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Salzburger. Prominentester Redner der Österreichischen Pastoraltagung in Salzburg war der aus London stammende Theologe, Dominikaner und Exerzitienmeister des weltweiten Synodalen Prozesses Kardinal Timothy Radcliffe. Als er sich beim Frage-und-Antwort-Teil zur zukünftigen Rolle der Frau in der katholischen Kirche äußerte, brandete sogar spontaner Applaus auf. „Wir müssen anerkennen, dass es viele Arten von Autorität gib. Zu denken, Priester wären die einzige Autorität, wäre Klerikalismus. Wir brauchen die Stimmen von Frauen predigend in unserer Kirche. Deshalb bin ich persönlich für die Diakoninnenweihe von Frauen“, sagte Radcliffe und brachte ein Beispiel aus seiner Heimat: „Was wir schon jetzt immer mehr in der Kirche sehen, ist die Autorität von Frauen in der Lehre. Als wir die Britische Theologische Gesellschaft gründeten, waren wir nur Männer. Heute sind die Hälfte der katholischen Theologinnen und Theologen in Großbritannien Frauen.“
So wie der Kardinal insgesamt für eine offene dialogische Kirche wirbt, antwortete er zum Thema Verwundbarkeit auch auf die Frage, wie man Menschen, die Schmerzen leiden, über den Satz „Gott ist bei dir“ hinaus Trost und Hoffnung spenden kann: „Man geht in solchen Situationen nie in den Raum und weiß, was man sagen soll. Jesus sagt: ,Was du sagen sollst, wird dir in diesem Moment gegeben.‘ Also muss ich, wenn ich in ein Krankenhaus oder zu jemandem mit großen Schmerzen gehe, einen offenen Geist haben. Denn was ich sagen soll, werde ich mit ihm zusammen entdecken. Es ist ein gemeinsames Unterwegssein.“
Kritische Worte fand der Ordensmann zur aktuellen Migrationsdebatte. Der Fremde werde nicht mehr als Person wahrgenommen, sondern als Zerstörer lokaler Identitäten gefürchtet. „Sie wissen, dass ich existiere, aber sie sehen mich nicht“, zitierte er den Bildtext unter einem Foto eines Straßenkindes in Lima. Die Einwanderung sei für ihn gegenwärtig „das heißeste politische Thema im Westen“.
mig/tom/kap
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