Attraktiv und erfolgreich, wer will das nicht sein? Oder etwas volkstümlicher ausgedrückt: Reiche und Schöne prägen die Öffentlichkeit, die Medien und die Kultur – und das Mantra von Effizienzsteigerung und Verbesserung ist allgegenwärtig. Im vergangenen Jahrhundert schrieb der Philosoph Martin Buber den Satz „Erfolg ist keiner der Namen Gottes“. Allerdings ist auch Erfolglosigkeit oder Misserfolg nicht wirklich erstrebenswert. Jeder wünscht sich ein gelingendes Leben. Doch an welchen Kriterien bemisst man für sich dieses „Gelingen“, welche davon liegen auf einer ganz anderen Ebene als zähl- oder messbare Fakten? Und welche Bedeutung gibt unsere heutige Gesellschaft der „Schönheit“ für Gelingen, Glück und Erfolg?
Welche Bedeutung gibt unsere heutige Gesellschaft der Schönheit für Gelingen, Glück und Erfolg?
Schon im Alten Testament wird der Mensch als „wunderbar gestaltet“ beschrieben (Ps 139) und gilt als Ebenbild Gottes. Dabei geht es weniger um die „äußere“, als um die „innere“ Schönheit, bei der Tugenden und Würde im Vordergrund stehen und diese sich in Eigenschaften wie Freundlichkeit, Demut und Barmherzigkeit ausdrücken.
Wir wissen, dass äußerliche Kriterien wie Symmetrie, glatte Haut oder große Augen in der Wahrnehmung von Menschen eine große Rolle spielen – und dass der erste (äußerliche) Eindruck eines Menschen automatisch auf weitere persönliche Eigenschaften übertragen wird. „Attraktive Menschen genießen oft soziale Vorteile“, stellt die KI auf Anfrage fest, und nennt das „Halo-Effekt“. Es ist also kein Wunder, wenn im Film, in der Werbung und in den Sozialen Medien auf Schönheit und auf schöne Menschen gesetzt wird, denn das äußere Erscheinungsbild beeinflusst wesentlich, wie Produkte, Angebote und Leistungen bewertet werden.
Dieser Effekt findet sich sogar bei bestimmten religiösen Gemeinschaften. Wir kennen zum Beispiel evangelikale Gruppierungen, wo äußere Schönheit kombiniert mit wirtschaftlichem Erfolg als Nachweis für die Auserwählung und für Gottes Liebe, die auf diesen Menschen liegt, gedeutet wird. In diesem Kontext werden auch großzügige Spenden der Gläubigen als konkreter Ausdruck der persönlichen Glaubensstärke gesehen.
Auf der anderen Seite gibt es religiöse Gruppen, in denen die äußere Schönheit sehr skeptisch gesehen wird und Mitglieder strengen Kleidungsvorschriften unterworfen sind – oder wo Zeit für Körperpflege als unnötiger Luxus gebrandmarkt wird. Die gängigen Schönheitsideale auf den Kopf zu stellen, kann außerdem als Protest gegen die herrschenden Gesellschaftsstrukturen eingesetzt werden; am markantesten erlebte man das wohl bei den Punks, die bewusst mit extremen Frisuren, Piercings und Metall-Accessoires auffielen.
Als Christin und Christ gilt es, die Gratwanderung zwischen Eitelkeit und Einfachheit zu bewältigen und jedem Menschen die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen – egal ob er mir optisch gefällt oder nicht.

Meinrad Föger ist Pastoralassistent und Fachberater für Weltanschauungsfragen in der Erzdiözese Salzburg.
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