So manch guter Beobachtende wird sich wohl wundern, wenn er auf die zahlreichen Kirchturmspitzen im Zillertal blickt. Auf der einen Seite, nämlich am ostseitigen Ufer des Zillers, sind die Türme grün. Auf der anderen Seite des Flusses sind sie allerdings rot. Warum das so ist? Um dieses Rätsel zu lösen, müssen wir weit in die Geschichte zurückblicken, und zwar ins Römische Reich. Schon in frühen Zeiten, vor über zweitausend Jahren, stellte der Fluss Ziller die Grenze zwischen zwei römischen Provinzen dar, die im achten Jahrhundert von den Diözesen übernommen wurden.
Die linke Seite des Zillers zählte zur Diözese Brixen (heute Innsbruck) und die rechte Seite zur Erzdiözese Salzburg. Warum sich diese diözesane Grenze durch das Zillertal zieht? Darüber können Historiker auch nur munkeln. Unter all den Geschichten gibt es eine, die sich durchaus als schlüssig erweisen könnte. Es wird nämlich vermutet, dass Salzburg vermögender war und sich deshalb Kirchtürme aus kostspieligen Kupferschindeln leistete. Die Tiroler Diözese Brixen hingegen war nicht so wohlhabend und deckte ihre Türme daher mit roten Ziegeln.
Einigkeit über diese Erklärung gibt es jedoch nicht. Eines gilt jedoch als gesichert: Die unterschiedlichen Dachfarben der Kirchentürme dienten als weithin sichtbares Unterscheidungsmerkmal der kirchlichen Zugehörigkeit.
Wer über dieses farbliche Merkmal Bescheid weiß, wird sich dann doch noch über eine Besonderheit wundern, die im ersten Moment so gar nicht in das Schema passt. Schon von weitem sieht man den beachtlichen fünfzig Meter hohen Kirchturm in Strass im Zillertal in sattem Grün leuchten. Eigentlich jedoch müsste er in roter Farbe erstrahlen, da die Türme der Kirchen, die zur Diözese Innsbruck gehören, eben rot sind.
Auch in diesem Fall muss man sich nur mit einer Mutmaßung zufriedengeben. So sagt man, dass es in Strass in damaligen Zeiten Kupferabbau gab, und aus diesem Grund war mehr Geld für die wertigeren Schindeln vorhanden.
Und gleich noch eine Eigenheit findet man im Zillertal. So liegt Aschau kirchlich im Bereich der Diözese Innsbruck, der Ortsteil Distelberg jedoch gehört zur Erzdiözese Salzburg. Es wäre also durchaus möglich, dass die Gemeinde Aschau von zwei Bischöfen besucht werden kann.
Aktuelles E-Paper