Eine schwangere Frau kam zu uns, weil ihr in einer ohnehin prekären Situation auch noch der Strom abgedreht wurde. Für eine kurze Zeit konnte sie bei Verwandten wohnen, doch das war keine Dauerlösung“, erzählt Franziska Wessely, Geschäftsführerin der aktion leben. Über den „Fonds für Eltern in Not“ konnte die Stromrechnung abgedeckt werden. Ihre Ängste und die seelische Not ließen sie jedoch zweifeln, das Kind auf die Welt zu bringen. Doch durch die Beratung und das Aufzeigen von Perspektiven erkannte sie, ihre Lage ist nicht hoffnungslos. „Kürzlich war sie wieder bei uns und weinte vor Erleichterung, als ich ihr Babykleidung schenkte. Endlich kann sie sich auf ihr Kind freuen.“
Ohne den Fonds fehlt ein nachhaltiger und dauerhafter Anker für dringend benötigte Unterstützung.
„Inzwischen sind es nicht nur Menschen, die ohnehin am Limit leben, die zu uns kommen. Auch Familien und Alleinerziehende aus dem so genannten Mittelstand sind durch die hohen Lebenshaltungskosten in einer wirtschaftlich schwierigen Lage“, weiß Franziska Wessely. Die Kosten fürs Wohnen, für Strom und Lebensmittel seien gestiegen. Zudem verlange die Schule den Eltern immer mehr materielle Ressourcen ab. Ausflüge, Bücher, Laptops und medizinische Bedürfnisse wie Zahnspangen oder Brillen seien für Familien oft nicht mehr leistbar. „Selbst wenn beide Eltern arbeiten gehen, wird es knapp. Dazu kommt, dass das Gehalt der Frau meist wieder in die Kinderbetreuung fließt.
Auch könne der gesellschaftliche Druck in eine Not führen. „Oft haben Eltern die Erwartung an sich, allem gerecht werden zu müssen, damit das Kind nicht leidet.“
Ebenso sind es Trennungen, Krankheiten, Arbeitsverlust, die eine finanzielle Situation derart verschärfen, dass die alltäglichen Grundbedürfnisse kaum oder nicht mehr abgedeckt sind.
Kein Fall ist hoffnungslos: Franziska Wessely, Geschäftsführerin aktion leben.

Der Fonds stehe in Fällen zur Verfügung, wenn die elementaren Dinge fehlen. „Es darf oder soll nicht sein, dass eine Familie in Salzburg Angst hat, dass sie auf der Straße leben muss, weil sie die Kaution nicht bezahlen oder die Miete durch einen Schicksalsschlag nicht aufbringen kann. Es darf nicht sein, dass gerade an Weihnachten nichts mehr zum Essen da ist. Wir haben Familien, die sich von Mehl und Wasser ernährten“, berichtet Franziska Wessely. Die zuständige Koordinatorin des Referates für Lebensschutz, Camilla Tüchler weiß: „Der Fonds, der seit 2006 besteht, wird um ein Vielfaches mehr angefragt und droht in absehbarer Zeit leer zu werden.“
Gerhard Viehhauser, Bischofsvikar und Vorsitzender des "Fonds für Eltern in Not"

Der „Fonds für Eltern in Not“ ist eine Einrichtung der Erzdiözese Salzburg, die Frauen und Männern hilft, wenn sie durch Schwangerschaft oder Geburt in Not geraten sind. Unbürokratisch und schnell unterstützt der Fonds etwa bei Arzt- oder Krankenhausrechnungen oder bei der Stabilisierung der Wohnsituation. Damit der Fonds nachhaltig und dauerhaft helfen kann, braucht es neben den Mitteln der Erzdiözese Salzburg auch private Spenden.
Hilfsfonds für Eltern in Not
IBAN: AT 80 3500 0000 0004 9700
BIC: RVSAAT2S
Verwendungszweck:
Hilfsfonds Eltern in Not 3471780
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