
Der Glaube, den ich am liebsten mag,
sagt Gott, ist die Hoffnung.
Charles Péguy (1873–1914), französischer Schriftsteller
Salzburg. Kann man Hoffnung üben und „lernen“? Diese Frage stellte sich Prälat Johann Reißmeier an einem Kreuzungspunkt seines Lebens. Zum einen schrieb man gerade das Heilige Jahr 2025, das die Christenheit innerlich und äußerlich zu „Pilgern der Hoffnung“ werden ließ, zum anderen inspirierte ihn die persönliche Erfahrung einer Ausbildung in Logotherapie und Existenzanalyse bei Christoph Schlick. Die von Viktor Frankl begründete Logotherapie beschreibt den Menschen als ein Wesen, das Sinn sucht und Sinn braucht. In ähnlichem Geiste spricht Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Spe Salvi“ von „Lernorten der Hoffnung“.
„Beide sind Jahrhundertpersönlichkeiten“, sagt Reißmeier über Viktor Frankl und Papst Benedikt XVI. „Sie zeigen einen Weg auf, wie wir Hoffnung ,lernen‘ können. Also wo die Hoffnung eine Haltung wird, mit der wir dem Leben begegnen und uns mit dem Leben auseinander setzen können.“ Hoffnung sei ein Kernthema für gelungenes Mensch- und Christsein. Wenn der Apostel Paulus sagt „Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen“ (vgl. Röm 5,5) bedeute das anders ausgedrückt: „Die Hoffnung lässt uns leben.“ Auf Grundlage dieser und weiterführender Gedanken verfasste Prälat Reißmeier sein Werk „Hoffnung üben“.
Unter den „Lern- und Übungsorten“ der Hoffnung wird im Buch zunächst „Das Gebet“ genannt. Es sei eine Schule der Hoffnung in Situationen der Einsamkeit und Hilflosigkeit, schrieb Papst Benedikt: „Wenn niemand mehr mir zuhört, hört Gott mir immer noch zu. Wenn ich zu niemand mehr reden, niemanden mehr anrufen kann – zu Gott kann ich immer reden.“ Zeugnis davon gibt die Erzählung des vietnamesischen Kardinals Nguyen Van Thuan, der 13 Jahre im Gefängnis der Vietcong verbrachte, davon neun Jahre in Einzelhaft. Ihm wurde das Gebet zu einer stets wachsenden Kraft der Hoffnung.
Hoffnung in unsäglichem Leiden erfuhr die heilige Anna Schäffer, die in einen Kessel kochender Lauge glitt und 25 Jahre bis zu ihrem Tod unter Schmerzen ans Bett gefesselt war. Sie schenkte dennoch anderen Trost und Hoffnung. Und schließlich sei auch das Letzte Gericht ein Bild der Hoffnung: auf das ewige Leben über den Tod hinaus.
Fazit: Prälat Johann Reißmeier gibt dem bisweilen inflationär verwendeten Begriff Hoffnung jene Tiefe zurück, die ihm als christlichem Kernthema gebührt. Er ergänzt die allgemeinen Betrachtungen um eigene Erfahrungen, die er in den 1990er-Jahren im damaligen Jugoslawien-Krieg mit der Aktion „Bauern helfen Bauern“ sammelte. „Das war konkrete Nächstenliebe in einer absoluten Extremsituation als Hilfe zur Hoffnung für andere Menschen“, beschreibt der Autor seinen ganz persönlichen Lernort der Hoffnung.
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Donnerstag, 19. März, 19 Uhr, Kapitelsaal, Kapitelplatz 6, Salzburg
Buchpräsentation „Hoffnung üben“ (Be&Be-Verlag, 2026)
von Prälat Domkapitular Johann Josef Reißmeier
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