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Sensibilisieren statt moralisieren

Diskriminierung und Rassismus zählen für zu viele Menschen zu den Alltagserfahrungen. Als wichtigste Gegenmaßnahme sieht Selina Oberortner von der Antidiskriminierungsstelle der Stadt Salzburg nach wie vor das Aufeinanderzugehen und Reden. Nur so werde in der Gesellschaft ein Bewusstsein geschaffen.

Thomas Manhart

Salzburg. Wo beginnt Diskriminierung, wo Rassismus?  Für Selina Oberortner ist die Antwort relativ klar. „Überall wo Menschen anfangen, sich unwohl zu fühlen, weil sie beleidigt, ausgegrenzt oder herabgewürdigt werden. Wenn die Würde von jemandem verletzt wird, sind wir im Bereich der Diskriminierung, und sofern es auch mit der Ethnie zusammenhängt, sind wir beim Rassismus“, sagt die Expertin der Salzburger Antidiskriminierungsstelle. Neben eindeutigen Gesetzesverstößen und gesellschaftlichen Normen spiele also auch das subjektive Empfinden eine wichtige Rolle. „Was der eine mit einem Schulterzucken abtut, kann den anderen tief treffen. Es ist also sehr unterschiedlich, was für mich persönlich diskriminierend ist oder nicht.“

 

Nicht böse gemeint?

 

Das sei auch jener Punkt, an dem man im Dialog ansetzen könne. Indem man mit Menschen darüber spricht, dass Aussagen auch verletzend sein können, wenn sie gar nicht böse gemeint sind. „Unser Ziel in Workshops ist es nicht, zu moralisieren, sondern die Menschen ein bisschen zu sensibilisieren. Dass man sich nicht zu schell andere Meinungen aneignet, sondern diese erst überprüft und sich Gedanken darüber macht. Dass etwas vom Sprecher oft ganz anders gesehen wird, als es beim Empfänger ankommt. Viele haben auch Rassismus nie selbst erlebt, daher ist es etwas Abstraktes, das den Menschen näher gebracht werden sollte. Es gibt viel, worüber  man reden muss, daher bin ich ein großer Fan von offenem Dialog und Austausch“, sagt Oberortner.

 

Ablehnung des „Fremden“

 

Ein Blick in wissenschaftliche Abhandlungen bestätigt: Die Ablehnung von „Fremdem“ und Rassismus gab es zwar schon in der Antike und im Mittelalter, also lange vor kolonialen Zeiten, doch der Kolonialismus  hat das Phänomen massiv verstärkt. Vor diesem Hintergrund werden Vorurteile bis in die Gegenwart „legitimiert und weitergeführt“, beobachtet die Antidiskriminierungsbeauftragte: „Die meisten Fälle, die uns gemeldet werden, betreffen tatsächlich die ethnische Zugehörigkeit.“  

 

Von Rassismus in der Öffentlichkeit Betroffene zu unterstützen oder Menschen nach diskriminierenden Aussagen darauf anzusprechen, erfordert Zivilcourage. Es sei aber – unter Berücksichtigung des Selbstschiutzes – ein wichtiges Signal, so Oberortner, vor allem im Bekannten- und Familienkreis. Auch die Rolle der Kirche habe Gewicht: „Sie ist eine große Einrichtung, die sehr viele Menschen gut begleitet und Richtung schenkt.  Wenn die Kirche eine offene Grundhaltung für andere Kulturen, Religionen und dergleichen aktiv lebt und vorzeigt, hat das auch eine gute Auswirkung auf die Menschen.“

 

 

wissenswert

 

Unter dem Motto „Weltkirche postkolonial“ veranstaltete das Referat Weltkirche des Seelsorgeamts der Erzdiözese Salzburg ein Seminar zu neuen Perspektiven der weltkirchlichen Zusammenarbeit. In drei Foren wurden die Themen Rassismus (mit Selina Oberortner), koloniales Salzburg und Bildungsarbeit erörtert.

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Ausgabe 13 |2026


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