RB: Herr Weihbischof, vor fünfzig Jahren haben Sie die Priesterweihe empfangen. Wenn Sie heute auf Ihren Berufungsweg zurückblicken: Welche Erfahrungen waren prägend für Ihr Verständnis des Priestertums?
Weihbischof Hansjörg Hofer: Für mich war immer entscheidend: Ich bin nicht Priester geworden, um meine persönliche Frömmigkeit zu steigern, sondern für die Menschen, für das Volk Gottes. Ich möchte für Suchende und Fragende da sein. Und ich weiß: Als Priester bin ich nicht der Macher, sondern Werkzeug Gottes, der verlängerte Arm Christi. Ich stehe nicht im Mittelpunkt, sondern ich bin gesandt, ich gehe für jemanden – für Jesus Christus. Ich bin sein Sprachrohr.
RB: Sie haben nach der Priesterweihe verschiedenste Aufgaben übernommen: vom Sekretär des Erzbischofs über Pfarrstellen bis hin zum Ordinariatskanzler, Generalvikar und Weihbischof. Welche dieser Phasen war die erfüllendste?
Weihbischof Hofer: Das kann ich nicht auf eine Phase reduzieren. Alles war ein Hineinwachsen in eine größere Verantwortung. Die Zeit als Sekretär von Erzbischof Karl Berg war wichtig, weil ich die Diözese gut kennen lernen durfte. Als Pfarrer in Mittersill und in Rehhof war ich ganz nah bei den Menschen – diese Erfahrungen waren später als Personalreferent und Ordinariatskanzler sehr wichtig. Ich war selbst konfrontiert mit den Fragen, die Priester betreffen. Allgemein gilt, jede Aufgabe hat die nächste vorbereitet. Und die priesterliche Tätigkeit in der Pfarre war für mich immer ein Ausgleich zur Verwaltung und den Aufgaben in der Zentrale.
RB: In Kürze werden im Dom fünf neue Priester geweiht. Welche Gedanken und Ermutigungen möchten Sie ihnen mit auf den Weg geben?
Weihbischof Hofer: Sie sollen geistliche Menschen sein und menschliche Geistliche. Sie sollen versuchen, ganz in der Welt, aber nicht von der Welt zu sein (siehe Johannes-Evangelium). Sie sollen die Nähe zu den Menschen suchen, ohne sich allem anzugleichen.
Als Priester bin ich nicht der Macher. Ich bin Werkzeug Gottes, der verlängerte Arm Christi.
RB: Das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt den Priester als Hirten, Verkünder des Evangeliums und Diener der Sakramente. Was bedeutet es konkret, Priester und Seelsorger zu sein?
Weihbischof Hofer: Diese drei Dimensionen sind nicht unabhängig voneinander zu sehen, sie gehören zusammen. Als Diener der Sakramente bin ich den Menschen besonders an den Wendepunkten ihres Lebens nahe – von der Taufe bis zum Begräbnis. Mir war immer wichtig, Sakramente einfühlsam und ansprechend zu spenden und zu feiern, damit Menschen eine positive Erfahrung mit der Kirche machen. Und natürlich gehören Verkündigung und Hirtendienst untrennbar dazu. Der Priester repräsentiert Christus und ist aus den Menschen genommen und für die Menschen bestellt. Er soll aktiv auf die Menschen zugehen und mit ihnen lachen und weinen – sie spüren lassen, dass er sie mag. Menschen suchen heute Orientierung. Der Priester soll nicht belehren, sondern bezeugen.
RB: Junge Menschen tun sich oft schwer, verbindliche Lebensentscheidungen zu treffen. Was würden Sie jemanden raten, der spürt, dass Gott ihn ruft, der aber noch unsicher ist?
Weihbischof Hofer: Ich würde ihm raten, den Heiligen Geist um Klarheit zu bitten und in sich hineinzuhören: Wohin zieht es mich? Wichtig ist, niemanden zu drängen. Freiheit gehört wesentlich dazu. Geistliche Begleitung oder Exerzitien können helfen. Und ich würde ihm sagen, dass ich seine Fragen im Gebet mittragen möchte.
RB: Sie haben unzählige Begegnungen mit Gläubigen, Suchenden und auch Kirchenfernen erlebt. Wo sehen Sie heute die größten Chancen für die Kirche, Menschen mit der Botschaft Jesu Christi zu erreichen?
Weihbischof Hofer: Vor allem an den Wendepunkten des Lebens: in Krisen, beim Scheitern, beim Tod. Dort spüren Menschen die Zerbrechlichkeit des Lebens und suchen Halt. Sie erwarten nicht die persönliche Meinung des Priesters, sondern die hoffnungsvolle Botschaft Jesu. Gerade dort kann Kirche heute viel bewirken.
RB: Sie sind 1976 gemeinsam mit sechs Mitbrüdern geweiht worden. Heuer sind es erfreulicherweise fünf Weihekandidaten. Was bedeutet das für die Kirche?
Weihbischof Hofer: Es zeigt: Gott ruft auch heute. Und es ist ein Zeichen, dass die Kirche lebt und Menschen anzieht. Diese Männer bezeugen, dass die Hingabe an Gott auch heute glücklich machen kann – und dass es mehr gibt als Genuss und Erfolg. Das ist die Dimension Gottes.
RB: Welche geistlichen, menschlichen und pastoralen Eigenschaften sind für Sie zentral, damit die Neupriester den Menschen glaubwürdig das Evangelium verkünden können?
Weihbischof Hofer: Eine lebendige Christusbeziehung und Treue im geistlichen Leben. Dazu Menschlichkeit, Freundlichkeit und Konsequenz. Bei den pastoralen Eigenschaften denke ich zuallerst ans Zuhören. Jeder Priester soll ein Hörender sein – auf die Menschen und auf Gott hörend. Er soll auch ein glaubwürdiges Vorbild sein und die Freude an Gott spürbar ausstrahlen.
RB: Noch einmal zurück zu Ihrem Goldenen Priesterjubläum. Wie werden Sie feiern?
Weihbischof Hofer: Zunächst am Hochfest Apostel Petrus und Paulus bei der Priesterweihe. Im August bin ich immer zum Urlaub und zur Vertretung des Pfarrers in meiner Heimatgemeinde Stumm im Zillertal. Dort wird es zu Mariä Himmelfahrt und am darauffolgenden Sonntag Festgottesdienste geben. In Salzburg feiere ich am 27. September in Maria Plain.
RB: Wofür sind Sie Gott dankbar, und welche Hoffnung verbinden Sie mit der Zukunft der Kirche?
Weihbischof Hofer: Ich bin Gott dankbar, dass er mich nie fallen gelassen hat. Mein Primizspruch „Gehe nur, wohin ich dich sende, verkünde, was ich dir auftrage, fürchte dich nicht, ich bin bei dir“ (Jer 1,7) hat sich bewahrheitet. Und ich bin dankbar, dass ich die Freude an Gott nie verloren habe – sie ist meine Kraft. Außerdem fühle ich mich in der Kirche wohl. Sie ist für mich keine verstaubte Organisation, sondern ein lebendiger Organismus.
Weihbischof Hansjörg Hofer wurde am 14. April 1952 in Stumm im Zillertal geboren. Nach seiner Priesterweihe am 29. Juni 1976 im Salzburger Dom hat er im Laufe der Jahrzehnte eine Vielzahl von Aufgaben übernommen: vom Sekretär des Erzbischofs bis zum Pfarrer in Mittersill, Hollersbach und Rehhof. Er wirkte lange als Ordinariatskanzler und Generalvikar und ist Mitglied des Domkapitels – derzeit in der Funktion des Dompropsts; zudem ist er Bischofsvikar für den Bereich Seelsorge an Priestern und Berufungspastoral. Am 9. Juli 2017 empfing er im Salzburger Dom seine Bischofsweihe.
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