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„Bei Jesus bleiben, in seinem Wort“

Die Neugeweihten Manuel Zehetner, Josef Straub, Roland Münster, Andreas Holzner und Lorenz Goppert mit Erzbischof Franz Lackner.
Die Neugeweihten Manuel Zehetner, Josef Straub, Roland Münster, Andreas Holzner und Lorenz Goppert mit Erzbischof Franz Lackner.

Erzbischof Franz Lackner hat am Fest „Peter und Paul“ im vollen Dom zu Salzburg fünf Männer zu Priestern für die Erzdiözese Salzburg geweiht. Die unterschiedlichen Biografien haben eine gemeinsame Mitte: den Ruf zu einem Leben, das ganz Gott und den Menschen geweiht ist. 

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Große Freude in der Erzdiözese: Erzbischof Franz Lackner weihte Andreas Holzner, Lorenz Goppert, Manuel Zehetner, Josef Straub und Roland Münster zu Priestern. Weihbischof Hansjörg Hofer, der genau vor 50 Jahren seine Priesterweihe empfangen hat, Erzabt Jakob Auer OSB, Generalvikar Harald Mattel, Priesterseminar-Regens Tobias Giglmayr, das Domkapitel, 200 Priester und Diakone feierten die Weiheliturgie mit. Rund 1.000 Gläubige – darunter Abordnungen aus den Heimatgemeinden in Österreich und Deutschland – füllten den Salzburger Dom mit festlicher Stimmung und großer Dankbarkeit, sodass die Pries-terweihe zu einem eindrucksvollen Zeichen lebendigen Glaubens wurde. 


Bleibt in der Nähe Jesu! 


„Sucht und bleibt in der Nähe Jesu!“ Die Nähe zu Jesus stets aufs Neue zu suchen – das sei für Priester in Zeiten von Kriegen und Entmenschlichung durch die Technik sowie in Zeiten, in der die Kirche selbst in einer Krise steckt, umso wichtiger. „Niemand, keine Theorie, keine Idee und keine Religion hat uns Gott so nahegebracht wie dieser Jesus von Nazareth“, stellte Erzbischof Franz Lackner in seiner Predigt fest. 


Jeder und jede hat Aufgabe


„Vergessen wir nicht, für die Menschen, zu denen wir gesandt sind, zu beten, denn sie gehören Gott.“ Erzbischof Lackner definierte das Pries-tersein damit, Jesus zum Vorbild zu machen und ihn nachzuahmen – etwa durch das Gebet, denn schon Jesus habe sich zum Beten zurückgezogen. Ein weiteres Anliegen sei der Zölibat, weil er die Lebensform Jesu sei: „Ich weiß, das ist nicht leicht, er fordert uns heraus, und wir dürfen uns nicht erhaben fühlen, aber es soll unser hohes Ideal bleiben, damit wir mit Klugheit und allen Kräften nachstreben.“ 
Bei Jesus bleiben, in seinem Wort, ihm ähnlich zu werden, sei nicht möglich ohne die Christgläubigen, sagte Erzbischof Lackner: „Ich wage zu behaupten, dass kein Sakrament vom Priester ganz allein gespendet werden kann und darf.“ Deshalb auch seine abschließende Bitte an die Weihekandidaten und Mitbrüder, die Seelsorge gemeinsam anzugehen. „Es braucht in der Seelsorge immer ein mitgehendes Element vor Ort und eines, das hinzukommt. Meine große Bitte an euch: Lassen wir es gemeinsam nicht zu, dass diese Orte der Seelsorge und des Feierns zu Orten der Dränglerei, Wichtigtuerei oder gar des Kampfes werden. In der Kirche hat jeder und jede seine oder ihre Aufgabe und den je angestammten Platz.“

  „Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers.'
Zu den Geweihten


Andreas Holzner, 37 Jahre alt, aufgewachsen in Mittersill, ist derzeit pastoraler Mitarbeiter in der Tiroler Pfarre Brixen im Thale und Seelsorger im Referat Ministrantinnen- und Ministrantenpastoral. Er wird künftig in der Pfarre Saalfelden eingesetzt. 


Josef Straub, 30 Jahre alt und aus Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg, Deutschland), ist gelernter Zimmermann und trat 2019 in das Erzbischöfliche Priesterseminar ein. Als Diakon war er in Faistenau im Einsatz und wird künftig in der Pfarre Altenmarkt im Pongau wirken. 


Lorenz Goppert, 26 Jahre alt, 1999 in Berchtesgaden geboren und in Großgmain aufgewachsen, besuchte die Salzburger Jüngerschaftsschule Home der Loretto-Gemeinschaft. Nach einem Praktikumsjahr bei der Loretto-Gemeinschaft studierte er Katholische Fachtheologie und trat 2020 in das Erzbischöfliche Priesterseminar in Salzburg ein. Künftig wird er in den Pfarren Elsbethen und Salzburg-Aigen dienen. 

 

Manuel Zehetner, 31 Jahre alt, stammt aus Garsten (Oberösterreich) und absolvierte die Ausbildung zum Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger. In das Priesterseminar trat er 2021 ein; von 2021 bis 2025 absolvierte er das Theologiestudium in Salzburg. Sein Diakonatsjahr verbrachte er im Pfarrverband Eben im Pongau. Zukünftig wird er in der Tiroler Pfarre Brixen im Thale wirken.


Roland Münster, 56 Jahre alt, 1968 in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen, Deutschland) geboren, war Kapitän zur See und Seelotse auf der Weser und Jade. In das Erzbischöfliche Priesterseminar trat er 2019 ein; tätig war er im Pfarrverband Salzburg-Nord am Standort Maxglan. Künftig wird er in der Pfarre Straßwalchen wirken.     

 

 

Gott schenkt auch heute Berufungen zum Priester

 

Am Hochfest Peter und Paul wurden für die Erzdiözese Salzburg fünf Diakone zu Priester geweiht. Ein großer Tag der Freude und der Dankbarkeit.


Gott schenkt uns auch heute Berufungen zum Pries-tertum, damit das Licht des Evangeliums in die Welt getragen werden kann und die Menschen Gott in den Sakramenten begegnen können. Stellvertretend tritt der Priester für die Menschen ein, die Gott nicht kennen, die müde und erschöpft sind, wie Schafe die keinen Hirten haben – so sagt Jesus. Als Diener Gottes ist der Priester auch Diener der Menschen, mit denen er lebt und die er begleitet in ihren Freuden, Sorgen und Nöten.
Durch die Weihe erhält der Priester Anteil an der Vollmacht Christi, die nicht Macht, sondern oft Ohnmacht ist. Er darf teilnehmen am einzigen Priestertum Christi, denn es ist immer der Herr, der in den Sakramenten handelt und wirkt. Als Freund Gottes soll der Priester auch ein Freund der Menschen sein. Die Menschen sollen spüren, dass man gerne den Weg des Glaubens mit ihnen geht. Denn der Glaube an das Evangelium führt uns zur Hoffnung und zur Freude. Papst Franziskus sagt im Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium: „Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Diejenigen, die sich von ihm retten lassen, sind befreit von der Sünde, von der Traurigkeit, von der inneren Leere und von der Vereinsamung. Mit Jesus Christus kommt immer – und immer wieder – die Freude.“ Als Priester darf man Diener dieser Freude sein.


Begleiten wir die Neupriester im Gebet, damit sie immer Diener der Freude für die Menschen sein können. Zugleich wollen wir um neue Berufungen beten, nach den Worten des Herrn:  Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! (Mt 9, 37). 

Regens Tobias Giglmayr

 

 

Predigt von Erzbischof Franz Lackner 

Liebe Schwestern und Brüder!

Vor einigen Tagen durfte ich den 35. Jahrestag meiner Priesterweihe feiern. Bei großer Hitze, mit viel Volk und geistlichen Weggefährten und -gefährtinnen. Es war sehr schön und ich bin tief dankbar.

 

Im Rahmen der Vorbereitung wurde ich vom ORF gefragt, ob ich es jemals bereut hätte, Priester geworden zu sein. Meine ehrliche Antwort ist: Es ist eine von den ganz wenigen, wenn nicht überhaupt die einzige Entscheidung, die ich wahrlich nie bereut habe. Das kommt selten vor. Was nicht bedeutet – auch das muss bekannt werden – dass es nicht Krisen, Unsicherheiten, Sünden gab; ja einmal meinte ich sogar vor den Trümmern meiner Berufung zu stehen. „Gott sei Lob und Dank: Wenn wir untreu werden, so bleibt Gott doch treu, denn Gott kann sich selbst nicht untreu werden“, so schreibt der Apostel Paulus.

Darum darf ich euch, liebe Priesterkandidaten, und allen meinen Mit-brüdern einige – wie ich meine – wichtige Erfahrungen weitergeben, die Wegmarken des Glaubens sind.

  1. Sucht und bleibt in der Nähe Jesu! Wir haben ein lange Theologiegeschichte, die gilt es zu studieren und dranzubleiben. Aber worauf es zuerst ankommt, ist: nahe bei Jesus zu sein. Gestern hat uns Dechant Ladislav eine schöne wie tiefsinnige Weiheexhorte gehalten. Gleich am Anfang hat er darauf hingewiesen: Wir leben in schwierigen Zeiten aufgrund von Kriegen und Entmenschlichung zugunsten von Techniken, aber auch in einer Zeit, in der die Kirche selbst auch in die Krise gekommen sei; so sei das Thema Priestertum gemeinhin negativ konnotiert.

Umso mehr brauchen wir die Nähe Jesu, gefühlt, ersehnt - und die Distanz erlitten. Denn wir haben nichts anderes. Mit Petrus möchte ich immer wieder sagen: „Herr, wohin sollen wir gehen? Denn nur du hast Worte ewigen Lebens.“

Niemand, keine Theorie, keine Idee und, mit Verlaub, keine Religion hat uns Gott so nahegebracht wie dieser Jesus von Nazareth. Mit dem Heiligen Augustinus möchte ich ausrufen: „…, weil ich dich gefunden habe, suche ich dich!“

  1. In seinem Wort bleiben! Gestern haben wir gehört, das Zweite Vatikanum stellt an die erste Stelle aller priesterlichen Dienste den Dienst am Wort Gottes. Und Jesus sagt: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen.“ Auch diesbezüglich haben wir ein wunderbares Zeugnis gehört von Kardinal Ryś aus Krakau, der den Weihekandidaten seiner Diözese einen Wunsch aussprach: „Möge das Wort des Evangeliums immer das erste Wort sein, mit dem ihr auf jede menschliche Situation reagiert.“
  2. Beten! Jesus hat viel gebetet. Wie gewohnt, ging Er am Sabbat in seiner Heimat in die Synagoge. Jesus hat sich immer wieder zurückgezogen, früh am Morgen oder nächtens, um zu beten. Einmal hat Er die ganze Nacht durchgebetet, und am Morgen, in der Früh, fast wie zufällig, beruft Er die ersten Apostel. Am Ölberg hat Er mit Gott gerungen und sich durchgerungen zum Bekenntnis „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!“ Das „Dein Wille“ ist auch die zentrale Bitte im Gebet, das Jesus auf Bitte hin die Jünger lehrt, das Vaterunser!

Wenn wir beten, werden wir Jesus ähnlich. Darum meine Bitte an euch Weihekandidaten und alle Mitbrüder: Beten wir das Brevier treu; es ist das Gebet, das uns aufgetragen ist, nicht zur eigenen Frömmigkeit, sondern für das uns anvertraute Volk. Das Brevier besteht vornehmlich aus Psalmen, die auch Jesus gebetet hat.

  1. Im Beten und vor allem im Feiern und in der Darbringung des Opfers Christi für die uns Anvertrauen werden wir als Priester Jesus ähnlich. Im Johannesevangelium, 17. Kapitel, dem sogenannten Hohepriesterlichen Gebet, spricht Jesus: „Für sie bitte ich, nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.“ Vergessen wir nicht, für die Menschen, zu denen wir gesandt sind, zu beten, denn sie gehören Gott.

Hier möchte ich noch ein großes Anliegen zur Jesus-Verähnlichung darlegen; das ist der Zölibat, weil die Lebensform Jesu Christi. Für Jesus war es zur damaligen Zeit gänzlich unüblich, nicht zu heiraten, keine eigene Familie zu gründen; Jesus wusste sich allein vom Vater gesandt und ihm zugehörig. Er entäußerte sich, als er in diese Welt eintrat, und hatte kein Heim für sich.

„Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel des Himmels ihre Nester, der Menschensohn keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ An dieser Einsamkeit Jesu haben wir Anteil, wenn wir um die Himmelsreiches willen ehelos keusch leben. Ich weiß, das ist nicht leicht, es fordert uns heraus, und wir dürfen uns nicht erhaben fühlen, aber es soll, muss unser hohes Ideal bleiben, dem wir mit Klugheit und allen Kräften nachstreben.

  1. Bei Jesus bleiben, in seinem Wort, Ihm ähnlich zu werden, ist nicht möglich ohne die Christgläubigen, ohne die Menschen, zu denen wir – ihr, liebe Weihekandidaten – gesendet seid. Denn ihn Ihm ist in einzigartiger Weise die Liebe Gottes, seine Menschenfreundlichkeit erschienen.

Als ich in das Bischofsamt berufen wurde, habe ich mit Blick auf Jesus das Wort von Johannes dem Täufer als Motto gewählt „Er muss wachsen, ich aber kleiner werden“. Ich bin sozusagen in Jesus eingetaucht und bei den Menschen aufgetaucht. So sehr, dass für mich auch – nicht ausschließlich – gilt: Sie, die Diözese, die mir anvertrauten Menschen und Priesterbrüder, müssen wachsen, ich aber kleiner werden.

Liebe junge Priesterbrüder, auch wenn die Situation, in die wir/ihr hineingestellt werdet, geschichtlich gewachsen oder aus zufälligen Gründen entstanden scheint, so ist es doch Gottes unvorhersehbare Fügung, dass der Priester sein priesterliches Wirken nicht allein tut. Ich wage zu behaupten, dass kein Sakrament vom Priester ganz allein gespendet werden kann und darf.

Dazu zwei Beispiele: Ich habe einmal nach bestem Wissen, Gewissen und Respekt jemanden auf die Beichte vorbereitet; am Ende stellte sich intuitiv der Gedanke ein: Ich darf jetzt nicht selber die Beichte hören, es braucht nun einen Gnadenimpuls, der von außen kommen muss: So ermutigte ich ihn, mit dieser Vorbereitung zu einem anderen Beichtvater zu gehen.

Visitation in einem Krankenhaus: Ich sollte auch die Kommunion an Kranke spenden. Es gab eine Krankenhausseelsorgerin, die ich bat, doch die Kommunion zu spenden; sie tat es wie immer sehr ehrfurchtsvoll und sehr menschengerecht. Ich habe eröffnet und einführende Worte gesprochen und zum Abschluss den Segen gespendet.

Es braucht in der Seelsorge immer ein mitgehendes Element vor Ort und eines, das hinzukommt. Meine große Bitte an euch, Priesterbrüder, und euch, liebe Mitverantwortliche in der Seelsorge: Lassen wir es gemeinsam nicht zu, dass diese Orte der Seelsorge und des Feierns zu Orten der Dränglerei, Wichtigtuerei oder gar des Kampfes werden. In der Kirche hat jeder und jede seine oder ihre Aufgabe und den je angestammten Platz.

 

Liebe junge Priesterbrüder: Nachdem euch der Bischof die Hände aufgelegt hat und eure Hände gesalbt werden, werden euch Brot und Wein überreicht; dabei spricht der Bischof spricht: „Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes.“

Ja, stellt Euer Leben unter dem Geheimnis des Kreuzes!

Amen.

 

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