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Nach 250 Jahren: ausgeträumt

Andreas G. Weiß: „Donald Trump hat das Amerika der Illusionen nicht zerstört –  er hat es entlarvt.“
Andreas G. Weiß: „Donald Trump hat das Amerika der Illusionen nicht zerstört – er hat es entlarvt.“

Zum 250. Geburtstag der USA legt Andreas G. Weiß, Direktor des Katholischen Bildungswerkes Salzburg, sein Buch „Das Ende eines Traums“ vor. Es ist eine Analyse über ein Land im Umbruch und zeigt auf, warum Donald Trump dabei eher Symptom als Ursache ist.

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Amerika wird 250 und wirkt müde. Während in Washington die Vorbereitungen für ein patriotisches Jubiläum laufen, zeigt sich im Land selbst ein anderes Bild: ein erschöpftes Gemeinwesen, das seinen eigenen Gründungsmythos nicht mehr trägt. Der Theologe, Philosoph und Religionswissenschafter Andreas G. Weiß, der sechs Jahre im „Bible Belt“ im Süden der USA lebte, beschreibt diese Entwicklung als lange vorbereitete Erosion. „Donald Trump ist nicht vom Himmel gefallen. Er ist das Resultat von Entwicklungen der letzten 40 Jahre.“


Weiß liest den American Dream als religiös-politischen Mythos: die Erzählung einer auserwählten Nation, die sich selbst als moralische und wirtschaftliche Leitmacht versteht. Doch seit den 1990er Jahren bröckelt dieses Selbstbild. Die Weltordnung veränderte sich rasant, die Kirchen verloren Millionen Mitglieder, wirtschaftliche Krisen und Terroranschläge erschütterten das nationale Selbstvertrauen. „Der amerikanische Traum ist für viele nicht mehr glaubwürdig“, betont Weiß. Die Selbstgewissheit, „God’s own country“ (etwa: Gottes Heimat) zu sein, sei ins Wanken geraten.


Der Widerstand wächst


In diese Verunsicherung platzte Trump – als Symptom, nicht als Ursache. Dass er 2024 erneut gewählt wurde, erklärt der Autor weniger mit Trumps Stärke als mit der Schwäche seiner Gegner: einer demokratischen Partei, die es versäumte, eine echte Alternative aufzubauen. Gleichzeitig wächst seit der Wahl der Widerstand: zivilgesellschaftlich, republikanisch-intern und religiös. Bemerkenswert sei die Rolle von Leo XIV., dem ersten US-Amerikaner im Papstamt. Er lasse sich nicht in politische Machtspiele hineinziehen, sei aber eine glaubwürdige Gegenfigur zu einem lauten Präsidenten. 


Feiern und zweifeln


Im Zentrum der Analyse von Andreas G. Weiß steht die Erkenntnis, dass der American Dream kein feststehendes Versprechen war, sondern sich stets als Prozess entfaltet hat. Er wurde erweitert, infrage gestellt, neu definiert – geprägt von Bürgerrechtsbewegungen bis zur Einwanderungsgeschichte. Gefährlich werde es erst, wenn eine politische Bewegung (Great Again) behaupte, es habe einmal einen Idealzustand gegeben, zu dem man zurückkehren müsse. Diese Rückwärtsutopie sei die eigentliche Illusion. 


Zum 250. Geburtstag steht das Land damit an einem paradoxen Punkt: Es feiert sich und zweifelt an sich. Weiß sieht darin nicht nur Niedergang, sondern auch Chance. „Am Ende des Traums beginnt vielleicht das Erwachen und mit ihm eine neue Suche nach Bedeutung.“

 

teilnehmen

 

Buchpräsentation von „Das Ende eines Traums“ und Andreas G. Weiß im Gespräch mit Simon Ebner, Generalsekretär der Katholischen Aktion Salzburg: Mi., 8. Juli, 19 Uhr, Kapitelsaal, Kapitelplatz 6, Salzburg 

 

Andreas G. Weiß, Das Ende eines Traums – Donald Trump und der 250. Geburtstag der USA, Patmos Verlag 2026, 176 S., hardcover, 16 €, ISBN 978-3-8436-1642-3.

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Ausgabe 27 | 2026


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