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Massiv wirkt der gekreuzigte Christus aus gut 200 Kilogramm Linden- und Zirbenholz in Kolleg St. Benedikt der Erzabtei St. Peter. 1926 wurde das neu errichtete Kolleg St. Benedikt eröffnet und der „Kollegchristus“ des jungen Künstlers Jakob Adlhart präsentiert. Der Salzburger Adolf Hahnl hat sich als Biograf des Künstlers Jakob Adlhart auch mit dem „Kollegchristus“ beschäftigt. Er schreibt: „Adlhart gibt dem Korpus eine den Raum sprengende Monumentalität, indem er den gekrümmt hängenden Christus mit einer Körpergröße ausstattet, die, würde dieser aufrecht stehen, den Raum durchstoßen müßte. Der österreichische Expressionismus, der sich selbst als ‚Schrei und Bekenntnis‘ interpretierte, hatte nun in Adlhart einen Plastiker gefunden, der diesen Schrei überzeugend als Gebet formulieren konnte.“
Während des Zweiten Weltkriegs mussten die Mönche die Bildhauerei entfernen, sie schleppten die schwere Figur in die Kreuzkapelle auf dem Petersfriedhof. Dort passte sie zwar nicht hin, überstand aber den Krieg und fand danach wieder an ihren Platz im Kolleg zurück.
Jakob Adlhart wurde am 1. April 1898 als Sohn eines Vergolders in München geboren. Schon in seiner Jugend arbeitete er im Betrieb des Vaters, erst in Südtirol, später in der Werkstatt in Hallein. Gemeinsam mit Clemens Holzmeister setzte er den bekannten Viermaskenblock für das Portal des Salzburger Festspielhauses um. Michael Neureiter/bam
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