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Fasten bedeutet, mit Routinen zu brechen

Maximilian Kurz-Thurn-Goldenstein  ist Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision in Salzburg-Nonntal. Mehr unter: praxisgoldenstein.at
Maximilian Kurz-Thurn-Goldenstein ist Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision in Salzburg-Nonntal. Mehr unter: praxisgoldenstein.at

Weniger jammern, weniger meckern, mehr Wertschätzung gegenüber anderen und sich selbst – auch so kann die Fastenzeit aussehen. Ein weiterer Ansatz: Dauerstress reduzieren. „Wir müssen nicht alles aushalten“, lautet der Tipp des Experten. 

Trisha Rufinatscha, Thomas Manhart

RB: Die Menschen möchten in der bevorstehenden Fastenzeit auf die verschiedensten Dinge verzichten, einige auch auf das ständige Jammern. Wie ist Ihre psychotherapeutische Sicht auf diesen Vorsatz?

Kurz-Thurn-Goldenstein: Kritik ist grundsätzlich etwas Gutes, aber nicht das Vor-sich-hin-Meckern als fixer Bestandteil des Tages, so wie man morgens den Kaffee trinkt. Verzichtet man in der Fastenzeit bewusst darauf, bemerkt man oft erst, wie automatisch das abläuft. Eine Pause vom Jammern kann zeigen, ob uns die kritisierten Themen überhaupt wichtig sind – oder ob es nicht eher eine Routine geworden ist. Berechtigte Kritik oder Dauerjammern? Das eine vom anderen auseinanderzuhalten, ist im Alltag genau das Schwierige.

 

RB: Was gewinnen wir durch diese differenziertere Betrachung? 
Kurz-Thurn-Goldenstein: Einen gewissen Freiraum. Ich gewinne Zeit und Aufmerksamkeit, die ich anderen Dingen widmen kann. Themen, die mich wirklich interessieren und etwas angehen. Mit der Routine des Jammerns zu brechen, ist nicht immer leicht, aber eine schöne Herausforderung für die Fastenzeit.

Stört mich das Thema wirklich, oder jammere ich einfach im Chor mit?

RB: Sollte man dann sicherheitshalber gar nichts mehr kritisieren?
Kurz-Thurn-Goldenstein: Nein, denn wenn man jede Kritik runterschluckt, unterdrückt das Gefühle und Emotionen. Man soll jammern und jubeln, weinen und lachen – und das auch in der Fastenzeit. Gefühle sind keine Luxusartikel, sondern Grundbausteine unseres Lebens. Darauf zu verzichten, ist für die Gesundheit nicht förderlich. Aber man sollte sich einen Moment nehmen, um zu reflektieren: Sind das echte Gefühlsäußerungen oder  ein Programm aus Routinehandlungen? Stört mich das Thema wirklich oder jammere ich einfach im Chor mit?

 

RB: Geht es dabei auch um gegenseitige Wertschätzung? 
Kurz-Thurn-Goldenstein: Viele Menschen sind ganz schnelle, ganz strenge Richter – nicht nur gegenüber anderen, sondern auch bei sich selbst. Wenn man aber so schnell ins Bewerten kommt, dann färbt das unser ganzes Leben, unser ganzes Denken – wie wir die Welt sehen. Die Fastenzeit bietet sich an, hier etwas Geschwindigkeit rauszunehmen und mehr zu reflektieren: einen gewissen Verzicht auf das negative Denken.

 

RB: Job, Familie, Verpflichtungen – viele stehen unter Dauerstress. Wie kann die Fastenzeit helfen, seelisch widerstandsfähiger zu werden?
Kurz-Thurn-Goldenstein: Thema sollte nicht noch mehr Resilienz, noch mehr Selbstoptimierung sein, sondern zu erkennen, dass wir nicht alles aushalten müssen. Mir kommt dabei das Bild einer Bergsteigerin in den Sinn. Auf dem Weg zum Gipfel merkt sie zunächst  nicht, wie schwer ihr Rucksack ist. Doch irgendwann zwingt sie der Körper, eine Pause zu machen. Wie im Leben spürt sie, wie stressig und belastend vieles ist. In dieser Einsicht liegt die Chance, in seinen „Rucksack“ zu schauen und sich zu fragen: Brauche ich das wirklich noch alles? Wie gesagt: Man muss nicht alles aushalten. Man darf sich Unterstützung holen: von der Familie, im Freundeskreis oder auch professionelle psychologische Hilfe, die mein Leben aus einer neutralen Vogelperspektive betrachtet. Dieser Prozess ist nötig, damit mein Rucksack wieder leichter wird.

 

Fastenschwerpunkt im Blog „Salz & Licht“ der Erzdiözese Salzburg

 

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