Bei der Firmvorbereitung im Vorjahr stellte Mona Mráz, Pfarrassistentin in An-gath–Angerberg–Mariastein, den Firmlingen eine einfache Frage: Warum kommt ihr eigentlich nicht zu den Gottesdiensten?
„Dass der Sonntagvormittag bei Jugendlichen kein Thema ist, war mir klar. Dass aber auch der Samstagabend kein guter Zeitpunkt ist, überraschte mich“, erzählt sie. Entweder seien die Jugendlichen noch mit schulischen Aufgaben beschäftigt oder bereits mit den Vorbereitungen fürs Ausgehen. So entstand die Idee eines neuen Gottesdiensttermins: Sonntagabend – allerdings nicht wie gewohnt um 19, sondern bereits um 17.30 Uhr.

Viermal im Jahr studiert die junge Gruppe SAMAS eigens für dieses Gottesdienstformat ein Lied ein. Es bildet den roten Faden der Wort-Gottes-Feier. Beim jüngsten „Sunday Soul“ stand We are the World im Mittelpunkt.
„Davon ausgehend stellen wir uns Besinnungsfragen, die Impulse für das eigene Leben geben“, erklärt Mráz. Wir denken darüber nach, welchen Auftrag wir in dieser Welt haben, was wir beitragen können und im Gebet kommen wir mit Gott in Kontakt. Auch eine bewusst gestaltete Zeichenhandlung ist Teil des Gottesdienstes: Die Besucherinnen und Besucher können eine Kerze anzünden oder Weihrauch auflegen. „Man kommt in Bewegung und kann symbolisch etwas in der Kirche lassen oder mitnehmen“, so die Pfarrassistentin.
Das Feedback ist durchwegs positiv. Viele empfinden diese Stunde als Geschenk, manche sprechen sogar von einem „Kurzurlaub“. „Auch für mich sind diese Gottesdienste extrem motivierend und stärkend“, sagt Mona Mráz. Gut angenommen wird zudem der Austausch im Anschluss bei Getränken und Snacks.

Die Möglichkeit des Zusammenseins und Austauschs im Anschluss bei Snacks und alkoholfreien Getränken wird auch gut angenommen.
„In Scharen stürmen die Jungen die Kirche zwar nicht“, räumt die Initiatorin ein, „aber sie ist jedes Mal gut gefüllt – mit einem bunt gemischten Publikum.“ Sie ist überzeugt: Wer neue Gottesdienstformate ausprobieren möchte, sollte zuerst die Zielgruppe fragen, was sie braucht. „Ich hätte die Jugendlichen teilweise ganz anders eingeschätzt.“ Zudem brauche es einen langen Atem und die eigene Überzeugung: „Die Leute spüren, dass es echt ist – und dass ich nicht nur versuche, cool für die Jungen zu sein.“
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