
Salzburg/Cortina. Es war eine Begegnung von vielen, doch sie bleibt im Gedächtnis. „Gottes Wege sind einfach unbegreiflich“, schreibt der heimische Judoka Aaron Fara nach den Sommerspielen 2024 an den österreichischen Olympia-Seelsorger Johannes Lackner, mit dem er in Paris mehrere Glaubensgespräche geführt hat. Sein Brief ist ein Zeugnis, wie befruchtend die Verbindung von Glaube und Sport sein kann – und wie wertvoll das Wirken eines Seelsorgers an der Schnittstelle zwischen olympischem und Heiligem Geist oftmals für die Betroffenen ist. Die bewegenden Worte des niederösterreichischen Judo-Kämpfers:
„Nach Olympia bin ich schwer depressiv nach Hause gekommen, hatte Corona und lag eine Woche im Bett. Ich war niedergeschlagen, weil die Spiele nicht so gelaufen sind, wie ich das geplant hatte. Ich habe nie bezweifelt, dass es das Beste für mich war, weil Gott es so bestimmt hat. Ich durfte viele Christen kennen lernen, darunter dich, meinen Freund und Bruder. Trotzdem wusste ich nicht, wie es weitergehen wird. Ich habe Gott angefleht und er hat sofort reagiert. Am nächsten Tag wurde ich von der Wrestling-Organisation nach Orlando eingeladen, um ein Profi-Wrestler zu werden. Ich habe wieder von Neuem gelernt, dass Gott immer einen Plan hat ... Die Freude besteht darin, dass – egal was im Leben passiert – wir darauf vertrauen können, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alle Dinge zum Besten führt. Auch wenn man bei Olympia in der ersten Runde verliert, Gott hat immer einen Plan.“

Ex-Judoka Aaron Fara blieb auch nach den Olympischen Spielen von Paris in freundschaftlichem Kontakt mit Seelsorger Johannes Lackner.
Erlebnisse wie dieses bestätigen den aus Kitzbühel stammenden und seit jeher sportbegeisterten Priester Johannes Lackner darin, „dass der Glaube auch im Spitzensport eine Kraftquelle sein kann“. Erfolg hänge zwar von der eigenen Leistung, vom Training und vom Talent ab, doch zu einem Teil auch von der Tagesverfassung sowie von „glücklichen und günstigen Umständen, die ich als Sportler nicht beeinflussen kann“. Speziell bei Olympia. „Es ist für Sportlerinnen und Sportler oft der Höhepunkt in ihrem Leben. Darauf trainieren sie hin, dafür tun sie alles. In dieser besonderen Situation sind sie auch besonders offen für den Glauben und das Vertrauen in etwas Größeres“, schildert der Olympiakaplan seine Erfahrungen.
Die Begegnungen bei den Olympischen Spielen und den Paralympics, die Lackner in Paris ebenfalls begleitet hat, seien entsprechend positiv in Erinnerung – auch danach rissen einige Kontakte nicht ab. „Einige Sportler schicken mir Weihnachtsgrüße oder fragen zwischendurch, wie es mir geht, andere schreiben mir, wenn sie eine schwierige Phase oder Glaubensfragen haben, und eine Paralympic-Sportlerin habe ich auch schon verheiratet. Es ist schön, wenn sich das zwischen den Spielen so entwickelt“, freut sich der seit dem Jahr 2022 in dieser Funktion aktive Olympia-Seelsorger.
Was die bevorstehenden Winterspiele rund um Mailand und Cortina anbelangt, hat für den Tiroler Geistlichen bereits eine intensive Vorbereitungsphase begonnen. Er besucht Sportveranstaltungen oder verfolgt diese im TV, gibt eine steigende Zahl von Interviews und begegnet den Athletinnen und Athleten bei der offiziellen Einkleidung und Verabschiedung. „Es ist wichtig, dass man die Sportler kennen lernt und ein Vertrauensverhältnis entsteht. Ich habe bei der Einkleidung schon viele offene, dankbare und wertschätzende Rückmeldungen bekommen. Einige haben auch länger mit mir gesprochen, wo man merkt: da gibt es einen Zugang zur Kirche und zum Glauben. Generell bin ich aber für alle Sportlerinnen und Sportler da, die das wollen, nicht nur für die Gläubigen.“
Seine Erfahrung von den Sommerspielen reicht „von tiefgründigen Gesprächen und Beichten bis hin zum Smalltalk bei der Kaffeemaschine. Da ist erfahrungsgemäß die ganze Palette dabei“. Telefonnummern und Online-Kontakte wurden bereits eifrig ausgetauscht – zumal diesmal die Wege zwischen den Olympia-Sportstätten teils weit sind und nicht alle Seelsorge-Gespräche persönlich stattfinden können.
Letztlich geht es nicht darum, ob ich gewinne oder verliere, sondern wie ich gewinne oder verliere. Wie ich damit umgehe.
Bei Olympia wird Lackner auch Andachten feiern und Segen spenden. Vorab verteilt er als Glücksbringer kleine Fingerrosenkränze an die Mitglieder des österreichischen Olympia-Teams, betont dabei aber: „Das ist kein Talisman mit magischer Wirkung nach dem Motto ,Wenn ich viel bete, dann gewinne ich‘, sondern eine Erinnerung und ein Zeichen, dass Gott jeden liebt und beschützt.“ Generell hält er zum Olympia dominierenden Thema Sieg oder Niederlage, Medaille oder vierter Platz fest: „Der Glaube sagt uns, dass jeder Mensch wertvoll und wichtig ist, unabhängig vom sportlichen Abschneiden, unabhängig von der Leistung. Letztlich geht es nicht darum, ob ich gewinne oder verliere, sondern wie ich gewinne oder verliere. Wie ich damit umgehe.“
Persönlich betet Olympia-Seelsorger Lackner nicht um Medaillen, sondern „dass sich keiner verletzt und es faire Wettkämpfe sind“. Und er freut sich wie in Paris auf das völkerverbindende Element: „Es war damals ein bisschen wie beim Weltjugendtag der Kirche. Das menschliche Miteinander war wichtiger als das sportliche Gegeneinander. Für mich war da wirklich ein größeres gemeinsames Ganzes spürbar – der vielbeschworene olympische Geist. Insofern ist Olympia nicht nur ein Fest des Sports, sondern auch ein Fest des Glaubens und des Friedens.“
olympia-seelsorge
Je näher die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d‘Ampezzo (6. bis 22. Februar) rückten, desto größer wurde die Zahl an Interviews, die der österreichische Olympia-Seelsorger Johannes Lackner bereitwillig gab. Zwei Tipps für all jene, die noch mehr über seine Tätigkeit bei Olympia oder die Gemeinsamkeiten von Sport und Glaube lesen und hören möchten:
„Traue Österreichs Team 18 Medaillen zu“ (Kathpress-Gespräch)
„Der Olympiakaplan“ (Podcast der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“)
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