Noch im Februar 2022 hielten viele – auch ich – einen Angriff Russlands für völlig undenkbar. Wer sollte im 21. Jahrhundert einen neuen Krieg beginnen und damit unermessliches Leid auf beiden Seiten verursachen? Ich habe mich geirrt – und die Realität hat uns alle erschüttert.
Besonders entsetzt mich, dass selbst der oberste Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche diesen Angriff gutgeheißen hat. Wenn Glauben und Macht so eng verknüpft werden, geht der Sinn christlicher Botschaft verloren. Leider gibt es auch bei uns Menschen, die dieses Unrecht relativieren oder schweigend hinnehmen. Doch Gleichgültigkeit war noch nie der Weg zu Frieden und Gerechtigkeit.
Ich hoffe und vertraue darauf, dass viele von uns weiterhin versuchen, Leid zu lindern und sich für ein gerechtes, menschenwürdiges Miteinander einzusetzen – im Kleinen wie im Großen. Ja, auch Österreich braucht eine gestärkte, klug durchdachte militärische, zivile und geistige Landesverteidigung. Aber vor allem brauchen wir Herz, Vernunft und den Mut, Böses beim Namen zu nennen.
In unseren Fürbitten beten wir immer wieder um Frieden und um Hilfe für alle, die unter Gewalt und Unterdrückung leiden. Damit dürfen wir niemals aufhören – denn ohne göttliche Hilfe, ohne wahre Menschlichkeit und Mitgefühl wird unsere Welt den Weg aus der Dunkelheit nicht finden.