Hiwa Naghshi nimmt den Ehrenbecher des Landes Salzburg für seine „Fotografen-Verdienste“ mit großer Dankbarkeit entgegen. „Es bedeutet mir sehr viel, dass meine Arbeit gesehen wird“, sagt er. „Ich habe das Gefühl, etwas von der Unterstützung zurückgeben zu können, die ich hier erfahren habe.“ Sein Weg nach Salzburg war bestimmt von Flucht, von Neuanfang – und schließlich vom Ankommen. Die Stadt beeindruckte ihn von Beginn an mit Natur, Geschichte und Architektur. „Doch am wichtigsten sind die Menschen. Sie waren es, die mich unterstützten: bei der Wohnungssuche, der Arbeit oder beim Deutschlernen.“ Eine zent-rale Begleiterin war und ist die Theologin Irene Blaschke. „Dank ihr und vielen anderen konnte ich mir ein neues Leben aufbauen.“
Heute arbeitet er als Fotograf in der Erzdiözese und hat im Rupertusblatt bereits zahlreiche Titelbilder und mehr gestaltet. Die Lage seines Arbeitsplatzes mitten in der Altstadt inspiriere ihn für seine freien Fotoprojekte und Ausstellungen, unterstreicht der 48-Jährige.
Naghshis künstlerischer Weg begann früh. Als Kind zeichnete er, später studierte er Malerei, Fotografie und Grafik. Für seine erste (analoge) Kamera habe er sich Geld geliehen. Nach und nach entwickelte er seinen eigenen Stil, der dann auch in der Branche auffiel. Seine fotojournalistischen Arbeiten über Krieg, Kinderarbeit und Armut wurden mehrmals international prämiert, zuletzt mit der „Goldenen Kamera“ der Federation of European Photographers (Vereinigung der Berufsfotografie Europas). „Dass ich Preise für Arbeiten über Kinder im Krieg erhielt, hängt mit meinen eigenen Erfahrungen zusammen.“ Sein Anspruch dabei ist klar: „Meine Fotos sollen die Realität sichtbar machen, die gern übersehen wird.“ Seine Ausstellung im Salzburger Dom vor zwei Jahren richtete genau darauf den Fokus. Ausbeuttung, Armut, Gewalt und deren Opfer: Kinder. „Gleichaltrige aus Salzburg standen damals vor meinen Bildern und konnten kaum glauben, dass solche Lebensumstände existieren.“ Diese Reaktionen seien berührend für ihn gewesen, da er mit seinen Werken und der Fotografie nicht nur abbilden, sondern zum Nachdenken anregen möchte. „Ich wünsche mir, dass demokratische Länder verantwortungsvoll handeln und keine Regime unterstützen, die das Leben von Menschen – vor allem von Kindern und Jugendlichen – gefährden.“
Salzburg hat seinen Blick auf Heimat verändert. „Ich sehe mich als Sohn der Erde“, sagt er. Herkunft sei wie eine Mutter: nicht gewählt, aber prägend. Die spätere Heimat hingegen „wie ein Partner, den man bewusst auswählt“. Den Iran vermisst der Kurde als Land voller Kultur und Herzlichkeit. Den Menschen wünscht er nichts sehnlicher als Freiheit und Demokratie. Für ihn seien Österreich und speziell Salzburg zur neuen, zur zweiten Heimat geworden.
Für seine persönliche Zukunft hat er große Pläne: Er träumt von internationalen Ausstellungen, arbeitet an weiteren Salzburg‑Zyklen und möchte sich wieder mehr der Malerei widmen. Sein zentrales Anliegen bleibt jedoch unverändert: Menschen in ihrer Würde sichtbar machen.

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