Rund 50 Taufen hat er im vergangenen Jahr gefeiert. „Ich hatte einmal Sorge, dass das langweilig werden könnte“, gibt er schmunzelnd zu. „Aber jede Taufe ist einzigartig – mit den jeweiligen Familien, ihren Geschichten und ihrer Atmosphäre.“
Oft wird er gefragt, warum seine Taufen „so anders“ seien. „Ich verwende dieselben Bücher und Texte“, sagt Mühlbacher. Der Unterschied liege im Miteinander. Besonders wichtig ist ihm das Taufgespräch: Er besucht jede Familie zuhause, Eltern, Paten, Geschwister, oft sind auch Großeltern dabei. „Ich erkläre, was bei der Taufe passiert, worum es geht – denn bei der Feier selbst geht es voll ab.“
Wenn er die Frage stellt: „Was erbittet ihr von der Kirche Gottes?“, erleben viele einen Aha-Moment. Zu verstehen, dass Kirche nicht nur eine Institution, ein Gebäude ist, sondern die Gemeinschaft aller Anwesenden, berührt. „Viele sind erstaunt, dass wir dieses Kind gemeinsam aufnehmen wollen“, erzählt der Diakon.
Während der Feier bindet er Kinder und Erwachsene aktiv ein, erklärt Symbole wie Taufkerze, Öl und Taufkleid. Die Kerze stehe für Licht in dunklen Zeiten, für Orientierung, Wärme und Geborgenheit. „Von vorne sehe ich offene Münder, feuchte Augen – Taufen sind voller Emotionen. Das ist einfach schön.“
Auch das Exorzismusgebet und das Katechumenenöl sind ihm wichtig: als Zeichen des Schutzes vor allem, was belastet und krank machen kann. Für Mühlbacher ist die Taufe zugleich „Lieblingssakrament“ und „Missionsarbeit“: „Ich spüre, dass sich bei den Menschen etwas bewegt – im Kopf und im Herzen.“
Lachen hat dabei genauso Platz wie Tränen. Weinende Babys bringen ihn nicht aus der Ruhe, ebenso wenig, wenn es lautstark in die Windel geht und alle kurz schmunzeln. Fehlt das Fläschchen, kann sich die Mutter auch zum Stillen in die Sakristei zurückziehen – die Feier geht ruhig weiter. „Wenn es dem Täufling gut geht, geht es allen gut“, sagt Mühlbacher gelassen.
Auffällig ist, dass viele Täuflinge heute älter sind. Vermehrt sind sie 5, 6 Jahre alt, erleben die Taufe ganz bewusst, sagen ihren Namen selbst. Für den Diakon ein starkes Zeichen. Besonders wichtig ist ihm auch das Dabeibleiben nach der Taufe: beim Essen nimmt er die Kinder selbstverständlich auf den Arm, spricht mit der Familie. „So kann Kirche positiv weitergetragen werden – mitten im Leben.“
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