
Salzburg. Thomas S. steht vor einer schwierigen Entscheidung: Arbeit oder Familie? Der 32-jährige Diplomingenieur ist seit vier Jahren verheiratet. In der Zukunftsplanung sind sich seine Frau und er einig, dass sie eine Familie wollen. Aber was bedeutet es für das Haushaltseinkommen, wenn er dann den Papamonat und später Väterkarenz in Anspruch nehmen möchte? Einerseits sieht Thomas den Mehrwert durch eine tiefere Bindung zu den Kindern, andererseits ist damit zu rechnen, dass er zuerst finanzielle und später berufliche Nachteile in Kauf nehmen muss.
Hin- und hergerissen, sucht er Hilfe bei der Beratung des „Männerbüros Salzburg“. In den Gesprächen werden Szenarien durchbesprochen und analysiert. Zu den vielen rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen tauchen auch emotionale Themen auf. Was bedeutet das für unsere Paar-Beziehung? Was heißt das für meine Frau und wie fühlen sich die verschiedenen Optionen an? Thomas kommt schließlich zum Schluss, dass er, wahrscheinlich aufgrund seiner guten Ausbildung, die Karriereleiter auch zu einem späteren Zeitpunkt erklimmen kann.
„Er hat erkannt, dass Reden hilft. Ihm ist klar geworden, dass er das Problem nicht allein lösen muss“, sagt Rainer Konderla, Leiter der Männerberatung und erklärt: „Das dahinterliegende Thema ist meist eine mangelhafte Selbstfürsorge. Das führt zu Stress und ist ein wichtiges Thema im Kontext der Männergesundheit. Was kann ich tun, um das Problem so zu lösen, dass ich dabei nicht ausbrenne und gleichzeitig die Bedürfnisse meiner Familie nicht auf der Strecke bleiben? In unserer Beratung geht es ums Zuhören und ums richtige Hinterfragen, um Lösungen zu finden.“
Immer mehr Männer würden Hilfe bei der Beratungsstelle suchen. Dabei geht es meist um eine Unzufriedenheit in beruflichen und privaten Partnerschaften. „Männern wurde beigebracht, stark zu sein und Probleme selbst zu lösen. Das verändert sich gerade. Männer sind jetzt häufiger bereit, sich mit ihren Themen und Krisen auseinander zu setzen und dafür Beratung in Anspruch zu nehmen.“ Sich auszusprechen, Gefühle wahr- und ernstzunehmen, gemeinsam Lösungen zu finden, bringt eine Verbesserung der Lebensqualität mit sich. Schließlich gehe es in den Gesprächen dann häufig um Persönlichkeitsentwicklung und Selbstfürsorge, meint Konderla.
Wenn es mir gut geht, geht es auch den anderen gut.
Zur Selbstfürsorge der Männer gehöre nicht nur gesunde Ernährung und regelmäßige Fitness, sondern auch eine achtsame Kommunikation. „Wenn es mir gut geht, geht es auch den anderen gut.“ Wenn Männer verstehen, dass es nicht ums Gewinnen und Verlieren geht, dass gemeinsame Lösungen die besseren Lösungen sind, profitieren nicht nur sie selbst, sondern ihr gesamtes Umfeld.
Andernfalls würden oft selbstschädigende Stressbewältigungsmechanismen wie Süchte, schlechte Ernährung und im schlimmsten Fall – als akute Stresskrise – Gewaltausbrüche die Folge sein. Empathisch zu sein, sei ein schrittweiser Lernprozess, der Übung brauche. „Dieses Erleben bringt einen spürbaren Mehrwert im Leben, auch wenn es manchmal ein langer Weg bis dorthin ist. Werden die inneren Widerstände überwunden, ist das ein Gewinn fürs eigene Leben, fürs eigene Wohlbefinden, für die körperliche, seelische und mentale Gesundheit – und in der Folge für alle im sozialen Umfeld“, fasst Konderla zusammen.

Rainer Konderla, Leiter des Männerbüros Salzburg.
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