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Salzburg. Die demografische Entwicklung in Europa sei eine dringliche Herausforderung, betonte Gudrun Kogler, Abgeordnete des österreichischen Nationalrates und Sonderbeauftragte für demografischen Wandel der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) beim jüngsten Kamingespräch des Forums Neues Leben in Salzburg. Der Rückgang von Geburten und die gleichzeitige Überalterung der Gesellschaft seien besorgniserregend: „Das Problem der ,demografischen Bombe‘ ist real ... Bei den Geburtenraten erreichen wir mittlerweile jedes Jahr neue historische Tiefstände.“
Kugler betonte, dass diese Statistik kein rein österreichisches Phänomen sei, sondern nahezu die gesamte entwickelte Welt betreffe – darunter auch Länder in Lateinamerika und Asien. Lediglich für Zentralasien sowie große Teile Afrikas werden derzeit noch wachsende Bevölkerungen prognotiziert. Die Folgen des „demografischen Winters“ seien in zahlreichen Bereichen spürbar: in der Geopolitik, der Wehrfähigkeit, auf dem Arbeitsmarkt, im Pensionssystem sowie im Gesundheitswesen. Besonders der ländliche Raum werde die Auswirkungen dieser Entwicklung bald deutlich spüren. All diese Probleme würden bereits jetzt eintreten und sich zunehmend verschärfen, so die Expertin.
Die aktuelle Situation erfordere rasche Reformen, warnte Kugler, sei aber gleichzeitig mit großen Herausforderungen verbunden. Als realistischsten Weg sieht sie eine Kombination aus Mitigation und Adaption – also einerseits Maßnahmen zur Abschwächung sinkender Geburtenraten und andererseits eine Anpassung der Gesellschaft an eine Zukunft mit weniger Kindern. „Wir wissen, dass kaum eine dieser Maßnahmen populär sein wird“, befürchtet Kugler. Ein Lösungsansatz: „Es ist wichtig, junge Menschen zu ermutigen und sie bei der Familiengründung zu unterstützen. Besonders jungen Frauen muss vermittelt werden, dass sich Familie und andere Lebensziele vereinbaren lassen“, berichtete Kugler auch aus ihren eigenen Erfahrungen als Mutter. Man müsse in Sachen Kinderwunsch auf die Konsequenzen hinweisen, aber auch „Mut machen“.
tom/eds
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