzt für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Mit Verweis auf Papst Leo XIV. rief er ebenfalls dazu auf, abzurüsten – in Gedanken, Worten und Werken.
„Fest gegen die Schwerkraft“
Für den Wiener Erzbischof Josef Grünwidl ist Ostern ein „Fest gegen die Schwerkraft“, gegen all das, was die Menschen hinunterzieht. Er wünsche sich, so Grünwidl im ORF, dass die Menschen dieses Fest der Hoffnung auch in dieser Weise erleben. Auch wenn viele heute nicht mehr wie früher die gleiche Nähe zur Kirche hätten, sei er überzeugt: „Die Grundbotschaft von Ostern, dass das Gute stärker ist als das Böse, dass der Wille zum Frieden stärker ist als Hass und Krieg, diese Grundbotschaft ist in der österreichischen Seele fest eingebrannt und das macht mir auch Mut und gibt mir Zuversicht.“ Der Wiener Erzbischof sprach von einer Herausforderung für sich und auch für die Kirche, „dass wir keine Karsamstag-Kirche werden, die beim Grab stehen bleibt, bei Trauer, Tod und Leid, sondern, dass wir eine Osterkirche werden“.
kap/eds
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