Mit zwei Wachsstöcken, die ich in Kindertagen in unserem alten Bauernhof auf dem Dachboden gefunden habe, hat alles begonnen“, erinnert sich Maria Niedermühlbichler. Mehrmals hat sie diese liebevoll übersiedelt bis sie vor rund 20 Jahren selbst zu experimentieren begann: „Ich wollte ein eigenens Wachsstöckl machen – und habe so lange probiert, bis es gelang“, erzählt sie weiter.
Parallel dazu begann sie, Heiligenbilder zu sammeln und in ihre Arbeiten zu integrieren. Bald reichten die vorhandenen Wachsstöcke nicht mehr aus. Sie entwickelte ihre Technik weiter und begann, Ostereier kunstvoll mit Wachsschnüren zu gestalten. Die Werke zeigen sowohl das Leiden Christi als auch die österliche Freude. „Sie sollen nicht nur den Tod darstellen, sondern auch Hoffnung und Zuversicht schenken“, sagt sie.

„Es muss nicht perfekt sein – wichtig ist, dass man sein Herz hineinlegt und etwas Besonderes schaffen will“, betont Maria. Vor allem reizt sie der kreative Prozess: Ideen entstehen in ihr selbst, wachsen über die Zeit und fordern sie heraus, umgesetzt zu werden. „Ich hole mir keine Anregungen aus dem Internet. Oft ist es knifflig, meine Gedanken in Form zu bringen – aber genau das macht den Reiz aus.“ Erinnerungen aus ihrer Kindheit fließen ebenfalls ein.
Es muss nicht perfekt sein – wichtig ist, dass man sein Herz hineinlegt und etwas Besonderes schaffen will.

Die Tirolerin Maria hofft, dass ihre Wachskunstwerke so viel Freude schenken, wie sie selbst beim Gestalten empfindet.
Das Material ist heute rar geworden, nur noch wenige Firmen produzieren Wachsschnüre. Früher war die Auswahl deutlich größer. Die Pensionistin arbeitet daher mit ihrem Vorrat: „Ich bin sparsam und wertschätzend aufgewachsen. Mir ist wichtig, aus dem, was da ist, etwas zu machen.“ Gleichzeitig liegt ihr die Bewahrung von Tradition am Herzen: „Was mit Mühe gefertigt wird, wirft man nicht einfach weg.“ Sie hofft, dass ihr Handwerk weiterlebt: „Es wäre schön, wenn es jemand fortführt – auch wenn Basteln heute oft weniger Stellenwert hat.“
Kein Kunstwerk gleicht dem anderen. Die Wachswicklerin probiert ständig Neues aus – „sonst wird es langweilig“. Heuer setzte sie eine besonders kreative Idee um: „Heiligenbilder hinter alten Uhrengläsern, kunstvoll mit Wachs umwickelt, wurden zu einzigartigen Medaillons“, berichtet die Tirolerin stolz. Sie hat auch schon Eier mit Frühlingsblumen verziert oder Kartoneier bemalt und wie Fastenkrippen befüllt.
teilnehmen
Die Wachswicklerin präsentiert die Faszination der österlichen Wachskunst im Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach am 28. und 29. März ab 13 Uhr. Interessierte können ihr bei der Arbeit über die Schulter schauen und ihre Kunstwerke bestaunen sowie erwerben.
Infos beim: Museum Tiroler Bauernhöfe

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