Die Zeit brachte veränderte Lebensrealitäten für Familien mit sich, aber eines hat sich in den 50 Jahren nie verändert: „Der Bedarf nach einem Ort, an dem offen gesprochen werden kann ist geblieben“, bringt es Leiterin Susanne Savel-Damm auf den Punkt. Sie freute sich mit ihrem Team über zahlreiche Wegbegleiter, Netzwerkpartnerinnen und Ehrengäste wie Erzbischof Franz Lackner, Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, Landesrat Wolfgang Fürweger und Landtagsabgeordnete Martina Berthold. Unter dem Motto „Burn on statt Burn out“ blickte die „Geburtstagsrunde“ bei einem Frühstück in St. Virgil gemeinsam zurück. Das Jubiläum zeigte eindrucksvoll, wie sehr die Paar‑ und Familienberatung in Salzburg gewachsen ist – und wie klar sie ihren Auftrag auch in Zukunft versteht.
Erzbischof Franz Lackner würdigte die Bedeutung der Beratungsarbeit und verwies auf die Komplexität von Beziehungen und die Folgen. „Deshalb muss es uns als Kirche ein Anliegen sein, früh zu beraten und zu unterstützen.“ Beziehung sei ein Kernauftrag der Kirche – und damit die professionelle Begleitung von Menschen in Krisen.
Ein zentraler Moment der Feier war die Bekanntgabe einer Namensänderung. Aus der bisherigen Partner‑ und Familienberatung wird die Paar‑ und Familienberatung. „Wir geben nicht vor wie Menschen leben sollen, sondern unterstützen sie dabei, den eigenen Lebensweg zu finden und zu gehen“, betonte Savel-Damm. Der neue Name mache noch deutlicher, worum es inhaltlich gehe: um Beziehungen in all ihren Formen – zwischen Paaren, Eltern und Kindern und genauso um die Beziehung eines Menschen zu sich selbst.
Susanne Savel‑Damm erinnerte an die Anfänge der Einrichtung: „Ein 50. Geburtstag ist ein guter Moment, um zurückzuschauen auf Menschen, die mutig etwas aufgebaut haben.“ In den 1970er‑Jahren seien österreichweit kirchliche Beratungsstellen entstanden, getragen von staatlicher Förderung und kirchlichem Engagement.
Wir sind für jeden Menschen da, der zu uns kommt.
Dieses Modell trage bis heute. Gleichzeitig betonte die Ehe-, Familien- und Lebensberaterin die Weiterentwicklung der Angebote: psychosoziale und rechtliche Beratung, Onlineformate, Opferschutz, Begleitung in Trennungssituationen sowie Beratungen an Bezirksgerichten.
Familien seien mit anderen Bedingungen konfrontiert als noch vor einigen Jahrzehnten. Erziehung ist weniger von festen Rollen und Normen geprägt, dafür oft von hohen Erwartungen begleitet – an Eltern wie an Kinder: Leistungsdruck, schulische Anforderungen und soziale Vergleiche belasten im Alltag. „Wir sind für jeden Menschen da, der zu uns kommt – mit den Geschichten, die sie mitbringen. Egal ob Einzelperson, Paar oder Familie: Jeder ist bei uns willkommen.“
Was sich ebenfalls verändert hat: Es kommen mittlerweile deutlich mehr Männer. Das Bewusstsein dafür, dass Verantwortung für Beziehung und Familie stärker geteilt werden soll, ist gewachsen. „Beratung wird als gemeinsamer Prozess verstanden. Und die Menschen wissen, wo sie sich Hilfe holen können, denn die Sicht auf Beratung hat sich verändert“, so die stellvertretende Leiterin Doris Lindner.
Die Gratulationen zum 50‑Jahr-Jubiläum fielen klar und wertschätzend aus. Die Salzburger Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf betonte die gesellschaftliche Relevanz: „Beziehungsarbeit ist kein Randthema, sondern ein Fundament unserer Gemeinschaft.“ Sie hob hervor, dass professionelle Beratung heute wichtiger sei denn je, weil familiäre Belastungen und Konflikte zunehmen. Ausführlich würdigte Seelsorgeamtsleiterin Lucia Greiner die Arbeit der Beratungsstelle und ihre Entwicklung. „Seit 50 Jahren begleitet diese Einrichtung Menschen durch schwierige Lebenssituationen – verlässlich, kompetent und mit großem Herzen.“ Die Beratungsstelle habe sich stets weiterentwickelt, ohne ihren Kernauftrag zu verlieren: Menschen in Krisen zu stärken und Beziehungen zu stabilisieren.
Im Bild: Erzbischof Franz Lackner mit Doris Lindner (l.) – sie übernimmt von Susanne Savel-Damm (r.) die Leitung der Beratungsstellen. Savel-Damm leitet weiterhin den Fachbereich „Beraten und Begleiten“ im Seelsorgeamt.
wissenswert
Manchmal gerät das Leben aus dem Gleichgewicht. Bei der Paar- und Famililenberatung der Erzdiözese finden Menschen jeden Alters ein offenes Ohr und professionelle Begleitung –vertraulich, respektvoll und kostenlos in ganz Salzburg. Die Standorte: Salzburg Stadt, Zell am See, Tamsweg, St. Johann im Pongau, St. Michael im Lungau.
Die Beratung findet nach Terminvereinbarung an einem dieser Orte oder online statt. Im Jahr 2025 führte das Team (darunter Psychotherapeutinnen, Ehe- und Familienberater, Psychologinnen, Juristen) rund um Susanne Savel-Damm und Doris Lindner 7.731 Beratungen durch und begleitete 3.111 Klientinnen und Klienten.

Zum 50. Geburtstag ein neuer Name und eine neue Homepage. Den gesellschaftlichen Veränderungen und neuen Familienformen hat sich die Beratungsstelle stets angepasst – das zeigt sich nun auch im Namen. Die bisherige Partner- und Familienberatung heißt jetzt „Paar- und Familienberatung“.
Alle Infos zu den Beratungen, den Standorten, Terminvereinbarung und vieles mehr findet sich auf der neu gestalteten Internetseite:
www.familienberatung-sbg.at
Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern notwendig
Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern die notwendige Grundlage, um in sozialen Berufen gesund und handlungsfähig zu bleiben. Nicht zufällig hat die Paar- und Familienberatung (früher Partner- und Familienberatung) ihre Geburtstagsfeier zum 50er oder besser gesagt den Festvortrag von Eva Barnewitz dem Motto „Burn on statt Burn out“ gewidmet. Die Expertin hielt unmissverständlich fest: Wer täglich Beziehung gestaltet, Verantwortung trägt und emotional gefordert ist, bewegt sich schnell im Funktionsmodus. Die Grenzen weichen auf, Überstunden häufen sich, und irgendwann „reichen die Ressourcen nicht mehr“. Burnout entstehe leise. Anzeichen seien körperliche Erschöpfung, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, der Verlust von Empathie. Als besonders tückisch bezeichnet die Vortragende innere Antreiber und Formulierungen wie „sei stark“ oder „mach es allen recht“, die viele Fachkräfte antreiben – und gleichzeitig ausbrennen lassen.
Eva Barnewitz erinnerte daran, wie wichtig es ist, innezuhalten. Ein Seufzer, ein kurzer Moment der Selbstwahrnehmung: „Nehmen Sie sich diesen Moment – hier und im Alltag. Das ist Burnout-Prophylaxe.“ Zent-ral sei zudem das Toleranzfenster: „Nur wer seine eigene Erregungszone kennt und schützt, kann stabil bleiben.“ Stress lasse sich nicht vermeiden, aber regulieren – durch Grenzen, Pausen, Rituale und die Fähigkeit, den eigenen Körper ernst zu nehmen. Selbstfürsorge bedeute auch, sich Orte zu schaffen, an denen man einfach sein darf, nicht funktionieren muss. Gleichzeitig betonte die Psychologin und Traumatherapeutin die Bedeutung des „Wir“. Supervision, ehrliche Teamgespräche, Wertschätzung und faire Rahmenbedingungen seien ebenso entscheidend wie individuelle Strategien.
Zusammenfassend: Selbstfürsorge ist kein Egoismus, sondern eine professionelle Haltung – und sie gelingt nie allein. Am Ende steht die Einladung, mutig zu bleiben, und zwar im Kontakt mit sich selbst, mit Kolleginnen und Kollegen, mit den Menschen, die man begleitet. „Denn nur wer sich selbst sieht, kann andere wirklich sehen.“
Den Festvortrag hielt Eva Barnewitz M.Sc. ist Psychologin und Traumatherapeutin (Systemische Therapie).
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