Als vor zwei Jahren in der Messe verkündet wurde, man solle die Zahlscheine für die Caritas-Haussammlung mitnehmen, weil es keine Haussammlung mehr gebe, ließ das Katja Gasteiger nicht los. „Ich habe mich gefragt: Warum eigentlich nicht mehr?“ Die Antwort war ernüchternd: Corona hatte vieles zum Stillstand gebracht, langjährige Sammlerinnen und Sammler waren weggefallen, und die Frage blieb: Wer traut sich das heute noch zu?
Für Gasteiger, selbst seit fünf Jahren Caritas-Mitarbeiterin als Leiterin der Servicestelle Demenz und Tirol-Koordinatorin, war klar: Wenn die Caritas Not sehen und handeln möchte, braucht sie auch im Tiroler Unterland Gesichter und Begegnungen. „Viele wissen gar nicht, was die Caritas macht, wie breit sie aufgestellt ist. Sie ist nicht nur für Menschen mit Migrationshintergrund da, sondern für alle: für Familien, für Pflegebedürftige, für Menschen in schwierigen Lebenslagen“, betont Gasteiger. Gleichzeitig sei die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen, oft groß.
Gemeinsam von Haus zu Haus kann viel bewegt werden und die Caritas auch in Zukunft vor Ort helfen.
Katja Gasteiger initiierte wieder die Caritas-Haussammlung in Brixen im Thale
Sie beriet sich mit ihrer Kollegin Andrea Wieser von der Caritas Sozialberatung in St. Johann in Tirol. Die beiden stellten im Pfarrgemeinderat die Arbeit der Caritas und die Bedeutung regionaler Angebote vor – mit Wirkung. Pfarrgemeinderat und Pfarrkirchenrat zeigten sich sehr offen. Zumal 40 Prozent des gesammelten Geldes in der jeweiligen Pfarre bleiben und direkt an Bedürftige weitergegeben werden können.
Gemeinsam präsentierten sich Pfarrgemeinderat, Pfarrkirchenrat und Caritas bei einem Abend der Erwachsenenschule im Gemeindeamt, bei dem sich alle Vereine des Ortes vorstellen konnten. Ein Plakat, eine einfache Liste und der Aufruf „Werde jetzt Haussammler:in!“ reichten aus: Viele erklärten sich bereit, mitzumachen. Besonders erfreulich war die große Offenheit junger Menschen, vor allem der 18- bis 20-Jährigen. „Einige haben angeboten, ein Benefizkonzert für die Caritas zu machen, weil das Haussammeln für sie zeitlich nicht möglich ist. Andere kannten die Haussammlung schon, weil sie bereits einmal für die Oma eingesprungen waren“, erzählt Gasteiger.

Das Plakat beim Vernetzungstreffen zeigte große Wirkung.
Im Februar werden die neuen Haussammlerinnen und -sammler auf ihre Aufgabe vorbereitet: auf das Zugehen, auf Ablehnung, aber auch auf Begegnungen mit einsamen, redebedürftigen Menschen. Im März startet dann die Haussammlung. „Mir ist wichtig, dass die Caritas auch künftig gut helfen kann“, sagt Gasteiger. „Vielleicht gelingt es so sogar, weitere Angebote ins Tiroler Unterland zu bringen.“ Für sie ist klar: Gemeinsam von Haus zu Haus kann viel bewegt werden.
teilnehmen
Am 24. Februar findet im Pfarrsaal Brixen im Thale ein Treffen der „neuen“ Haussammlerinnen und Haussammler statt. Interessierte können gerne spontan vorbeikommen. Beginn ist um 19 Uhr.
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