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Innsbruck. Für viele Menschen ist 1986 noch sehr präsent und zwar in Form von kontaminierten Böden oder gar unbewohnbaren Regionen. Klare Worte findet zum „Jubiläum“ der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler. Er ist neuer Leiter des Umweltreferats der Österreichischen Bischofskonferenz. Atomkraft sei bedrohlich für die Schöpfung und „keine enkeltaugliche Technologie“, so der Bischof. Glettler zeigte sich zudem besorgt über eine wieder aufkommende Diskussion über Atomenergie. „Die aktuellen Konflikte zeigen auch, dass Atomkraft zum Spielball der Kriegstreiber werden kann, wenn gedroht wird, Atomkraftwerke zur Zielscheibe von Angriffen zu machen.“ Die Folgen solcher Szenarien wären – wie Tschernobyl gezeigt habe – katastrophal, insbesondere für die Zivilbevölkerung in umliegenden Gebieten.
Der Sprecher der katholischen Um-weltbeauftragten, Markus Gerhartinger, verweist zudem auf langfris-tige Kosten und ungelöste Fragen der Atommüll-Endlagerung. „Es mag sein, dass Atomkraft uns in der aktuellen CO2-Bilanz hilft, aber Klimaschutz ist viel mehr als das“, sagte Gerhartinger. Die Entsorgung radioaktiver Abfälle verursache enorme Kosten und sei weiterhin nicht zufriedenstellend gelöst. „Wir schieben damit die Verantwortung und die Kosten auf die kommenden Generationen ab. Das ist für mich keine verantwortungsvolle Klimapolitik.“
In dieselbe Kerbe schlägt Bischof Glettler mit seiner Kritik: „Eine Technologie, deren Risiken und Abfälle über Generationen hinweg wirken, widerspricht dem Auftrag, das Leben zu schützen und das Gemeinwohl zu fördern.“ Tschernobyl bleibe „ein Mahnmal dafür, dass Fortschritt nur mit Verantwortung möglich ist“, so der Bischof. Mit Blick auf Energieverbrauch und Einsparpotenziale ergänzte Gerhartinger: „Die Energie, die wir nicht brauchen, ist die beste Energie.“
kap/ibu
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