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Ein warmer Platz gegen die Kälte

Biwak-Helferin Julia Wagner (r.) nimmt beim „Check-in“ die Daten auf.
Biwak-Helferin Julia Wagner (r.) nimmt beim „Check-in“ die Daten auf.

Wenn die Temperaturen fallen und die städtischen Notschlafstellen an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt sind, ist die Salzburger Initiative „Biwak“ für viele Obdachlose die letzte Hoffnung. 

Thomas Manhart

Salzburg. Es ist Donnerstagabend und nicht nur die Temperaturen haben den Gefrierpunkt erreicht. Auch eine soziale Kälte macht sich wieder zunehmend in der Gesellschaft breit. Dagegen wehren sich empathische Initiativen wie das „Biwak“, das in der kalten Jahreszeit warme Plätze für Obdachlose in kirchlichen Räumen zur Verfügung stellt und damit die Engpässe in den „offiziellen“ Salzburger Notschlafstellen ausgleicht. So wie aktuell wieder in der Stadtpfarre St. Elisabeth in Itzling.

 

Geöffnet wird um 22 Uhr. Die Helferinnen und Helfer des „Biwak“ treffen bereits vorher ein, decken zum Schutz den Boden des Pfarrsaals mit einer großen Plane ab, bereiten Eimer für ein wärmendes Fußbad für die Obdachlosen vor und setzen das Wasser für den Begrüßungstee auf. Dann geht es los. Julia Wagner nimmt als eine Art Check-in die Namen und Geburtsdaten der Eintreffenden auf – auch damit öffentliche Stellen über das tatsächliche Ausmaß der Not informiert werden können. Als langjährige Mitarbeiterin im sozialen Bereich, die sich auch bei „ArMut teilen“ engagiert, kennt sie schon viele der Obdachlosen mit Namen. Ihr Credo: „Ich will meinen Teil dazu beitragen und nicht nur im Warmen sitzen, wenn andere in der Kälte frieren.“

 

Erwin darf hoffen

 

Während sich einige gleich mit Schlafsack oder Decke zu ihrem Platz begeben, trinkt der 61-jährige Erwin (im Bild oben) noch einen Tee und erzählt von seinem Leidensweg. Seit 1998 lebt er immer wieder auf der Straße – und seine Geschichte ähnelt vielen anderen: die Arbeit verloren, Kontrolltermine übersehen, Arbeitslosengeld gestrichen, die Miete nicht mehr gezahlt und dadurch die Wohnung verloren. Zuletzt fand er beim Bahnhof Salzburg-Aigen einen trockenen Platz, doch andere Obdachlose „trieben Schindluder“, wie er erzählt, „also haben sie uns rausgeschmissen“. Aktuell ist er dennoch guter Dinge, denn seine Zeit ohne Wohnsitz könnte bald vorbei sein: „Ich habe einen Platz im Seniorenheim bekommen und soll nächste Woche einziehen.“

 

Was die Unterstützer des „Biwak“  motiviert? „Ein Nachbar fragte mich und da ich in Pension bin und Zeit habe, helfe ich seit fünf, sechs Jahren mit“, sagt Pfarrmitglied Peter Spindler. Neu mit im Helferteam ist Marcel Singhal, Sprecher der Salzburger Armutskonferenz (im Bild oben). „Das Biwak schließt als Initiative aus der Zivilgesellschaft und mit Unterstützung der Kirche eine Versorgungslücke, die eigentlich in der Verantwortung von Stadt und Land liegt. Jeder Mensch soll das Recht haben, in Würde zu leben und drinnen zu schlafen“, betont er.

 

„Wollen niemanden wegschicken“

 

Der Bedarf trifft längst nicht mehr „nur“ die Roma-Familien, bestätigt „Biwak“-Mitinitiator und KHG-Pastoralassistent Günther Jäger (im Bild). Auch inhaltlich steige die Herausforderung: „Zum Teil kommen Drogensüchtige und Alkoholkranke, die anderswo Hausverbot haben. Wir sind da weniger strikt und wollen niemanden wegschicken. Nur in Extremfällen – etwa bei Gewalt im Spiel – müssen auch wir die Aufnahme ablehnen.“

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