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Der Weg in die Welt der Worte

Thomas lernte mit seiner  langjährigen Betreuerin Lisa Raitmair von UK-Unterwegs  Gebärden. Hier jene für Erdbeere.
Thomas lernte mit seiner langjährigen Betreuerin Lisa Raitmair von UK-Unterwegs Gebärden. Hier jene für Erdbeere.

Der Tag des Hörens am 3. März macht darauf aufmerksam, wie wichtig gutes Hören für die Kommunikation und soziale Teilhabe ist. Doch nicht für jedes Kind ist Hören und Sprechen selbstverständlich.

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Daniela Pfennig
Redakteurin
daniela.pfennig@eds.at

Thiersee. Als Thomas in den Kindergarten kam, sprach er nur drei Wörter. „Er verstand uns und reagierte. Aber weil er sich oft unverstanden fühlte und Gefühle nicht ausdrücken konnte, gehörten Wutanfälle zum Alltag“, erinnert sich Mama Melanie Pirchmoser. Thomas lebt mit dem seltenen Smith-Magenis-Syndrom, das seine Sprachentwicklung stark verzögerte. Für seine Eltern war diese Zeit von großer Sorge geprägt: Würde ihr Sohn jemals sprechen? Würden sie ihn eines Tages wirklich verstehen können? Wie reagieren andere Kinder?

Unterstützende Gebärden im Kindergartenalltag erhöhten die Verständlichkeit enorm. 

Die Thierseer Familie erhielt Hilfe vom Verein „Unterstützte Kommunikation Unterwegs“ (UK-Unterwegs), einem Sprachausgabe-Tablet und seiner engagierten Kindergartenpädagogin Elisa Thaler sowie ihrem Kindergartenteam. „Ich wollte Thomas helfen, sich mitzuteilen. Zudem waren Kinder mit unterschiedlichem Entwicklungsstand in der Sprach- und Hörentwicklung in der Gruppe. Deshalb verwendeten wir Tiroler Gebärden und arbeiteten mit Bildsymbolen, beschrifteten Spielsachen  mit Gebärden und trugen Lieder mit Gebärden vor. Das erhöhte die Verständlichkeit enorm“, berichtet die Elementarpädagogin. Sie arbeitete zusätzlich mit dem Zentrum für Hören und Sehen in Mils bei Hall in Tirol zusammen: „Die ganze Gruppe erfuhr kindgerecht, wie ein Hörgerät funktioniert, und erhielt wertvolle Tipps: zur Raumgestaltung, wo wir am besten den Sitzkreis machen oder wie der Lichteinfall perfekt ist und unser Mundbild und Gesicht optimal sichbar sind“, so Elisa Thaler.

 

Gemeinsam den Weg gehen

 

Bei den wöchtentlichen Besuchen von UK im Kindergarten lernte nicht nur Thomas Gebärden – die ganze Gruppe machte mit. „Für Thomas war das ein Geschenk. Er musste diesen Weg nicht alleine gehen. Sein Gebärdenwortschatz vergrößerte sich rasch“, ist Melanie Pirchmoser dankbar. Auch die anderen Kinder profitierten und merkten, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass man reden und hören kann. „Es war immer spannend und lustig, neue Gebärden zu lernen. Das war etwas, das zuhause nur ich konnte“, erinnert sich seine ehemalige Kindergartenkollegin Chiara Gruber, die heute ebenfalls neun Jahre alt ist.

 

Die Erfahrungen aus dieser Zeit prägten auch die Pädagogin: Heute arbeitet Elisa Thaler (im Bild) selbst bei UK und begleitet Familien, Kindergärten und Schulen. „Es ist schön zu sehen, wie sich Kinder entwickeln und was mit guter Förderung möglich ist. Daher ist es wichtig, Strategien zu finden, allen Kindern Inklusion und Teilhabe zu ermöglichen“, beschreibt sie ihre Motivation. Thomas besucht inzwischen die dritte Klasse der Landessonderschule Mariatal. „Seit der zweiten Klasse redet er ununterbrochen – zwar nicht immer für alle gut verständlich, aber damit hätten wir nicht mehr gerechnet“, sagt seine Mutter bewegt.

 

 

wissenswert

 

Da immer wieder Kinder mit Hör- oder Sprachdefiziten in den Kindergarten Vorderthiersee kommen, setzt das Team in solchen Gruppen auf GUK – eine Gebärden unterstützte Kommunikation. Dabei zeigen die Pädagoginnen und Kinder, während sie sprechen, kleine Handzeichen und lernen Gebärden im Alltag – beim Singen, Spielen, Essen und Erzählen. Sie benutzen Augen, Ohren und Hände gleichzeitig. Das verbessert gegenseitiges Verständnis, Ausdrucksfähigkeit und die Zusammenarbeit der Gehirnhälften. So können auch Kinder, die noch nicht gut sprechen können, sagen, was sie wollen oder fühlen.

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