Das Osterfest ist da. Vielleicht selbstverständlicher als sonst, weil uns so viele andere Dinge bedrücken und belasten. Damit es nicht einfach an uns vorbeiläuft, können wir in diesem Jahr neu die existenzielle Bedeutung dieses Festes für jeden von uns entdecken. Was feiern wir Christinnen und Christen eigentlich? Wir erinnern nicht an einen Verstorbenen, wir vertreten keinen Abwesenden – wir feiern einen neu Gegenwärtigen: Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist. Seine neue Gegenwart überlässt das Osterfest nicht den Geschichtsbüchern, sondern nimmt uns – dich und mich – hinein in das Geheimnis der Heilsgeschichte. Weil er wahrhaftig auferstanden ist, weil er den Tod überwunden hat, dürfen auch wir diese Hoffnung für uns annehmen. Weil er wirklich vom Tod ins Leben gegangen ist, haben wir eine Zukunft in Ewigkeit. Aus dieser Zusage kann ein neues Bewusstsein wachsen – eines, das unsere Haltung verändert und uns anders in unseren Alltag, in unsere Beziehungen und in die Herausforderungen unseres Lebens gehen lässt:
Du bist Ostern, wenn Liebe stärker ist als Rückzug.
Du bist Ostern, wenn Hingabe und Selbstlosigkeit gelingen.
Du bist Ostern, wenn du in deinem Leben nach Gott fragst.
Diese Wirklichkeit kann aufscheinen – weil er auferstanden ist.
Das Bild des Auferstandenen ist auf einem mehrteiligen Flügelaltar des Isenheimer Altars zu bewundern (heute im Musée Unterlinden in Colmar/F). Es stammt vom Renaissance-Künstler Matthias Grünewald (geschaffen zwischen 1512 und 1516). Während der gewöhnlichen Tage blieb der Flügelaltar geschlossen und zeigte unter anderem die Kreuzigung Christi. Zum Osterfest wurde er geöffnet und es war die oben abgebildete Auferstehungsszene zu sehen: Christus erhebt sich aus dem Grab – verklärt, farbenfroh und leuchtend: Jesus, der wahre Gott.
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