
RB: Wie blicken Sie als bekennender Fußball-Fan auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko? Was trauen Sie unserem Team zu?
Erzbischof Franz Lackner: Ich bin sehr gespannt. Österreich hat sich ja in der Qualifikation wirklich stark präsentiert – und ich hoffe, dass sie weit kommen. Das Überstehen der Vorrunde solte klar sein, vielleicht geht es sogar bis ins Achtelfinale.
RB: Sie haben einmal das Amt eines Bischofs mit jenem eines Fußballtrainers verglichen. Können Sie das genauer ausführen?
Erzbischof Franz Lackner: Ich glaube, ich habe den lieben Gott mit einem Fußballtrainer verglichen. Der Trainer hat die Idee, er hat den Plan, er weiß, wie es gehen sollte und stellt die Spieler dementsprechend ein. Das wäre höchst erfolgversprechend. Aber: Dann geht das Spiel los und die Spieler spielen drauf los. Sie entdecken die Spielfreude und die Begeisterung und vergessen den Plan. So geht es dem lieben Gott mit uns.
RB: Die Diözesansportgemeinschaft Österreich hat dazu aufgerufen, die WM auch seelsorglich zu nutzen. Sehen Sie da auch Potenzial?
Erzbischof Franz Lackner: Ja, ich halte davon sehr viel, die Fußball-Weltmeisterschaft seelsorglich zu begleiten. Der Glaube ist ja auch so etwas wie ein Fußballspiel. Glauben kann man nicht allein, gewinnen kann man beim Fußball auch nicht allein. Es braucht schöne Spielzüge, aber es braucht dann auch diesen Zug aufs Tor, diese eschatologische (vollendende, Anm.) Pointe auf das Ziel und in das Tor des ewigen Lebens.
Glauben kann man nicht allein und gewinnen kann man beim Fußball auch nicht allein.
RB: Waren Sie in Ihrer Jugend eigentlich selbst ein guter Kicker? Und wann haben Sie das letzte Mal gegen einen Ball getreten?
Erzbischof Franz Lackner: Ich glaube, dass ich ein toller Kicker gewesen wäre. Ich war damals linker Flügel, pfeilschnell, trickreich und habe mit dem linken Fuß geschossen, das war mein starkes Schussbein. Aber durch meine Auslandseinsätze bei der UNO hatte ich nie eine lange durchgehende Trainingszeit – so ist vieles nur in der „Möglichkeit“ geblieben.
Mein letztes kurzes Fußballspiel ist schon einige Zeit her. Ich habe einmal – da war ich schon Salzburger Erzbischof – in Eugendorf in einer Mannschaft mit jungen Leuten mitgespielt. Aber da wollen die Jugendlichen natürlich vor mir zeigen, wie gut sie sind, und ich erwische in meinem Alter keinen Ball mehr.
RB: Nun hoffen alle österreichischen Fußballfans auf eine gute Weltmeisterschaft unseres Nationalteams. Was raten Sie den ÖFB-Kickern und den Fans, um im Falle des Erfolgs auf dem Boden zu bleiben?
Erzbischof Franz Lackner: Naja, als geborener Fußballfan halte ich das „am Boden bleiben“ für irreal. So reagiert der Fußballfan nicht. Da werden wir schweben.
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