Bunt ist das Cover des Buches, in dem Schwester Michaela Lerchner 21 wahre Ge-schichten aus ihrer schlimmsten Krisenzeit und dem Weg zur Gesundung niedergeschrieben hat. Ab 1994 litt sie unter einer schweren Depression, die schließlich 2006 zu einem stationären Aufenthalt in der psychiatrischen Abteilung des Krankenhaues Schwarzach führte. Zuvor arbeitete die Halleiner Schwester Franziskanerin 33 Jahre als Krankenschwester.
Während ihres Aufenthalts musste sie Mandalas ausmalen. „Ich habe es gehasst, dachte was soll ich da etwas ausmalen, kann ich nicht etwas anderes machen?“ Heute empfindet sie das Malen als pure Freude und hat ihre eigene Lieblingstechnik entwickelt: „Ich gebe mehrere Farbkleckse auf ein Blatt, lege ein anderes darüber und fahre mit dem Nudelwalker drüber, dann ziehe ich beide Blätter ganz schnell auseinander, so bildet sich das typische Muster.“ Daraus entstehen Grußkarten, oder eben ein Buchcover, auf dem ihre liebste Farbe Blau nicht fehlen darf.
„Für den Zustand der Depression gibt‘s keine Worte, er ist unbeschreibbar. Ich habe es so empfunden als ganzer Mensch ge- und zerbrochen zu sein“, versucht Sr. Michaela dennoch eine Beschreibung. Letztlich zeichne sich eine Depression durch „Losigkeiten“ aus – Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit, Sinnlosigkeit, Freudlosigkeit, Lustlosigkeit.

Betroffen sein kann jeder Mensch in jedem Alter. Selbst Menschen, die einen festen und aufrechten Glauben leben. „Depression ist eine Krankheit und steht in keinem Zusammenhang mit dem Glauben. Mein ‚Innerstes‘ war völlig durcheinander gewirbelt.“ Man müsse sich in dieser Krisenzeit auch nicht wundern, wenn man nicht mehr beten könne.
Zu erkennen und sich einzugestehen, dass man sich in einer Depression befindet, sei sehr schwer. „Menschen wollen das nicht wahrhaben. Sie gehen zu Heilpraktikern und Energetikern, halten sich an jedem Strohhalm fest, geben viel Geld aus. Das Einzige, was aber hilft, ist eine psychiatrische Behandlung.“ Dieser Punkt ist für Sr. Michaela unumstößlich. Auch Jahre nach ihrer Genesung liebt sie die Gespräche mit ihrer Therapeutin. Neben der psychiatrischen Behandlung sei die Psychotherapie über einen langen Zeitraum wichtig. Nur so lasse sich Stabilität erreichen.
„Das Wichtigste ist aber, dass Leute in solchen Krisen nicht verzweifeln. Man muss die schlimme Zeit durchhalten in der Gewissheit, dass es sich einmal ändert. Aber man muss etwas tun. Eine Depression vergeht nur, wenn ich etwas tue.“
Nach ihrer Genesung leitete Sr. Michaela Lerchner acht Jahre lang das Peer-Center, den psychosozialen Betroffenen-Verein in Salzburg. Mit ihrem Buch und KBW-Vorträgen will sie nun Menschen in dieser Situation beistehen. Mit persönlichen Geschichten aus ihrer eigenen Erfahrung mit Depression. „I woas wovon i red“, ermutigt sie sich damit aueinander zu setzen.

Sr. Michaela Lerchner teilt in ihrem Buch „Mein Leben in vielen Farben – was ich auf dem Weg von der Depression zur Gesundung erlebt habe“, ihre Erfahrungen in 21 wahren Geschichten. (Verlag Anton Pustet, ISBN: 9-783702-511678, 15 Euro).
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