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So wächst das Mitgefühl von klein auf mit

Füreinander da sein sollte auch für Kinder schon eine Selbstverständlichkeit sein.
Füreinander da sein sollte auch für Kinder schon eine Selbstverständlichkeit sein.

Wie bereits kleine Gesten große Wirkung entfalten: Gelebte Hilfsbereitschaft als Vorbild und selbstverständlicher Wert in der Familie.

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Conny Pipal

Mira beobachtet, dass Anna in der Klasse kaum mit jemandem spricht. Die anderen Kinder ignorieren sie. Anna ist nie zu Geburtstagsfeiern eingeladen und während der Pause steht sie meist allein. Da Mira zu Hause gelernt hat, dass man sich um Schwächere kümmert und nicht wegschaut, ist es für sie das Normalste der Welt, dass sie Anna immer wieder fragt, ob sie mit ihr gemeinsam die Hofpause verbringen möchte. Sie lädt sie ein, am Nachmittag zum Teich zu gehen.  Die beiden Mädchen werden Freundinnen und Anna freut sich, nicht mehr allein zu sein.


Gegenseitig helfen


„Mira hat intuitiv das Richtige getan. Sie sah eine Not, erkannte, dass sie diese lindern konnte und handelte danach. Nicht nur Anna profitiert davon, auch Mira selbst, denn sie hat erlebt, dass sie als Kind stark genug ist, etwas verändern zu können“, erklärt Stefanie Hinterlechner-Weber, Psychologin und Referentin für die Diözese Innsbruck. „In einer Familie hilft man sich gegenseitig und dies ist eine Selbstverständlichkeit, denn sonst würde das Familienleben nicht funktionieren. So lernen Kinder bereits früh, dass es möglich ist, die eigenen Fähigkeiten dem Alter entsprechend einzubringen und für die Gemeinschaft zu nützen.“


Dieser Sinn für Fürsorge entfalte seine Wirkung auch im späteren Leben. „Wenn wir nur auf uns selbst schauen, dass es uns gut geht, werden sich zunehmend Gefühle der Unzufriedenheit, der Leere und des Frustes einstellen. Die Suche nach dem Sinn wird uns unbefriedigt zurücklassen und wir werden von einer Aktivität zur nächsten ziehen, in der Hoffnung, endlich erfüllt zurückzukehren.“


Blick über den Tellerrand


Kinder würden durch unser Vorbild lernen, sagt Hinterlechner-Weber. Es brauche zudem neue Perspektiven. Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass Nachbarn einander kannten und zumindest locker miteinander in Kontakt standen. „Man wusste, wenn jemand krank war und vielleicht Unterstützung benötigte. Heute kennen wir unsere Nachbarn häufig gar nicht mehr.“ Der Blick über den eigenen Tellerrand endet aber nicht bei den Nachbarn, sondern geht weiter, indem Kindern die Welt gezeigt wird. Dies geschehe auch über Erzählungen, dass es nicht alle so gut haben, wie die meisten von uns.


Gefühle der Dankbarkeit


„Lassen wir sie erfahren, dass es viele Gegenden auf der Welt gibt, wo die Menschen Hunger leiden, von Krieg und Verfolgung betroffen sind und um das tägliche Überleben kämpfen“, sagt Stefanie Hinterlechner-Weber. 
Es traumatisiere Kinder nicht, wenn wir ihnen sagen, dass es ein Privileg ist, lernen und zur Schule gehen zu dürfen, dass es Kinder gibt, die unter ungesunden Bedingungen arbeiten müssen, oder gar im Abfall nach Essbarem suchen, um überleben zu können. Dieses Wissen lasse in Kindern Gefühle der Dankbarkeit, der Zufriedenheit und der Wertschätzung dessen, was wir zur Verfügung haben, entstehen. Es lässt sie sensibler werden für die Nöte der anderen und mit zunehmendem Alter wird es ihnen gelingen, mit Selbstverständlichkeit für das Schöne, das Wahre und das Gute in der Welt einzustehen und Verantwortung dafür zu übernehmen.

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