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Salzburg. Mit einem Rückblick auf das Heilige Jahr und einer Erinnerung an den verstorbenen Papst Franziskus begann Erzbischof Franz Lackner an Silvester seine Predigt zum Jahresabschluss im Salzburger Dom. So sei es dem Papst zum Ende seines Pontifikats – obwohl bereits vom Tod gezeichnet – wichtig gewesen, sich noch einmal mit den Insassen eines römischen Gefängnisses zu treffen. Die Begründung von Papst Franziskus: „An solchen Orten frage ich mich immer: Warum sie und nicht ich?“
Auch die Vorgänger von Franziskus würdigte der Erzbischof in diesem Zusammenhang: „Für unsere letzten drei Päpste gilt, wozu der Hebräerbrief auffordert, wenn es heißt: ,Schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach!‘ Denken wir an das geduldige Ausharren des heiligen Papstes Johannes Paul II. auf dem Kalvarienberg seines Leidens, wo er dennoch zu sagen vermochte: ,Ich bin heiter, seid ihr es auch!‘ Denken wir auch an Papst Benedikt, der heute vor drei Jahren starb; seine letzten Worte, gehört vom Krankenpfleger um drei Uhr morgens, lauteten: ,Herr, ich liebe dich.‘“
Glaube und Werke gehörten untrennbar zusammen, betonte Franz Lackner. Heilig sei das Jahr daher auch durch das viele Gute gewesen, das in der Kirche für die Armen, Kranken und heimatlos Bedrängten getan worden sei: „Unsere Gemeinschaft, mögen manche einwenden, ist in diesem Jahr erneut kleiner geworden – doch sie verliert dadurch nicht an Wichtigkeit. Wir haben in der Kirche wirklich heiligmäßige Mitarbeitende, die Not sehen und bereit sind zu helfen. Ihr vielen Helfenden, ich danke euch aufrichtig.“
Der Erzbischof drückte in seiner Silvesterpredigt weiters sein Bedauern aus, dass dem Aufruf von Papst Leo, die Waffen mögen doch wenigstens an Weihnachten schweigen, keine Aufmerksamkeit geschenkt wurde. „Der Krieg ist der Vater der Armut. Es muss uns zuinnerst treffen, wenn so nah bei uns Menschen stets mit der Angst zu Bette gehen, dass ihnen Bomben nicht nur den Schlaf rauben, sondern auch das Leben“, sagte Franz Lackner unter Verweis auf die Ukraine und rief zu Gebeten für den Frieden in allen Kriegsregionen auf.
Unser Glaube ist nicht allein ein Ich-Glaube. In der Kirche kommt dem ,Wir‘ größte Bedeutung zu. Es trägt uns als Gemeinschaft durch alle Herausforderungen.
Beklagenswert sei in unserer Gesellschaft auch der Hang zum Individualismus. Für die Kirche tue die Erinnerung not, „dass unser Glaube nicht allein ein Ich-Glaube ist“. Schon beim Konzil von Nicäa vor 1.700 Jahren sei formuliert worden „Wir glauben“ – und in der Tat, so Lackner, „kommt diesem ‚Wir‘ in der Kirche größte Bedeutung zu, es trägt uns als Gemeinschaft durch alle Herausforderungen“.
Zum Abschluss forderte der Erzbischof die Gläubigen auf: „Bleiben wir offen für Gott und seinen Ratschluss, bleiben wir empfänglich und hörend für seine Stimme. Diese Stimme ist nie dröhnend und schmetternd, sie ist leise, sie flüstert. Wir können sie hören in der Stille, besonders in einer lauten und grellen Welt.“
tom/kap
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