
Die Ordensgründerin des Klosters Maria Sorg, oft „Mutter Afrikas“ genannt, rief 1894 die Missionsschwestern vom heiligen Petrus Claver ins Leben und zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der jüngeren Kirchengeschichte Salzburgs. Trotz ihres beeindruckenden Wirkens als Visionärin auf vielen Gebieten blieb sie lange wenig bekannt. Erste Zugänge im Tiroler Teil der Erzdiözese Salzburg eröffnete bereits im Herbst 25 eine Vernissage mit dem Direktor des Katholischen Bildungswerkes Salzburg Andreas G. Weiß beim Frauentreff Kufstein-Sparchen und der Katholischen Frauenbewegung Salzburg – nun folgte die vertiefende Auseinandersetzung vor Ort.
Zentraler Anlaufpunkt war das von Maria Theresia Ledóchowska gegründete Kloster Maria Sorg, ein prägender Ort ihres Wirkens. Dort wurden die Besucherinnen von Oberin Schwester Ursula Lorek und Schwester Janine herzlich empfangen. Bei den Führungen wurden Leben und Spiritualität der Ordensgründerin auf eindrucksvolle Weise greifbar. Originalgegenstände wie ihr Schreibtisch, historische Projektionsgeräte und persönliche Kleidungsstücke ließen ihre Geschichte lebendig werden. Besonders die bewegenden Erzählungen der Schwestern zeichneten ein eindrucksvolles Bild ihres Mutes, ihrer Weitsicht und ihres unermüdlichen Engagements – einer visionären Frau, die ihrer Zeit weit voraus war.
Zu den weiteren Stationen zählten das MTL-Museum, das Missionsmuseum, die Marienkapelle, der Schwesternfriedhof sowie das Wasserkraftwerk des Missionshauses. Das reich ausgestattete Missionsmuseum schlägt dabei den Bogen in die Gegenwart: Exponate aus Lateinamerika, Indien und Ozeanien – darunter Schnitzereien, Schmuck, religiöse Gegenstände und Musikinstrumente – zeugen von der weltweiten Tätigkeit des Ordens. Ein kurzer, von Blumen gesäumter Weg führte zur historischen Marienkapelle, die bereits 1683 errichtet wurde. Mit ihrem schlichten Altarraum und dem Bild der Ährenmadonna ist sie bis heute ein Ort des täglichen Gebets und der Eucharistie. Auch der ruhig auf einem kleinen Hügel gelegene Schwesternfriedhof lud zum Innehalten ein und erinnert an die Anfänge des Ordens. Doch die Eindrücke erschöpften sich nicht im Blick zurück. Zugleich wurde deutlich: Die Herausforderungen, denen sich Ledóchowska widmete, bestehen vielerorts fort. Armut, fehlender Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung prägen noch immer das Leben vieler Menschen.
In Ländern wie Malawi und Tansania engagieren sich die Missionsschwestern weiterhin konkret vor Ort.
Das Kloster präsentierte sich an diesem Frühsommertag in voller Blüte. Gepflegte Gärten und Rosen luden zum Verweilen ein. Heute leben hier acht Schwestern, deren weltweites Engagement – so betonte Oberin Schwester Ursula – aus einer gemeinsamen Quelle schöpft: dem Gebet!
Anschließend führte uns der Weg zur Basilika Maria Plain. Hoch über Salzburg gelegen, eröffnet sich von dort ein weiter Blick auf die Stadt und die umliegende Bergwelt. Der barocke Kirchenraum mit seinem Gnadenbild ist ein wahrer Kunstgenuss und vermittelt eine besondere Atmosphäre der Andacht. Ein berührendes Detail: Auch hier begegnete die Gruppe einem Bild der seligen Maria Theresia Ledóchowska – ein Zeichen ihrer heute lebendigen Präsenz in Salzburg.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen fand der Tag bei Kaffee, Eis und Kuchen im bayerischen Waging einen gemütlichen Ausklang. Im persönlichen Austausch wurde das Erlebte vertieft und reflektiert. Ein herzlicher Dank gilt den Organisatorinnen Claudia Acherer, Leiterin des Frauentreffs Kufstein-Sparchen, und Elisabeth Höpflinger. Mit großem Engagement ermöglichten sie einen Tag voller Eindrücke, Begegnungen und neuer Zugänge zu einer Frau, deren Wirken bis heute nachhallt: Maria Theresia Ledóchowska!