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Passion sehen – Menschen erkennen

Zum Porträtieren kam Günter Egerbacher durch seine Grafik- und Design-Ausbildung vor 55 Jahren. Links sein Schweißtuch für die Thierseer Passion – Acryl auf Seide.
Zum Porträtieren kam Günter Egerbacher durch seine Grafik- und Design-Ausbildung vor 55 Jahren. Links sein Schweißtuch für die Thierseer Passion – Acryl auf Seide.

Ausstellung. Am Thierberg sind aktuell Porträts von Günter Egerbacher zu sehen. Sie zeigen Nähe, Leiden und Würde gleichermaßen – als Einladung, innezuhalten und genauer hinzusehen.

20 ganze Ausgabe als ePaper lesen
Daniela Pfennig
Redakteurin
daniela.pfennig@eds.at

Seit jeher spielen Kunst und Passion eine große Rolle im Leben von Günter Egerbacher. Aus jahrzehntelanger künstlerischer und persönlicher Nähe zur Passionsdarstellung ist nun eine Ausstellung entstanden. „Da ich seit 1982 bei den Thierseer Passionsspielen mitwirke, hatte ich ausreichend Gelegenheit verschiedene Darstellerinnen und Darsteller zu fotografieren, zu porträtieren und die Werke in der Kantine auszustellen. Da waren mir etwa 250 Betrachter und Kritiker sicher“, erzählt der Thierseer. 

 

Harmonie mit Tiefgang 

Außerdem stellt er seit vielen Jahren in monatlichem Wechsel in der örtlichen Bank jeweils zwei Bilder aus und berücksichtigt dabei den christlichen Festkreis. „So entstanden Exponate von der Verkündigung über den Kreuzweg bis zur Auferstehung“, erklärt Günter Egerbacher. Diese gesammelten Werke erwarten die Besucherinnen und Besucher aktuell am Thierberg bei Kufstein. „Obwohl es sich bei der Ausstellung um einen Rundgang handelt, wollte ich den Besuchenden keine Richtung vorgeben. Zentral hängen die zwei Thierseer Schweißtücher (Acryl auf Seide) und die beiden Christusdarsteller der letzten Passion“, beschreibt der Künstler. Die vorgegebenen rustikalen Holzrahmen hatten Einfluss auf die weitere Reihenfolge der Bilder.

 

Günter Egerbacher

 

Jedes Porträt ist Begegnung

Jedes Porträt ist für Egerbacher eine Begegnung, eine Herausforderung: „Es ist eine intensive und zeitaufwendige Auseinandersetzung mit dem Menschen, der sich zeichnen oder malen lässt. Eine Gratwanderung zwischen Weglassen und Verstärken.“ Dieser Balanceakt begleitet ihn seit seiner Ausbildung im Bereich Grafik und Design. Schon damals zeigte sich seine Hinwendung zum menschlichen Körper, zum Gesicht, zum Ausdruck. „Das Porträt blieb seither stets mein Hauptthema.“

 

Jedes Porträt ist eine intensive, zeitaufwendige Auseinandersetzung mit einem Menschen – eine Begegnung. 

Günter Egerbacher

Selbstporträt von Günter Egerbacher

 

Selbst Gedanken machen

Was den Künstler antreibt, ist mehr als der Wunsch nach Harmonie. „Gefälligkeit soll nicht über Leid und Schmerz hinwegtäuschen“, führt Günter Egerbacher aus: „Schönheit darf berühren, aber sie darf nicht beschönigen. Mein Kreuzweg und die Auferstehung – frei nach Grünewald – laden ein zur eigenen Interpretation, zum Innehalten, vielleicht auch zum Hinterfragen.“ Manche hinterlassen Gedanken im Besucherbuch der Ausstellung. „Wer hier einen Kommentar niederschreibt, hat sich Gedanken gemacht. Es ist mir eine Freude, meine Arbeiten den ganzen Sommer über zeigen zu dürfen – und vielleicht damit auch einen kleinen Ausblick zu geben: auf die Thierseer Passionsspiele 2028.

 

Die Ausstellung fügt sich ein in einen besonderen Ort: die Johanneskapelle und den Turm am Thierberg. Viele kommen wegen der Aussicht – und bleiben bei den Bildern.

 

 

teilnehmen

 

Die Ausstellung mit Zeichnungen von Günter Egerbacher zu den Themen Geburt, Versuchung, Passion und Porträts von Mitwirkenden der Thierseer Passion ist bis September im Turm am Thierberg zu sehen.

 

Die Thierseer Passion wird 2028 wieder aufgeführt. Zur Website.
 

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E-Mail: rupertusblatt@eds.at

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