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Man hört die Weite der Plätze und die Enge der Gassen

Start zur Altstadtrunde beim Blindentastmodell in der Salzburger Franziskanergasse.
Start zur Altstadtrunde beim Blindentastmodell in der Salzburger Franziskanergasse.

Salzburg anders sehen: Wie blinde und sehbeeinträchtigte Menschen einen Stadtrundgang erleben.

Thomas Manhart

Salzburg. Es ist eine völlig andere Welt, in die wir bei dieser ungewöhnlichen Führung durch Teile der Salzburger Altstadt eintauchen. Allein die Vorstellung, man wäre blind oder sehbeeinträchtigt, scheint die anderen Sinne zu schärfen und die Gruppe nachhaltig für den Alltag jener Menschen zu sensibilisieren, bei denen dies wirklich der Fall ist. So wie bei unserem Stadtführer Peter Weiser vom Blinden- und Sehbehindertenverband, der auf dem Domplatz plötzlich innehält. „Irgendetwas ist heute anders“, sagt der auf die Umgebungsgeräusche achtende Weiser, während er den Blindenstock über den Boden gleiten lässt. Ohne mit eigenen Augen zu sehen, dass seit seinem letzten Besuch die „Jedermann“-Tribüne der Festspiele aufgebaut wurde, bekommt er eine Ahnung von diesem ungewohnten Hindernis. „Dadurch verändert sich auf dem Platz auch die Akustik, mit der sich Sehbehinderte zum Teil orientieren“, beschreibt er der staunenden Gruppe seine Sinneswahrnehmung.

 

Hören, riechen, spüren

 

Mit ähnlichen Eindrücken wird der vom Team Vielfalt der Stadt Salzburg organisierte „inklusive“  Rundgang fortgesetzt. Der Geruch des gebackenen Brotes und das Rauschen der Mühle verraten, dass wir uns St. Peter nähern. „Und man spürt auch die Feuchtigkeit, weil die Mühle das Wasser zerstäubt“, erzählt Weiser. Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, von der Fremdenführerin bis zur Schulklasse, setzen den gemeinsamen Weg fort – und staunen weiter, als es über die Festungs- zur Bierjodlgasse geht. „Achten Sie wieder auf die Akustik. Man hört wie eng die Gasse ist“, bringt Weiser ein weiteres Mal das Gehör als wichtigen Orientierungssinn ins Spiel.

 

Hilfen und Gefahren

 

Orientierungshilfen und Tücken wechseln sich in der Stadt für Sehbeeinträchtigte ab. Gehsteigkanten, Hausmauern und die eigens angebrachten Leitlinien (etwa am Residenzplatz) unterstützen sehbehinderte Menschen beim Spaziergang, doch umgekehrt erschweren Schanigärten, Marktstandln, geparkte Autos und abgestellte Fahrräder oder auch Mistkübel, Postkästen und Straßenschilder die Fortbewegung und sorgen zum Teil sogar für Verletzungsgefahr.

Für uns wäre es einfacher, wenn alle Kreuzungen rechte Winkel hätten.

Der Nachteil einer gewachsenen Stadt: „Für uns wäre es natürlich einfacher, wenn alle Kreuzungen rechte Winkel hätten. Ich weiß noch, wie ich mich einmal im Andräviertel verlaufen habe, weil einige Straßen dort in Viertelkreisen und mit schrägwinkligen Kreuzungen angeordnet sind“, sagt Weiser. 

 

Mit dem Ende der lehrreichen Stadtführung sehen wir Salzburg tatsächlich anders – mit den Sinnen jener Menschen, die es gar nicht sehen.

 

Andrea Brandner, Stadträtin Peter Weiser, Blinden- und Sehbehindertenverband Peter Ebner, Team Vielfalt

Peter Weiser vom Blinden- und Sehbehindertenverband mit Peter Ebner (r.), Behindertenbeauftragter im Team Vielfalt der Stadt Salzburg.

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Ausgabe 29_30 | 2026


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