Pater Bernhard Holter OFM, Franziskus-Experte aus Telfs, erläuterte den oft übersehenen Diakonat des heiligen Franziskus: „Viele Quellen zeigen uns Franziskus als ,clericus‘ und ,levita‘ – Begriffe, die im Mittelalter vielfach mit dem Diakonat gleichgesetzt wurden.“ Das klarste Zeugnis dafür sei das Weihnachtsereignis von Greccio: Franziskus legte dort, wie die Quellen berichten, die Gewänder der Leviten an und sang das Evangelium. Auch die Drei-Gefährten-Legende weist darauf hin, dass Franziskus bei einem Hochamt des Generalkapitels das Evangelium verkündete – ein klar diakonischer Dienst. Ein weiteres Indiz sieht Holter im großen Einsatz des Heiligen für eine würdige Aufbewahrung der Eucharistie sowie der liturgischen Bücher, auch gegenüber Priestern.
Warum, wann und von wem Franziskus die Diakonenweihe empfing, darüber schweigen die Quellen. Dass er auf dieser Weihestufe blieb, wäre für das 13. Jahrhundert keineswegs ungewöhnlich. Zahlreiche bedeutende Theologen – etwa Petrus Diakon – belegen dies. „Wahrscheinlich ging die Initiative zur Weihe von kirchlicher Autorität aus“, erklärt Holter. Franziskus sollte vor Häresieverdacht geschützt und kirchlich abgesichert werden. Für Franziskus war das Dienen das höchste Amt. Holter beschreibt Franziskus als einen Propheten der Nähe Gottes. Das sakramentale Zeichen war für ihn mehr als Symbol: Es wurde zur Form einer endgültigen Christus-Repräsentation im Dienst am Menschen.
Franziskus war ein Diener und Prophet der Nähe Gottes, Vorbild und Auftrag zugleich.
Der Salzburger Diakon Albert Hötzer sieht in Franziskus ein starkes persönliches Vorbild und verweist auf das berühmte Fresko Giottos „Die mystische Vermählung des heiligen Franziskus mit der heiligen Armut“ (im Bild oben). Christus, der diese Verbindung segnet, wird von Hötzer – in einer bewusst subjektiven Deutung – mit einer Diakonenstola gesehen. Auch wenn diese Sicht kunsthistorisch nicht allgemein geteilt wird, sei sie inhaltlich stimmig: Sie verbinde Franziskus’ radikale Armut mit Christus im dienenden Einsatz für den Menschen. Für Holter wie für Hötzer wird das sichtbare sakramentale Zeichen des Diakons zur „leibhaftigen Visitenkarte“ des Heiligen – ein Diener und Prophet der Nähe Gottes, Vorbild und Auftrag zugleich.
tag der diakone

Am Sonntag, 18. Jänner, feierte Bischofsvikar Gerhard Viehhauser (im Bild vordere Reihe, Vierter von links) gemeinsam mit den Ständigen Diakonen der Erzdiözese Salzburg und ihren Ehefrauen im Salzburger Dom das alljährliche Fest des heiligen Vinzenz von Saragossa, des Patrons der Diakone.
Der heilige Vinzenz von Saragossa, als Patron der Diakone verehrt, gehört neben dem hl. Stephanus und dem hl. Laurentius zu den drei großen „Erzdiakonen“ der Kirche. Sein Fest wird alljährlich rund um den Gedenktag am 22. Jänner gefeiert.
Im Salzburger Dom predigte Diakon Friedrich Reiterer in Erinnerung an die Diakonenweihe und im Hinblick auf den Sonntag des Wortes Gottes: „Empfange das Wort Gottes. Was du liest, ergreife im Glauben, was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, das erfülle im Leben.“ Diese innere Einheit von Wort, Glaube und gelebtem Dienst sei Wesenskern des diakonalen Auftrags.
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