Im Sommer 1926 stand das Tiroler Passionsspieldorf Erl ganz im Zeichen des heiligen Franz von Assisi. Siebenhundert Jahre nach dessen Tod brachten die Passionsspielerinnen und Passionsspieler ein eigenes Franziskusspiel auf die Bühne. Von Mai bis Oktober strömten an den Sonntagen Besucherinnen und Besucher nach Erl, um das Leben jenes Heiligen zu erleben, der bis heute Menschen weit über die Grenzen der Kirche hinaus fasziniert.

Karte des Franziskusspiels von 1926
Die Erlerinnen und Erler wählten das Stück „Der Herold des großen Königs“ des Franziskaners Hippolyth Böhlen aus. Das Werk war damals sehr erfolgreich und wurde an mehr als 30 Spielorten in Europa und sogar in Japan aufgeführt. Regie führte Robert Hammer, ein Tiroler Franziskaner und Schriftsteller. Eingeflochten wurden Musikstücke des Oratoriums „Franziskus“ des belgischen Komponisten Edgar Tinel.
Die fünfstündige Aufführung wurde damals in der regionalen Presse gefeiert. Der Aufwand, den die Tiroler Gemeinde betrieb, mit Umbauten am Passionsspielhaus, den Kulissen und Kostümen, der Einsatz jedes und jeder Einzelnen – Erl schuf ein stimmiges und eindrucksvolles Schauspiel, wie eine lokale Zeitung aus dem Jahr 1926 festhielt: „Man merkt es jedem Mitspielenden an, daß er mit voller Hingabe sich in seine Rolle hineingelebt hat und sein Teil beitragen will, daß Erls Volkskunst neue Triumphe erlebe. (...) Der Besuch des Schauspiels lohnt sich in jeder Weise; jeder Besucher wird innerlich ergriffen und erbaut werden.“

Szenenbild aus dem Jahr 1926: Der Tod von Franziskus
Die Zeit, in der das Spiel entstand, war von Unsicherheit geprägt. Der Erste Weltkrieg lag erst wenige Jahre zurück, viele Menschen suchten nach Orientierung und Hoffnung. In dieser Situation wurde Franziskus als eine Gestalt vorgestellt, die auf Reichtum verzichtete, Frieden stiftete und ihr Vertrauen ganz auf Gott setzte.
Das Franziskusspiel von 1926 war mehr als eine Jubiläumsveranstaltung. Es zeigte den Menschen einer bewegten Zeit eine Figur, die für Frieden, Bescheidenheit und Menschlichkeit stand. Fast hundert Jahre später haben diese Werte nichts von ihrer Aktualität verloren. Vielleicht liegt gerade darin der Grund, warum die Erinnerung an dieses Spiel bis in die Gegenwart nachwirkt. Dieses öffentliche Glaubenszeugnis einer Dorfgemeinschaft – wie es Erl alle sechs Jahre mit der Passion heute noch lebt – macht die Botschaft des Evangeliums durch ein gemeinsames Engagement sichtbar. Darin liegt eine Anregung für die Kirche unserer Zeit: Glauben wird dort lebendig, wo Menschen ihn gemeinsam gestalten und weitergeben.
Auch Papst Franziskus wählte seinen Namen bewusst nach dem heiligen Franz von Assisi und stellte Themen wie Frieden, Bescheidenheit, Nähe zu den Armen und die Bewahrung der Schöpfung in den Mittelpunkt seines Pontifikats. Genauso wie Erzbischof Franz Lackner, für den der heilige Franziskus ebenfalls namensgebend und eine persönliche Leitfigur ist.
Josef Kronthaler stellte 1926 Franziskus dar
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