Joseph von Copertino soll genau das getan haben. Immer wieder. Zeitgenossen berichteten, dass er beim Beten den Boden unter den Füßen verlor und schwebte. Das sorgte für Staunen, zugleich für Skepsis. Joseph selbst suchte keine Aufmerksamkeit. Ruhm und Sensation waren ihm unheimlich. Er wollte einfach nur Gott nahe sein.
Geboren 1603 in Süditalien war Joseph alles andere als ein Überflieger. Lernen fiel ihm schwer, Prüfungen noch mehr. Er galt als zerstreut, langsam und wenig begabt. Umso erstaunlicher ist sein Weg: Selbst für eine Schuster-Lehre hat es bei ihm nicht gereicht. Stattdessen trat er in ein Kloster ein, wo ihm bescheinigt wurde, er sei „zu blöd, um schwarzes von weißem Brot zu unterscheiden“. Nur mit Hilfe seines Onkels gelang es ihm, doch noch den geistlichen Weg einzuschlagen. Er wurde Pries-ter. Von da an wendete sich das Blatt. Bald wurde klar: Joseph besaß Fähigkeiten, die nur wenige hatten, denn er konnte sich gut in Menschen hineinversetzen und ihnen bei Problemen weiterhelfen. Josephs Geschichte zeigt: Auch wenn das Lernen schwerfällt und Zweifel bleiben – niemand muss daran zerbrechen. Manchmal genügt Vertrauen. Vielleicht hebt dann nicht der Körper ab, aber die innere Stärke.
Die Geschichte des heiligen Joseph von Copertino wirkt bis heute und erzählt von einem Menschen, der nicht perfekt war, aber seinen Weg fand. Und sie macht Mut. Vor allem in Italien beten ihn Lernende an und bitten um seine Hilfe. Der Heilige zeigt uns, dass man nie ein Kind aufgeben soll, sondern auf sein verborgenes Talent gespannt sein darf.
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