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Inhalt:

Frag die Rabbinerin!

Was macht Judentum heute aus? Rund um den Tag des Judentums wird heuer die deutsche Rabbinerin Esther Jonas-Märtin in der Gesprächsrunde „Frag die Rabbinerin“ Rede und Antwort stehen. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit und ihren Glauben gesprochen.

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Monika Hölzl

RB: Welche Fragen werden Ihnen als Rabbinerin am häufigsten gestellt?
Esther Jonas-Märtin: Meist geht es um jüdisches Leben heute und um Frauen im Rabbinat. Leider ist Ersteres meist im Zusammenhang mit Antisemitismus.

RB: Von welchen Fragen würden Sie sich mehr wünschen? 
Jonas-Märtin: Mehr offene Fragen zum Judentum, die sogenannten W-Fragen: Warum, weshalb, wieso, oder wie lebt man jüdisch heute? Offene Fragen bedeuten nicht nur, dass sich mein Gegenüber schon mit Judentum oder jüdischer Geschichte beschäftigt hat, sondern, dass echtes Interesse besteht einander zu begegnen und kennen zu lernen. Empathie beginnt mit der Wahrnehmung von anderen Werten und kalendarischen Unterschieden, und zeigt sich sowohl im „Frohe Feiertage“ wünschen als auch in der Berücksichtigung von Feiertagen bei der Planung von Konferenzen oder Tagungen.

 

RB: Zum Judentum kursieren Fehlinformationen in der Gesellschaft. Welche halten sich besonders hartnäckig? 
Jonas-Märtin: Auf der Liste der Top Ten ist sicherlich immer noch das Bild vom strafenden Gott im Judentum, dicht gefolgt von absoluter Unkenntnis über die Geschichte des Christentums, also über die jüdischen Wurzeln dessen, was Christen (auch) leben, wie etwa die Zehn Gebote. 

 

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Empathie beginnt mit der Wahrnehmung anderer Werte.
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Esther Jonas-Märtin ist Rabbinerin im Leipziger Lehrhaus Beth Etz Chaim.

 

RB: Am 17. Jänner ist Tag des Judentums. Ist er für die Gesellschaft wichtig? 
Jonas-Märtin: Es geht mir ähnlich wie mit anderen besonderen „Tagen“. Es ist gut, dass es diese Achtungspunkte im Kalender gibt, weil es doch zu Aktionen, zum Handeln und zum Lernen beiträgt. Aber: Events haben selten nachhaltige Effekte und helfen selten Vorurteile im alltäglichen Handeln überwinden oder Muster hinterfragen. Um nachhaltig wirksam zu sein, müsste darüber reflektiert werden, was in unserer Gesellschaft als normativ gesetzt wird und was es braucht, empathischer und inklusiver miteinander zu leben.

 

RB: Sie haben das Lehrhaus „Beth Etz Chaim“ zur Vermittlung jüdischen Wissens mitinitiiert. Wie gestaltet sich Ihre Arbeit als Rabbinerin dort? 
Jonas-Märtin: Angefangen hat alles in meinem Wohnzimmer mit Kerzenzünden und Kiddusch zum Schabbatbeginn. Heute treffen wir uns regelmäßig zum Schabbat, feiern Gottesdienst und zelebrieren Hadlakat Nerot (Kerzenzünden), HaMotzi (Brotsegnen), und Kiddusch (Heiligung des Tages mit dem Segen über Wein oder Traubensaft). Wir begehen die Feiertage des jüdischen Jahres, immer gepaart mit Lernen und Lehren. Es ist mir wichtig, dass sich auch Menschen wohl fühlen, die bisher nicht viel oder gar nichts mit Judentum zu tun hatten. Deshalb steht Lernen im Mittelpunkt, wie auch unsere eigene besondere Tradition, die jeden Menschen einbezieht. Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die zu uns finden. Damit das harmoniert ist Teilhabe nicht nur ein Wort. Teilhabe besteht aus Teilnehmen und Beitragen der Menschen. So entsteht Gemeinschaft.

 

teil

nehmen

Zum 27. Mal findet am 17. Jänner auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen Österreich der Tag des Judentums statt. 
Do., 15. Jänner, ab 15 Uhr: Studiennachmittag „heim@ – jüdische identitäten“, Theol. Fakultät, HS 101. Anschl. Abendgebet im Sacellum. 
Fr., 16. Jänner, 13.30 Uhr: Gesprächsrunde (Frag die Rabbinerin mit Esther Jonas-Märtin) und gemeinsame Schabbatfeier. Theol. Fakultät, HS 107. 
Anmeldung: matthias.hohla@eds.at

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