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Die Jungen machen die Älteren digital fit

Großes Interesse: Der Saal, in dem das Webinar stattfand,  war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Großes Interesse: Der Saal, in dem das Webinar stattfand, war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Welt verändert sich durch die modernen Medien rasant. Damit auch ältere Menschen besser mithalten können, begleiten sie junge Ehrenamtliche mit dem Projekt „Digital dabei“. 

Conny Pipal

Oberalm. Heute herrscht geschäftiges Treiben in der Seniorenresidenz Schloss Kahlsperg. Eine Gruppe junger Leute, allesamt Ehrenamtliche bei der youngCaritas, haben sich bereit erklärt, diesen Nachmittag zu nutzen, um älteren Menschen die digitale Welt näher zu bringen. Fern von Berührungsängsten und nahe dem praktischen Umgang wird das Wissen rund um die virtuelle Welt in einfachen Worten erklärt.

 

Berührende Begegnungen

 

Leonie Watzal, Schülerin der HAS Hallein (im Bild links), ist bereits zum dritten Mal hier, vor allem weil ihr eine Seniorin besonders ans Herz gewachsen ist: „Da ist eine alte Dame, die mich sehr berührt. Sie hat mir Schokolade mitgebracht und sich sehr bedankt. Sie kannte sich bei ihrem neuen Handy nicht aus und ich habe ihr gezeigt, wie man E-Mails verschickt, Fotos bearbeitet oder Apps löscht.“ Auch ihre Mitschülerin Ayla Halilagic (rechts) geht voll in dieser Freiwilligenarbeit auf. „Es war so schön zu beobachten, wie sich die Menschen für dieses Thema öffneten. Zuerst tasteten wir uns vorsichtig heran und schließlich fand ein vertrauensvoller Austausch statt. Sie erzählten uns über ihr Leben, über ihre Freundschaften, ihre Enkelkinder“, sagt Ayla sichtlich gerührt. Während sie spricht, kommen schon die ersten Interessierten und nehmen in dem großen Saal Platz.

 

Lernwillige Gruppe

 

Zu Kaffee und Krapfen gibt es bei einem Webinar zur sicheren Handy- und Internetnutzung viel Wissenswertes zu erfahren. Bevor es losgeht, nimmt der 93-jährige Franz vom Betreuten Wohnen erwartungsvoll sein Telefon in die Hand. Den heutigen Tag möchte er nutzen, um zu lernen, wie man die Fotos vom Handy auf den Laptop bringt. Die Leiterin des Betreuten Wohnens in Oberalm, Andrea Höll, begleitet ihre lernwillige Gruppe und erzählt von den vielen positiven Erfahrungen dieses Projektes: „Eine Bewohnerin wird bald achtzig und kam ganz erfüllt zu mir, da sie nun dank der Unterstützung der jungen Leute einen eigenen Instagram-Account hat. Sie strahlte übers ganze Gesicht und schwärmte, was sie jetzt alles kann.“

 

Stefan Lechner und Marianne Affenzeller: Einblicke in die moderne Technik. 

 

Internet-Banking am Handy

 

Neben der vergnüglichen Verwendung sei aber auch der alltägliche Nutzen eine wichtige Angelegenheit. „Ein Thema ist das Online-Banking oder die ID Austria. Es war so üblich, dass man zur Bank geht und mit der Hilfe von Angestellten Scheine ausfüllt. Das wird immer weniger, da alles automatisiert ist“, weiß Andrea Höll und spricht davon, dass zwar viele schon das Internet-Banking am Handy installiert haben, jedoch der richtige Umgang damit Probleme bereite. „Mit einer Dame haben wir immer wieder geübt, Überweisungen zu tätigen. Nun läuft es und sie fährt nicht mehr extra zur Bank.“

 

Handy statt Block

 

Dazu gibt es noch viele andere Anwendungen, die für die älteren Leute Neuland sind. So zeigte sich Seniorin Marianne Affenzeller erstaunt, dass man mit einem QR-Code direkt auf eine Webseite kommt.  Dass sie ebenso Notizen auf dem Handy machen kann, ist nun für sie selbstverständlich. „Vorher habe ich den Einkauf auf den Block geschrieben“, lacht sie und spricht gleich darauf die ernste Thematik zum Umgang mit E-Mails an. Sie wisse, dass man da ganz genau hinschauen müsse.  Ihr Handy nützt sie am liebsten für Gute-Morgen- und Gute-Nacht-WhatsApp-Wünsche für ihre Freunde. Das sei ihr viel lieber als telefonieren.

So komme ich mit dem Handy direkt auf eine Webseite. 

Waltraud Pellers besonderes Interesse gilt neben Instagram und Facebook auch Infos, die ihr die Mobilität erleichtern. „Wenn ich mit dem Bus oder Zug fahre, kann ich alles eingeben und erfahre die Ankunft und Abfahrt.“ Den Mehrwert, wenn die Jugend der älteren Generation dabei hilft, digital fit zu werden, schätzt auch Caritasdirektor Kurt Sonneck. „Es ist sehr wichtig, dass sie in Bezug auf die soziale Teilhabe nicht abgehängt werden, da viele Aufgaben in unserer Zeit auf diese Weise funktionieren. Auf der anderen Seite machen digitale Angebote wie die Sozialen Medien Sinn, um Kontakte zu knüpfen. Ich finde, das Projekt großartig, weil dieser wertschätzende, generationenübergreifende Austausch stattfindet, der für beide Seiten so bereichernd ist.“

 

Stefan Lechner, Fachbereichsleitung, Zivilgesellschaftliches Engagement Pfarrcaritas und Mitinitiator von „Digital dabei“, freut sich, dass die Bewohner sich auf diese Aktion mit Begeisterung und Neugier einlassen. „Alle Beteiligten haben so viele positive Rückmeldungen bekommen. Wir möchten dieses Angebot regelmäßig anbieten.“ 

 

Andrea Höll und Kurt Sonneck finden das Projekt großartig.

 

 

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