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Bonn/Wien. „Ich kann mir auf Dauer nicht vorstellen, wie eine Kirche bestehen kann, wenn die Hälfte des Volkes Gottes leidet, weil sie keinen Zugang zum geweihten Dienst hat“, sagte Kardinal Jean-Claude Hollerich vergangene Woche bei einem Symposium in Bonn. Der Luxemburger Erzbischof, der als Generalrelator eine zentrale Funktion bei der Weltsynode 2023/2024 innehatte, sei in dieser Frage früher selbst konservativer gewesen, habe seine Meinung jedoch geändert: „Ich habe als Bischof gelernt, dass das nicht nur ein Desiderat von einigen links stehenden Frauenverbänden ist ... Wenn ich mit den Frauen in den Pfarren rede, haben 90 Prozent bei uns dieselbe Meinung.“
Der Kardinal warb jedoch um Geduld. Für Frauen aus anderen Kulturen seien es „künstliche Probleme“, wenn Frauen aus Europa über das Thema Weiheamt sprächen. „Das ist auch eine Realität, die wir sehen müssen.“ Es brauche weiter Zeit, bis dies in allen Kulturen so aufgegriffen werde.
In Wien wurde fast zeitgleich das neu gegründete Netzwerk „Frauen.Führen.Kirche“ präsentiert. Es will auf strukturelle Benachteiligungen von Frauen in Kirche und Gesellschaft aufmerksam machen, Frauen in Leitungsfunktionen sichtbar machen, sie vernetzen und gezielt stärken. Initiatorinnen sind Regina Petrik, Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreich, Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts, sowie Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreich. Ein Kernsatz: „Es geht um Gleichwertigkeit, nicht um Privilegien.“
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